Jurymitglied: Helma Spona (Vorauswahl-Jury)

Kurzprofil auf einen Blick

Name: Helma Spona

Beruf/Funktion: IT-Beraterin, Online-Shop-Betreiberin

Fachgebiet: E-Commerce

Bezug zu Wildbienen, Naturgärten oder Biodiversität: Ich habe mich immer schon für Natur, Tiere und Insekten interessiert. Seit 2022 habe ich meinen Garten in einen Naturgarten umgebaut, um unsere heimischen Insekten mehr und vor allem richtig zu unterstützen. Schon vor 25 Jahren als ich meinen Garten angelegt habe, habe ich einige richtig gemacht, aber eben nicht alles und vor allem nicht konsequent.

Seit wann Jurymitglied? Seit 2025

Lieblingspflanze für Wildbienen: Eine Lieblingspflanze habe ich eigentlich nicht richtig. Im Juni freue ich mich aber über die ersten Blüten des Sumpfstorchschnabels, in dem dann sofort auch die Auenschenkelbienen schlafen. Das sieht so niedlich aus, wenn sich dann oft mehrere Bienen in einer Blüte versammeln, dort festhaken und warten, dass sich in der Dämmerung die Blüten schließen und sie so sicher bis zum nächsten morgen bewahren.
Ansonsten mag ich Flockenblumen jeder Art und Glockenblumen. Mein nächstes Ziel für meinen Garten lautet: „Jede heimischen Glockenblume und jede heimische Flockenblume im Garten zu haben“. Ich bin gespannt, ob ich das schaffe.

Lieblingsinsekt: Lieblingsinsekten gibt es ganz Viele. Feuerfalter und Bläulinge bspw. die hier am Niederrhein inzwischen sehr selten sind, aber auch Pinselkäfer und Rosenkäfer mag ich sehr und Glühwürmchen, die ich gerne in meinem Garten hätte, aber vermutlich wegen der Beleuchtung der Nachbargärten nie bekommen werde.

Wie bist du zum Naturgarten gekommen?

Vor inzwischen 4 Jahren war ich sehr unzufrieden mit meinem Garten, viel Grün, wenig Blüten. Das Insektensterben wurde immer deutlicher und ich habe nach Ideen gesucht, mit meinem Garten den Insekten zu helfen. Ich habe dann bei Youtube ein Video von Markus Gastl gefunden in dem er das Hortus-Konzept vorgestellt hat. Das alles erschien mir logisch und ich habe beschlossen meinen Garten in einen Hortus umzuwandeln. Kurz danach bin ich auf den Naturgartenverein gestoßen. Im ersten Schritt habe ich die invasiven Neophyten entfernt, Schmetterlingsflieder, Palmlilie, gepunkteter Gilbweiderich. Die kanadische Goldrute hatte ich schon vorher genervt, weil sie den halben Garten übernommen hatte. Jetzt wusste ich aber endlich auch, warum sie das getan hatte.

Als alle invasiven Neophyten entfernt waren, habe ich noch weitere Neophyten entfernt, die ich immer schon genervt hatten, weil ich sie nicht mochte, wie die japanische Herbstanemone, eine Sternmagnolie, mehrere Hibiskus-Sträucher und gefüllte Pfingstrosen. An ihre Stelle sind dann heimische Stauden eingezogen.

Danach war ein Beet fast leer. Ich habe allen Bewuchs entfernt, die Fläche mit etwas Sand abgemagert und heimische Wildstauden einsät und gepflanzt, einen Steinhaufen angelegt, eine Badestelle für meine Spatzen gebaut und ein Sandarium. Der Rest vom Garten war eigentlich schon ganz brauchbar für einen Naturgarten und einen Hortus. Dafür habe ich lediglich noch die Ertragszone ausgebaut. Neben den schon vorhandenen Hochbeeten auf dem Garagendach gab es noch ein Gemüsebeet und ein paar Spalierobstbäume.

Im ersten Schritt habe ich meinen Garten nach den Regeln von „Natur im Garten NRW“ prämieren lassen und habe vom Nabu NRW die Auszeichnung „Schmetterlingsfreundlicher Garten“ erhalten.

