Team Unkraut- Brodenbach blüht in allen Ecken und Enden (18 Personen)
Die summende Mosel
Kann ein Fluss summen ? Ja- denn in unserem Heimatort Brodenbach / Untermosel ist uns das gelungen.
Parallel zum Flussufer verläuft auf die Bundesstraße 49. Entlang der Straße, ca. 2 km durch den Ort wurden im Rahmen von Ausgleichsflächen in den 90er Jahren ca. 40 Blumenbeete angelegt. Teilweise mit Bäumen, unterpflanzt mit Spiersträucher, Fingersträucher, Rosen, Lavendel und Storchenschnabel. Ungefähr die Hälfte der Beete sind bis heute dank engagierter Bürger den sog. „Beetpaten“ noch in Ordnung. Die vielen anderen wurden durch Hochwasserereignisse, die Graseintrag zur Folge hatten und dem vielen Streusalz so unansehnlich, dass sich die Gemeindeverwaltung 2024 entschied sie vollkommen zu erneuern. Außerdem war die noch vorhandene Bepflanzung überhaupt nicht insektenfreundlich. Vorausgegangen war die erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb des Kreises Mayen Koblenz „Grüne Stadt- grünes Dorf“ , die das Ganze finanziell und beratend unterstützten. Dabei sollten Aspekte wie Nachhaltigkeit, Klimaverträglichkeit, Biodiversität und Insektenfreundlichkeit berücksichtigt werden. Bevor der Bagger anrollte, gruben wir kistenweise noch erhaltenswerte Blumenzwiebeln und Stauden aus. Mit Hilfe von Beetskizzen wurden Pflanzpläne für Beete von einer Fläche von insgesamt ca. 250 m² erstellt. Die Beete variieren in einer Größe von 3 bis 40m², liegen mal im Schatten mal in voller Sonne. Auch war zu überlegen wie die geretteten Pflanzen integriert werden konnten. Bei einem örtlichen Gartenbauunternehmen wurden hunderte von Pflanzen bestellt. Zusätzlich wurden wir in unseren Gärten fündig. Soviele Flächen als Laien schön zu gestalten – das war eine große Herausforderung. Im März 2024 ging es dann los. Eine ganze Woche lang wurden von ehrenamtlichen Helfern gemeinsam mit dem Gemeindearbeiter die Beete vollkommen neu bepflanzt. Auch der Altbestand erhielt ein bienenfreundliches Facelifting.
Bei einem der Arbeitstage gründete sich das „Team Unkraut“, das sich seitdem regelmäßig trifft um die neu gestalteten Beete in Ordnung zu halten. Im Herbst verteilten wir noch insgesamt 600 Blumenzwiebeln (z.B. Wildkrokusse, Wildtulpen, Traubenhyazinthen, Winterlinge, Kugellauch) auf die verschiedenen Beete. Auch die Brodenbacher Bürger spenden fleißig, indem sie in den sogenannten „Blumenzwiebelrettertopf“ am Friedhof ihre verblühten Blumenzwiebeln einwerfen.
Seitdem summt und brummt es in allen Beeten entlang der Mosel.
Besonders gelungen sind zwei große Beete an einer Straßeneinmündung. Den geschwungenen Lauf der Beete ausnutzend entwarfen wir ein Symbol für die Mosellandschaft. In der Mitte windet sich ein Band aus dem Steppensalbei „Blauhügel“, das im Sommer leuchtend blau blüht. Flankiert wird das Band aus niedrigen gelben Fingersträuchern, violettem Storchenschnabel und Wollziest. Dazwischen bewegt sich filigran der Kugellauch. Ein Paradies für die Wildbienen . Es ist uns gelungen Ästhetik mit Biodiversität zu verbinden- die summende Mosel!
Touristen wie Einheimische sprechen uns darauf an – sicherlich können wir damit auch das Bewusstsein für die Natur stärken. Sogar im SWR waren in der Sendung „Hierzuland“ 2025 und 2026 diese Beete kurz zu sehen.
