Jurymitglied: Dr. Ulf Feuerstein (Vorauswahl-Jury)

Kurzprofil auf einen Blick

Name: Dr. Ulf Feuerstein

Beruf/Funktion: Pflanzenzüchter, Berufschullehrer, Berater Schulgärten

Fachgebiet: Saatgut und Saatgutmischungen, Zusammensetzung von Saatgutmischungen für verschiedene Standorte, Einrichtung und Unterhaltung von Schulgärten

Bezug zu Wildbienen, Naturgärten oder Biodiversität: Ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit landwirtschaftlichen Zwischenfrüchten und Zwischenfruchtmischungen (Züchtung und Anbau). Über die Jahre habe ich versucht diese Mischungen dahingehend zu variieren, dass sie für Wildbienen und andere Bestäuber interessanter werden und auch eigene Wildblumenmischungen entwickelt. In enger Zusammenarbeit mit örtlichen Imkern und verschiedenen Schulen sind so interessante Projekte entstanden.

Seit wann Jurymitglied? 2024

Lieblingspflanze für Wildbienen: Flockenblumen

Lieblingsinsekt: Hummeln, die in meinen Züchtungen immer gute Bestäubungsarbeit geleistet haben

Wie bist du zum Naturgarten gekommen?

Das hat sich über viele Jahre entwickelt. Es begann mit einer engen Zusammenarbeit mit der deutschen Genbank und vielen gemeinsamen Ökotypensammlungen. Flächen wurden in Projekten über Jahre beobachtet und es war sehr interessant zu sehen, wie einige Arten andere überwachsen und verdrängen. Diese Erfahrungen habe ich versucht in die Zusammenstellung von Saatgutmischungen einzubringen und Mischungen zusammen zu stellen, die in der Natur eine möglichst große Stabilität aufweisen. Dieses Unterfangen erwies sich als sehr schwierig und so wurde experimentiert. Wie so oft ist es das Zusammenspiel ganz vieler Maßnahmen, die zum Erfolg führen und das Erfolgsrezept sieht für jede Fläche anders aus.

So sieht mein eigener Naturgarten aus

Mein Naturgarten am Haus beruht auf dem Ablöseprinzip. Überwiegend einheimische Pflanzen lösen einander in der Blüte ab, so dass während der Vegetationsperiode eigentlich immer ein gutes Angebot für Insekten vorhanden ist. Ich versuche möglichst wenig einzugreifen nur hier und da wird ein Kraut entfernt oder ein anderes unterstützt.

Parallel arbeite ich im hiesigen Schulgarten mit und unterstütze die Schülerinnen und Schüler beim Erhalt einer artenreichen natürlichen Wildblumenwiese in insektenfreundlicher Umgebung.

Ein Blick hinter die Kulissen der Juryarbeit

Ich konnte in den letzten Jahren beobachten, dass die Teams viel gelernt haben und dass sich sehr viele Beiträge auf einem hohen Niveau bewegen. Leider werden auch immer noch recht viele vielversprechende Beiträge eingereicht, die dann nicht weiterverfolgt werden.

Bei jedem Beitrag achte ich zunächst darauf, dass die Idee rund erscheint, dass die Einreichenden sich etwas bei ihrem Projekt gedacht haben. Schön ist es immer, wenn man den Eindruck gewinnt, dass es sich hier nicht um eine einmalige punktuelle Aktion handelt, sondern um eine nachhaltige Arbeit, die auch über das Projektende hinaus weiterverfolgt wird.

Interessant finde ich die vielen Ideen, die erarbeitet werden, um möglichst viele Menschen in die Projekte mit einzubeziehen. Letztendlich kommt es mir nicht auf die letzte wissenschaftliche Feinheit an, sondern darauf, dass das Projekt funktioniert – mit dem Standort, mit der Umgebung und den Menschen, die ihm begegnen.

Persönlicher Tipp für Teilnehmende

Ich beobachte immer wieder, dass in Projekten über Gärtnereien größere Mengen von Stauden gekauft werden. Das ist meist recht teuer und oftmals gibt es die passenden Wildstauden gar nicht zu kaufen. Reine Saatgutmischungen führen in vielen Fällen nicht zum Erfolg. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Mischung aus angezogenen Pflanzen (autochthones Saatgut für jede Region gibt es für wenige Euro) und einer geeigneten Saatmischung den größten Erfolg bringt. Mit ein paar Multitopfplatten lassen sich leicht ein paar tausend Stauden für wenige Euro anziehen.

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