Im Anschluss habe ich die Plakette des Naturgarten e.V. in Verbindung mit „1000 Gärten 1000 Arten“ in Gold bekommen. Dazu habe ich neben dem was jetzt schon da war, noch eine kleine Trockenmauer, einen Reisighaufen und einen Käferkeller mit stehendem Totholz angelegt.

Mein Naturgarten ist jetzt 4 Jahre alt und freue mich in jedem Jahr auf den Frühling und den Sommer, denn ich bin jedes Jahr überrascht, dass er immer wieder anders aussieht. Mal überwiegt die Wegwarte, im nächsten Jahr die Flockenblumen oder die Lichtnelken. Gleiche Beete sehen jedes Jahr so anders aus.

Was ich auch toll finde, der Garten verändert sich. Totholz vergeht, man kann neues Totholz einbauen, der Reisighaufen fällt auseinander und man kann das Material und neue Zweige nutzen um ihn in andere Form, Größe oder auch an anderer Stelle wieder aufzubauen. So kann man Fehler, die man gemacht hat, beim nächsten Versuch besser machen.

Und ich finde es immer wieder faszinierend, wie das mit dem „Tiere pflanzen“ funktioniert. Da lässt man den Hahnenfuß im Garten wachsen und stellt was Totholz auf und schon sieht man, wie die Hahnenfußscherenbiene ins Totholz einzieht.

Die Arbeit im Naturgarten ist nicht zwingend weniger als in einem klassischen Garten. Aber es ist eine andere. Ich habe bspw. Stück für Stück einzelne Ecken, Beete etc. in meinem Garten gestaltet, ohne dass das Gesamtkonzept „Naturgarten“ nicht mehr funktioniert hat. So habe ich eine „Gerümpelecke“ in ein Magerbeet mit Reptilienburg umgebaut, beim Bau eines Weges durch den Garten, den Aushub zu einem Hügelbeet umfunktioniert und so gleich die nächste sehr unschöne Ecke in eine schöne verwandelt.

So sieht mein eigener Naturgarten aus

Die Umsetzung von Vorhaben in meinem Garten ist leider etwas eingeschränkt, durch meine große Stieleiche, die ich aber um jeden Preis erhalten möchte. Sie wirft doch schon ziemlich viel Schatten. Sonnige Bereiche in meinem Garten sind daher rar.

Ansonsten ist es ein ganz normaler Garten, mit etwas Vorgarten und dem meisten Garten hinter dem Haus.

Inzwischen habe ich bereits mehrfach, mit meinem eigenen Garten, aber auch mit dem Vereinsgelände meines Hundesportvereins bei Deuschland Summt! Mitgemacht.
Das sind die Ergebnisse:

2023: https://wettbewerb-archiv.wir-tun-was-fuer-bienen.de/archiv-2023/eintrag/2023-hortus-passerrum-rheni-inferioris-der-niederrheinische-garten-der-spatzen/ – Platz 3

2024: https://wettbewerb-archiv.wir-tun-was-fuer-bienen.de/archiv-2024/eintrag/2024-hundesportverein-crazy-dogs-niederrhein-e-v-oekologische-sinnvolle-und-insektenfreundliche-gestaltung-unseres-vereinsgelaendes/  Platz 3

2025: https://wettbewerb-archiv.wir-tun-was-fuer-bienen.de/archiv-2025/eintrag/2025-insektenfreundliche-neugestaltung-der-dachbegruenung-05242567/  Platz 2

Ein Blick hinter die Kulissen der Juryarbeit

Worauf achtest Du bei Einreichungen besonders? Ich achte vor allem darauf, dass hauptsächlich heimische Wildpflanzen verwendet werden, weder Sorten, noch Neophyten. Und ich achte darauf, dass die Auswahl der Pflanzen vor allem nach der Bedeutung im Ökosystem erfolgt und nicht nach den persönlichen Vorlieben des Gärtners. Das heißt aber nicht, dass ein Garten oder ein Balkon nicht auch schön sein darf. Es heißt nur, wenn vom Standort her, eine Pflanze zu Wahl stünde, die für 2 Insekten nützlich ist, und eine, die für 20 nützlich ist, würde ich die für die 20 Insekten bevorzugen.