Neben diesem „Prestigeobjekt“ müssen sich aber die anderen Beete nicht verstecken. Jedes hat seinen eigenen Reiz- somit konnten verschiedene Pflanzen zum Einsatz kommen und vielen Insekten als Nahrung dienen. Schilder weisen auf einige Pflanzen hin.
Von Februar bis November blüht immer etwas, zur Freude der Insekten, Brodenbacher und unserer Feriengäste.
Da es den Rahmen sprengen würde alle 40 Beete zu beschreiben finden sich in unserem Beitrag zum Wettbewerb exemplarisch nur einige um die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten zu beschreiben. In fast allen wiederholt sich das Muster Storchenschnabel, Steppensalbei und Fingerstäuchern angepasst an die Flächengröße als Sommerblüher, dazu Frühblüher für den Frühling, Kissenastern und Fetthennen für den Herbst. Ergänzt wird diese Bepflanzung mit anderen passenden Stauden je nach Größe und Standort. Spannend ist zu beobachten was sich von selbst ansiedelt- wenn man geduldig abwartet. So fanden zum Beispiel Natternkopf, Leinkraut, Mauerpfeffer, Flockenblume und Königskerze den Weg zu uns.
Die Beete sind von der Gemeindeverwaltung von Ortsanfang bis Ortsende durchnummeriert. Diese Bezeichnung wurde jeweils übernommen.
Wir freuen uns euch unser Projekt vorstellen zu dürfen. Brodenbach ist ein Fremdenverkehrsort, der seinen Gästen und BürgerInnen etwas Besonderes bietet: die liebliche Mosel auf der einen Seite und gegenüber bunt blühende Beete in denen sich die Insekten tummeln.
Mit summenden Moselgrüßen
„Team Unkraut“ aus Brodenbach
PS.:
Erst nachdem alles ausgefüllt war, wurde uns bewusst, dass nur Beiträge, die im Herbst 2025 geplant wurden zählen. Unser Projekt läuft seit 2024 bis aktuell. Wir wollten es trotzdem einreichen- als Beispiel was in einer kleinen Gemeinde mit viel gutem Wille alles möglich ist. Weil es so eine große Fläche ist und wir die Arbeit ehrenamtlich leisten dauert es solange. Es hätte keinen Sinn gehabt uns in den vergangenen Jahren am Wettbewerb zu beteiligen. In erster Linie geht es uns darum unseren Beitrag für eine bienenfreundliche Welt publik zu machen als Beispiel für andere Kommunen. In den Nachbardörfern und in unserem Dorf haben wir schon andere damit angesteckt. Wir entwickeln dieses große Projekt auch nächstes Jahr weiter, mit Schiefertafeln mit Pflanzennamen und Totholz, Wurzeln für die Bienen.
In diesem Sinne: – Viel Spaß beim Lesen unseres Beitrags.
Unser Ziel: Dabei sein und unsere Ideale weitergeben.
Über unsere Gruppe
Planungsskizze: zwei Personen aus dem Ortsgemeinderat und Bauausschuss
Beratung: Kreis Mayen Koblenz, Liste mit Pflanzen, Biodiversitätsberatung
Praktische Unterstützung: Gemeindearbeiter, viele Mitbürger, Beetpaten
Infos aus Natura Datenbank
Weitere Beratung durch Galabau Rosenbach, Boppard-Buchholz, wo die meisten Pflanzen bezogen wurden.
Vorher- & Nachher-Bilder
Beet Nr. 1 am Ortseingang Stand 2024 vor Neubepflanzung
Grundfläche 4m2
Beet nur noch mit wenigen Frühblühern bepflanzt
Beet Nr. 1 am Ortseingang nachher
Bepflanzung mit vielen bienenfrundlichen Stauden
u.a. Wollziest, Steppensalbei, Lavendel
Beet Nr. 11 am Marktplatz vor Umgestaltung
Grundfläche 10m2
mit Kirschlorbeer, der entfernt werden muss
Beet Nr. 11 nach Neugestaltung- (von anderer Perpektive aus)
Kirschlorbeer wurde entfernt. Jetzt ist es bunt und eine Königskerze blüht.
