Von der Steinwüste zum Naturgarten – wie aus 200 m² ein Lebensraum wurde

Beitrag teilen:

200 m²

Privatgärten klein (bis 500 m2)

Bayern, 93309 Kelheim

Melanie und Tim (2 Personen)

Als wir 2024 unser Haus kauften, war schnell klar, dass uns im Garten die größte Herausforderung erwartete. Rund um das Haus dominierten ungepflegte Steingärten, verwilderte Flächen und tote Beete. Was einst pflegeleicht wirken sollte, war im Laufe der Jahre zu einem artenarmen Garten geworden, der weder uns noch der heimischen Tierwelt viel zu bieten hatte. Trotzdem sahen wir in diesem Garten nicht das, was er war – sondern das, was er einmal werden könnte. Ein lebendiger Ort voller Pflanzen, Tiere und natürlicher Kreisläufe.

Anfangs wollten wir den Garten einfach schöner gestalten und mehr Pflanzen setzen. Doch je intensiver wir uns mit naturnaher Gartengestaltung beschäftigten, desto stärker veränderte sich unsere Sichtweise. Aus einigen Gartenbüchern wurden schnell viele Bücher über Naturgärten, heimische Pflanzen und Biodiversität. Wir lernten, wie eng Pflanzen, Insekten, Vögel und andere Tiere miteinander verbunden sind und wie selbst kleine Gärten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten können. Aus dem Wunsch nach einem schönen Garten entwickelte sich Schritt für Schritt der Wunsch, einen echten Lebensraum zu schaffen.

Damit stand unser Ziel fest: Aus einem nahezu lebensfeindlichen Steingarten sollte ein vielfältiger Naturgarten entstehen – ein Garten, der nicht nur uns Freude bereitet, sondern vor allem Wildbienen, Schmetterlingen, Hummeln, Vögeln, Igeln, Eidechsen und vielen weiteren Tierarten Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten bietet. Gleichzeitig wollten wir zeigen, dass auch auf einer privaten Fläche von nur 200 Quadratmetern erstaunlich viel Natur entstehen kann.

Der erste große Schritt bestand darin, den alten Steingarten vollständig zurückzubauen. Mehrere Tage wurden Steine, Folien und ungeeignete Materialien entfernt, neuer Boden eingebracht und damit die Grundlage für einen völligen Neuanfang geschaffen. Anschließend entstand unser Garten nicht auf einmal, sondern Bereich für Bereich. Jede Fläche wurde individuell geplant und erhielt eine eigene ökologische Funktion. Es entstanden unter anderem Trockenmauern, Magerbeete, ein Bachlauf mit Miniteich, eine Schmetterlingsspirale, eine Vogelschutzhecke, heimische Blumen- und Staudenbeete, eine wilde Ecke mit Totholz,  eine Benjeshecke, ein kleiner Bauerngarten, Nisthilfen sowie zahlreiche weitere Kleinstrukturen, die heute unterschiedlichsten Tierarten Lebensraum bieten.

Bei der Pflanzenauswahl lag unser Schwerpunkt auf heimischen Arten. Viele Pflanzen dienen nicht nur als Nahrungsquelle für Wildbienen und Schmetterlinge, sondern gleichzeitig als Raupenfutterpflanzen oder bieten Samen und Früchte für Vögel. Besonders wichtig war uns dabei nicht die größtmögliche Artenzahl, sondern ein möglichst lückenloses Blütenangebot vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst sowie die Schaffung unterschiedlichster Lebensräume.

Schon heute können wir beobachten, dass unsere Maßnahmen Wirkung zeigen. Mauerbienen haben die Nisthilfen angenommen, Eidechsen nutzen Trockenmauern und Steinhaufen als Lebensraum, Spatzen brüten am Haus und regelmäßig besucht uns nachts ein Igel. Solche Beobachtungen zeigen uns, dass die Natur die neu geschaffenen Lebensräume annimmt und bestärken uns darin, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.

Unser Garten ist bewusst kein abgeschlossenes Projekt. Viele Gehölze stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung und zahlreiche Stauden werden erst in den kommenden Jahren ihre volle Wirkung entfalten. Gleichzeitig entstehen jedes Jahr neue Ideen und weitere Lebensräume. Ein Naturgarten ist niemals fertig – er verändert sich ständig, wächst mit der Natur und entwickelt sich gemeinsam mit den Tieren und Pflanzen weiter.

Mit unserem Projekt möchten wir zeigen, dass Naturschutz nicht erst in großen Schutzgebieten beginnt, sondern direkt vor der eigenen Haustür. Jeder Garten – unabhängig von seiner Größe – kann einen wertvollen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten. Unser Garten ist deshalb nicht nur ein Ort zum Wohnen und Entspannen geworden, sondern vor allem ein Zuhause für möglichst viele heimische Tier- und Pflanzenarten und ein Projekt, das uns jeden Tag aufs Neue begeistert.

Über unsere Gruppe

Dieses Projekt ist das Ergebnis vieler gemeinsamer Stunden, unzähliger Ideen und einer Begeisterung für die Natur, die mit jedem Bauabschnitt gewachsen ist. Während Melanie sich intensiv mit der Planung unseres Naturgartens beschäftigte und sich durch zahlreiche Bücher über heimische Pflanzen und Naturgärten arbeitete, übernahm Tim vor allem die praktischen Arbeiten. Gemeinsam haben wir unzählige Stunden gegraben, gepflanzt, beobachtet und immer wieder neue Ideen entwickelt. Dabei lernten wir nicht nur unseren Garten, sondern auch die Zusammenhänge zwischen Pflanzen, Insekten und anderen Tieren immer besser kennen. Unser herzlicher Dank gilt der Gärtnerei Stauden Spatz, die uns insbesondere zu Beginn mit viel Fachwissen und wertvollen Impulsen unterstützt hat. Ebenso bedanken wir uns bei der Gärtnerei Schweiger für ihre kompetente Beratung und Begleitung bei der Auswahl heimischer Pflanzen.

Video zu Beitrag

Video ansehen ↗

Vorher- & Nachher-Bilder

Pflanzen & Beete (Jurykriterium)

Tierfreundliche Gartenstrukturen (Jurykriterium)

Aktionen: Wissen & Begeisterung weitergeben (Jurykriterium)

Plan zur Gartenpflege

Mit unserem Naturgarten hat sich auch unser Verständnis von Gartenpflege verändert. Unser Ziel ist es, natürliche Prozesse zuzulassen und nur dort einzugreifen, wo es wirklich notwendig ist. Die Blumenwiese wird lediglich zweimal jährlich mit der Sense gemäht und das Mähgut entfernt, um den mageren Standort zu erhalten. Verblühte Stauden bleiben über den Winter als Überwinterungsquartier und Nahrungsquelle stehen und werden erst im späten Frühjahr zurückgeschnitten. Auf chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger verzichten wir vollständig. Gedüngt wird ausschließlich mit eigenem Kompost und Rasenschnitt als Mulch. Bewässert wird sparsam und bedarfsgerecht mithilfe von Feuchtigkeitssensoren. So entwickelt sich unser Garten Jahr für Jahr zu einem stabilen Lebensraum, der mit immer weniger Pflege auskommt.

Pflanzliste

Pflanzliste – NaturaDB

Jubelbilder