Was begeistert Dich besonders? Wenn Menschen sich informieren, bevor sie ihren Garten gestalten. Wenn sie nicht alle Fehler machen, die man machen kann und die an jeder Ecke im Internet als „Fehler“ zu identifizieren sind. Natürlich darf man Fehler machen, die gehören dazu, aber man muss halt nicht jeden Fehler machen, der sich durch Vorabinformationen vermeiden ließe. Denn Fehler vermeiden heißt, schneller den Insekten und Tieren mit dem eigenen Garten einen Lebensraum verschaffen.

Welche Entwicklungen fallen Dir positiv auf? Mir begegnen immer mehr Menschen in meinem Alltag, die sich Gedanken um die Insekten und Natur machen und selbst versuchen ihren Beitrag zu leisten. Nicht immer gelingt das, aber je mehr in meinem Umfeld meine Bemühungen bekannt werden, umso häufiger werde ich auch um Rat gefragt. Und dann kann man die Menschen überzeugen, beraten und so helfen Fehler zu vermeiden.

Es gibt zum Glück immer mehr Online-Shops und auch Staudengärtnereien, die heimische Wildpflanzen anbieten, so dass es immer einfacher wird, auch an passende Pflanzen zu kommen.

Was ist Dir besonders im Gedächtnis geblieben? Die vielen Reaktionen auf das Banner „Gewinnergarten“, dass seit über einem Jahr auf unserem Vereinsgelände hängt. Die Menschen wundern sich, dass ein Hundeverein sich auch um die Natur bemüht. Es scheint, dass die Menschen bemerken, dass es Sinn macht, etwas zu tun.

Aber auch die vielen Interessierten Besucher auf meiner offenen Naturgartenpforte, die tollen Gespräche und auch die Erweiterung des eigenen Wissens innerhalb dieser Gespräche. Es gibt einfach immer mehr Menschen, die mit ihrem Garten den Insekten helfen möchten.

Persönlicher Tipp für Teilnehmende

„Jeder Quadratmeter zählt“ ist mein Motto. Und das heißt, besser zehn Quadratmeter vernünftig bepflanzen und mit Strukturen versehen, als 100 mit englischen Rasen und Kirschlorbeerhecke.

Wer einen großen Garten in einen Naturgarten umwandeln möchte, fängt einfach klein an, Projekt, für Projekt, Beet für Beet. Am Ende gibt es dann ganz viele interessante Elemente im Garten  und wenn man fertig ist, fängt man vorne wieder an 😊 und erneuert Totholz-Elemente, Steinhaufen …

Empfehlungen und eigene Projekte

Ich habe vor knapp 2 Jahren ein Problem gehabt, ich hatte zu viele Pflanzen übrig nach der Aussaat. Da in dem Jahr dann auch meine „offene Naturgartenpforte“ ausgefallen ist, fehlte mir auch die Möglichkeit Pflanzen zu verschenken.

Jetzt gibt es einen eigenen Online-Shop, in dem ich die übrig gebliebenen Pflanzen aus meinem Garten für kleines Geld verkaufe. Es gibt dort wirklich nur Pflanzen aus meinem Garten, es wird nichts dazu gekauft. Ich nutzte weder Pestizide noch Kunstdünger und pflanze immer in torffreie Bio-Erde.

https://shop.naturgarten-shop.info

Um den Naturgarten und Insektenschutz bekannter zu machen und anderen Menschen zu helfen, ihre Gärten insektenfreundlicher zu gestalten, veranstalte ich an mindestens 2 Tagen im Jahr eine „offene Naturgartenpforte“. Da gibt es dann kostenlos Pflanzen und Samen, Getränke und Kuchen und viel Zeit zum Reden.

In diesem Jahr gibt es sogar zwei Termine, der nächste ist der 1./2. August 2026 zwischen 10:00 Uhr und 16:00 Uhr an beiden Tagen. Am besten dazu auf meine FB-Seite sehen, da wird immer alles aktuell gehalten. https://www.facebook.com/profile.php?id=100093085512349

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