Beet Nr. 14 an einer vielbefahrenen Kreuzung vor Neugestaltung
Grundfläche 36m2
Graseintrag durch Hochwasser 2021, Spindelsträucher sind zu entfernen
Beet Nr. 14 wird neu bepflanzt März 2024
Arbeitsaktion mit vielen Helfern aus dem Dorf, daraus bildete sich dann das Team Unkraut.
Beet Nr. 14 ist frisch bepflanzt
Ein Fotoausschnitt als Beispiel für die zwei Beete (Nr. 13+14) an der Kreuzung (s. Titelbild) , Fläche insgesamt 60 m2, die in diesem Stil bepflanzt wurden.
Beet Nr. 14 zeigt erste Blüten 2024
erstes Erfolgserlebnis, „Mosel“ beginnt zu blühen und zu summen
Beete Nr. 14 im Juni 2026
So leuchtet die Mosel heute und die Hummeln bringen sie zum summen .
Kreuzungsbeet Nr. 13- Grundfläche 24,4m2
Die Mosel leuchtet als blaues Band in der Mitte .
Beet Nr. 16 – 20m langes Beet vor Neugestaltung
Nur noch Grasbewuchs, überalterte Sträucher und Restbestand Lilien
Größe 20 m2
20m langes Beet nach Neugestaltung
Blaue Katzenminze, Lilien und vieles mehr statt Gras
1. Beispiel für den Zustand von insgesamt 7 kleinen Beeten, je 4 m2 vor Neugestaltung, Beet Nr. 27 vorher , Fläche 4 m2
nur noch überalterte Kleinsträucher, Lavendel mit Gras
Blumenzwiebeln und versteckte Stauden wurden ausgegraben und später wieder verwendet
1. Beispiel für neue Bepflanzung von insgesamt 7 kleinen Beete je 4m2, Beet Nr. 27 nachher
bienenfreundliche Stauden und Kleinsträucher
2. Beispiel anhand Beet Nr. 30
s.o.
2. Beispiel für die Neugestaltung dieses Beettyps
Beachte: bienenfreundliche Wildpflanzen wie z.B. Natternkopf, der sich von selbst dort angesiedelt hat.
Pflanzen & Beete (Jurykriterium)
Beete 13+14 an der Kreuzung im Sommer
Bepflanzt in der Mitte mit Ziersalbei „Blauhügel“, dazwischen Kugelrunder Zierlauch, an den Seiten Blutroter Storchenschnabel, an den Enden Wollziest
Beete an der Kreuzung- Details 1
Kugelrunder Zierlauch mit Hummeln
Beete an der Kreuzung- Details 2
Wollziest als Insektenmagnet
Kleines buntes Beet Nr. 34 als Insektentreff
Bestehende Bepflanzung (Japanischer Spiersträucher, Lichtnelken) wurden ergänzt mit Färberkamille und Rosenmalve durch Aussaat und aus dem Fundus der Privatgärten.
Gesamtfläche 4m2
Detailbild zur Rosenmalve aus obigen Bild
Rosenmalve, Japanischer Spierstrauch und Lichtnelken blühen um die Wette.
Ein altes Rosenbeet (Beet Nr. 35) bekommt ein Frühlingsupgrade
Zum Altbestand aus den 90ern, Rosen und Lavendel pflanzten wir aus Spenden Traubenhyazinthen, Narzissen, Lenz- und Christrose dazu. Von selbst siedelte sich das Waldveilchen an.
Großes Beet- Nr. 36- im Frühlingslook- Fläche 40m2
Bepflanzt mit Traubenhyazinthen, passend dazu leuchten gelbe Wiesenschlüsselblumen, Wildtulpen, Narzissen, Gänseblümchen, Schnittlauch und Lenzrose in lila.
