Kurzprofil auf einen Blick

Name: Sigrid Tinz
Beruf/Funktion: Diplom-Geoökologin, Journalistin, Buchautorin und Referentin
Fachgebiet: Artenreich Gärtnern, Artenvielfalt im Alltag, Wildnis im Garten und auf dem Balkon
Bezug zu Wildbienen, Naturgärten oder Biodiversität: Seit vielen Jahren beschäftige ich mich beruflich und privat mit der Frage, wie wir mehr Natur in unsere Gärten, Balkone und Grünflächen bringen können. Als Autorin, Referentin und Beraterin vermittle ich Wissen rund um Artenvielfalt, naturnahes Gärtnern und die Bedürfnisse unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt.
Seit wann Jurymitglied? 2022
Lieblingspflanze für Wildbienen: Glockenblumen. Sie sehen so richtig nach Gartenblumen aus, und ich kenne eigentlich niemanden, der sie nicht schön findet. Gleichzeitig sind die verschiedenen Glockenblumenarten wichtige Pflanzen für Wildbienen, aber auch für Schmetterlinge, Käfer, Spinnen und viele andere Gartenbewohner. Glockenblumen statt Geranien – wenn das alle machen würden, wäre schon viel erreicht 😉
Lieblingsinsekt: Nashornkäfer
Wie bist du zum Naturgarten gekommen?
Eigentlich gab es keinen einzelnen Moment. Ich war schon als kleines Kind von allen Tieren und Pflanzen rund um mich herum begeistert, ob Löwenzahnschirmchen oder dicke Käfer. Als ich älter wurde, wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, sie zu schützen und zu bewahren.
Ich habe Geoökologie studiert und arbeite heute hauptberuflich für die Artenvielfalt. Das ist manchmal frustrierend, aber gleichzeitig auch ein großes Geschenk: Ich kann mit meiner Mission meine Miete bezahlen. Ich halte Vorträge, Lesungen und Seminare für Jung und Alt, schreibe Bücher, Artikel und Blogbeiträge und teile auf Instagram als @kraut_und_buecher regelmäßig Fotos und Tipps rund um das Motto #WenigerArbeitMehrArtenreich.
Krautundbuecher.de heißt auch meine Website. Kraut steht für die Natur, Bücher für meine Produkte. Und zusammen klingt es für mich ein bisschen so, wie Natur eben ist: nicht geschniegelt und geschniegelt, sondern vielfältig, bunt und manchmal leicht chaotisch.
Zusammen mit meinem Mann habe ich sechs Kinder und dazu noch einen Hund. Meine Gärten sind deshalb aus Überzeugung und aus Zeitmangel oft viel sich selbst überlassen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – sind sie voller Leben und echte kleine Artenreiche geworden.
So sieht mein eigener Naturgarten aus
Mein Garten ist ein Wildnis-Garten. Es gibt wilde Ecken, blühende Säume, Totholz, Laub, selbst ausgesäte Pflanzen und kleine Bereiche, die etwas stärker gestaltet sind. Irgendwo müssen wir ja auch mal sitzen. Und weil es ein Kleingarten ist, den „Nutzgartenanteil“ vorweisen. Generell geht es mir nicht um perfekte Tomaten oder preiswürdige Staudenbeete. Mein Garten soll vor allem Lebensraum für möglichst viele Tiere und Pflanzen sein.
Mir ist wichtig, nicht einzelne Arten gezielt zu fördern, sondern ganze Kreisläufe in Gang zu halten. Ein Nisthotel oder ein Vogelfutterhaus können sinnvoll sein, aber viel spannender und praktischer finde ich einen Garten, der sich möglichst selbst versorgt und selbst bewirtschaftet.
Deshalb spielen bei mir Strukturen eine große Rolle: Bäume und Sträucher als Schattenspender, Laub als Lebensraum, Wasser für Trockenzeiten, Totholz für Käfer und Pilze, Säume und Wildnisinseln für alles, was kreucht und fleucht. Nicht jede Fläche muss blühen. Verstecke, Schatten, Wasser, Laub und wilde Bereiche gehören genauso dazu.
Wildnis-Gärtnern bedeutet für mich, den Menschen nicht immer in den Mittelpunkt zu stellen, sondern dem Garten zu erlauben, auch eigene Wege zu gehen. Auch wenn es die Theorie oder der Plan anders vorgesehen haben.
Ein Blick hinter die Kulissen der Juryarbeit
Beim Wettbewerb begeistert mich immer wieder die Kreativität der Teilnehmenden. Wie unterschiedlich artenreiche Gärten aussehen können: groß oder klein, wild oder ordentlich, auf dem Land oder mitten in der Stadt.
Bei den Einreichungen achte ich besonders darauf, wie gut eine Fläche langfristig Lebensraum schafft. Dass nicht nur bunt und vielfältig Blühendes gepflanzt wird – auch wenn es ein Pflanzwettbewerb ist. Denn dann kommt der Herbst, und dann zeigt sich, was nach der Blüte bleibt: Samenstände, Verstecke, Überwinterungsmöglichkeiten, Wasserstellen, verschiedene Strukturen.
Außerdem schaue ich immer auf die Möglichkeiten vor Ort. Natürlich ist es etwas anderes, wenn ein großer Kitaträger ein Budget für die Umgestaltung seines Außengeländes hat oder wenn eine kleine Elterninitiative ihren Vorgarten in Eigenleistung umgestaltet.
Im Gedächtnis bleiben mir oft nicht die größten Projekte, sondern die kleinen Flächen, auf denen Menschen mit viel Herzblut etwas verändert haben.
Persönlicher Tipp für Teilnehmende
Fangt mit einer kleinen Sache an, mit dem, was für euch am einfachsten, am schönsten, am prakitkabelsten klingt. Die Natur belohnt euch oft doppelt mit guten Ergebnissen und so schnell, dass der nächste Schritt ganz von allein kommt.
Empfehlungen und eigene Projekte
Auf meiner Website und auf Instagram zeige ich seit vielen Jahren, wie Artenvielfalt alltagstauglich werden kann – mit weniger Arbeit und mehr Leben im Garten.
Unter @kraut_und_buecher teile ich regelmäßig Fotos, Gartengeschichten und praktische Tipps für mittlerweile knapp 60.000 Followerinnen und Follower.
Außerdem bin ich Autorin mehrerer Bücher rund um Artenvielfalt, naturnahes Gärtnern und das Zusammenleben mit Tieren im Garten. Meine Bücher gibt es überall im Buchhandel und natürlich auch in meinem Onlineshop – auf Wunsch gerne mit persönlicher Widmung.
Auf https://www.krautundbuecher.de findet ihr meine Bücher, Blogartikel, Vorträge, Newsletter und weitere Angebote rund um naturnahes Gärtnern und Artenvielfalt.
Besonders am Herzen liegt mir das Projekt „Wildnis ist in Ordnung“. Mit einem Wildnisschild und einem kleinen Zertifizierungsprogramm zeichne ich wilde Gärten, Balkone, Gräber und andere naturnahe Flächen aus. Denn Wildnis braucht nicht nur Platz, sondern auch Anerkennung.
Website:
https://www.krautundbuecher.de/wildnis-ist-in-ordnung