Das gleiche Beet mit sommerlichen Impressionen aus umgekehrter Perpektive
Eine bunter Bienentraum bestehend aus Bergflockenblume, Rosenmalve, Lavendel, Sonnenblumen, Taglilien, Fetthennen.
Detailansicht des gleichen Beets aus einer anderen Perspektive
Eine Rose mit offenen Blüten wird umrahmt von weißem Steppensalbei, lila niedriger Katzenminze und dem bei Bienen sehr beliebten Schnittlauch aus dem Garten hierher gepflanzt.
Kleines Beet, 4 m2 bunt bepflanzt
Steppensalbei“Ostfriesland“, Storchenschnabel, Fingersträucher „Goldteppich“, von selbst siedelte sich das Habichtskraut an.
Tierfreundliche Gartenstrukturen (Jurykriterium)
Holzstücke als Insektenunterschlupf in Beet Nr. 36
2 alte Holzstücke unter Edeldistel
Laub und kleines Schnittgut bleiben liegen
Rückschnitt erst im Frühjahr
Insektenhotel und Nistkasten in Beet Nr. 9
aufgehangen von einem der Beetpaten- einem der örtlichen Gastronmen
Die Gastronmen in der Ortsmitte sind alle Beetpaten.
Dieses Foto wurde im örtlichen Mitteilungsblatt veröffentlicht.
Foto nach Arbeitseinsatz als Vorbereitung zu den Dreharbeiten des SWR, Juni 2025
Dieses Foto wurde im örtlichen Mitteilungsblatt veröffentlicht.
Schilder zu den Blumenbeeten: Beispiel 1 Biene
In nahezu allen 40 Beeten stellte die Ortsgemeinde in Zusammenarbeit mit unserem Team Schilder mit Pflanzenbeschreibungen und zu Wildbienen allgemein auf. Daraus soll in naher Zukunft ein Parcours werden, für die Gäste und Einheimischen.
Schilder zu den Blumenbeeten: Beispiel 2 Pfirsichblättrige Glockenblume
Mit der Beschreibung der Pflanze wird auch auf die Schönheit von Wildblumen aufmerksam gemacht.
Schilder zu den Blumenbeeten: Beispiel 3 Schlüsselblume
Es wurde darauf geachtet, dass möglichst alle Jahreszeiten berücksichtigt werden.
Unser Blumenzwiebelrettertopf
Die Mitbürger können auf dem Friedhof Blumenzwiebeln zur Weiterverwertung dort einwerfen. So werden sie auf unsere Aktion aufmerksam.
Plan zur Gartenpflege
Arbeiten in den vielen Straßenbeeten
Frühling: Großaktion mit der Gemeinde: Rückschnitt von Kleinsträuchern, Ziersalbei, Kissenastern und weiteren Stauden, deren Stängel über den Winter stehen blieben, Bodenverbesserung mit Humus und Hornspänen, Unkrautentfernung +sukzessive in Kleingruppen je nach Bedarf.
Bis Juni Ergänzung der Pflanzung mit Blumenzwiebeln, die im Blumenzwiebelrettertopf von Mitbürgern gespendet statt weggeworfen werden.
Frühsommer: Rückschnitt der Frühblüher, Unkraut entfernen
Sommer:Sommeraktion des Teams Rückschnitt von Ziersalbei, Storchenschnabel, verblühten Lilien, Wollziest, Lavendel u.ä.+ Kleingruppen, + Gemeindearbeiter, die auch bei Trockenperioden wässern.
Herbst:
Herbstaktion des Teams: Unkrautentfernung als Wintervorbereitung, Pflanzen -Rückschnitt nur wo es unbedingt nötig ist + Arbeit in Kleingruppen- je nach Bedarf + Gemeindearbeiter
Immer dichter entwickelnde Bepflanzung (viele Bodendecker) unterdrückt Unkraut- daher weniger Pflegeaufwand