Die meisten Firmen gestalten ihr Gelände. Wir haben uns dagegen entschieden.
Kein englischer Rasen. Kein Hochglanz-Grün. Keine angelegten Beete. Stattdessen: eine echte Wildblumenwiese mit Streuobst bildet ein artenreiches Offenland-Ökosystem — und die bewusste Entscheidung, sie so zu lassen wie sie ist. Denn: Insekten brauchen keine Dekoration. Sie brauchen Futter.
Auf unserem 18.000 qm großen Firmengelände entsteht so eine perfekte Symbiose: Die Pflanzen bieten eine kontinuierliche Blütenbiomasse für die zahlreichen und artenreichen Insekten von Frühling bis Herbst.
Die Wildblumenwiese wird nicht wie ein klassischer Rasen regelmäßig gemäht, sondern lediglich in einem der Natur angepassten Rhythmus.
Genau das ist unser Beitrag:
Nicht mähen ist auch säen.
Was wir getan haben — und was wir bewusst nicht tun
Das Gelände (un- gepflegt)
- Wildblumenwiese: eine Magerwiese, bzw. Kalkmagerrasen als intensiv genutzte Ruderalflur.
- Naturwiese mit Streuobst — heimische Obstbaumsorten – lokal beheimatet, keine Monokultur
- Heimische Stauden und Bäume — angelegt nach dem Prinzip lokaler Artenvielfalt
- Naturnaher See — eingebunden in den natürlichen Wasserkreislauf, Regenwasserrückhalt, Mikroklima-Verbesserung, keine künstliche Versiegelung
- Gründächer — Dachflächen als begrünte Lebensräume statt versiegelte Flächen
- Versickerungsmulde — Erhalt des natürlichen Wasserkreislaufs
- Outdoor Offices & Fitnesspfad — eingebettet in die Naturlandschaft, kein Kunstrasen, kein Betongrau
Maßnahmen im Wettbewerbszeitraum
1)Bewusstes Nicht-Mähen als Säen: Ja, wir haben beim Pflanzwettbewerb nichts gepflanzt! Doch unsere Naturwiese wird stattdessen nicht regelmäßig gemäht — nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil jede stehen gelassene Blüte Nahrung und Behausung für Insekten ist. Und weil das ungemähte Gras sich selbst aussät: Natürliche Selbstaussaat, die Jahr für Jahr neue Vielfalt erzeugt. Nicht mähen ist auch säen. Das ist Programm.
- Nährstoffarm und sonnig: Die Pflanzenliste besteht fast ausschließlich aus lichtliebenden Arten, die magere (nährstoffarme) bis mäßig trockene Böden bevorzugen.
- Kräuterreich: Das Fehlen von dominanten Gräsern und das starke Vorkommen von Korbblütlern (Flockenblumen, Schafgarbe, Disteln) und Lippenblütlern (Oregano) ist typisch für ungedüngte Wiesen.
2)Baumpflanzaktion (März 2026, Neuenstadt am Kocher): Mit Unterstützung der Aktion Baum gGmbH und in Abstimmung mit dem lokalen Forstamt wurden dort 1000 Bäume gepflanzt. Übrig gebliebene Bäume aus dem Bestand wurden nicht entsorgt, sondern auf dem Gelände eingepflanzt — ressourcenschonend und habitatbildend
3)Bieneneinzug (Juni 2026, Walldorf): Promega beherbergt Bienen in Ökologischer Bienenhaltung (Bienenwohl vor Honigertrag) in Kooperation mit Stadtbienen gGmbH — 80.000 Bienen, die auf das vorhandene Blüteangebot angewiesen sind
In einer Zeit, in der Biodiversität oft mit Aktionismus verwechselt wird, ist unsere Botschaft eine andere: Die wertvollste Entscheidung war, das Gelände nicht künstlich zu gestalten. Keine Zierrasen-Rolle, kein Herbizid, keine Monokultur. Stattdessen: Vertrauen in das, was wächst und blüht, wenn man es lässt. Das ist keine Passivität. Das ist unsere Haltung.
Beschreibung Insekten
Bestimmung in Kooperation mit Dr. Peter Quick – unserem Freund, Insektenexperte und Naturfotograf (Bestimmung vom 17.06.2026), siehe auch Jurykriterium 2
Spezialisten & Generalisten: Hummeln und Schwebfliegen nutzen als Generalisten fast alle angebotenen Blüten. Schmetterlinge wie der Kurzschwänziger Bläuling oder der Klee-Gitterspanner sind hingegen stark an Schmetterlingsblütler wie die Zottige Wicke und den Hornklee gebunden.
Raupenfutter: Die Acker-Kratzdistel dient dem Distelfalter zur Eiablage, während die Flockenblumen wichtige Nektarquellen für fast alle gelisteten Falter und Käufer (wie den Schenkelkäfer) sind.
Insektenlistung
(Zu den fett markierten Arten sind Fotos in Jurykriterium2):
Schachbrett-Falter, Distelfalter, Tagpfauenauge, Kleiner Feuerfalter, Kurzschwänziger Bläuling, Taubenschwänzchen,
Kleines Wiesenvögelchen, Klee-Gitterspanner, Gamander-Ehrenpreis-Federmotte, Braune Tageule, Ochsenauge, Kleiner Kohlweißling, Großer Kohlweißling, Westliche Honigbiene, Punktierte Wollbiene, Ackerhummel, Feldhummel, Gartenhummel, Wiesenhummel, Steinhummel, Gewöhnliche Langbauchschwebfliege, Hain-Schwebfliege, Grüner Scheinbockkäfer, Echter Schenkelkäfer
Bemerkenswerte Arten:
Feldhummel (Bombus ruderatus): Gehört zu den seltenen und vielerorts stark gefährdeten Hummelarten in Deutschland. Während sie vor rund 100 Jahren noch als „häufig“ galt, ist sie heute in vielen Bundesländern verschollen, ausgestorben oder vom Aussterben bedroht. In der Roten Liste wird ihre Datenlage oft als unzureichend geführt, aber ihr Bestandsrückgang ist wissenschaftlich unbestritten.
Regionale Ausnahmen: Da sich die Art besonders in Südeuropa wohlfühlt und hier nicht selten ist, profitiert sie von den steigenden Jahresdurchschnittstemperaturen. Daher gibt es in bestimmten Regionen (wie etwa in Rheinland-Pfalz, in Hessen und im nördlichen Baden-Württemberg) lokale Bestandszunahmen in Form einer Arealausweitung. Diese Populationen breiten sich entlang der warmen Rheinebene aus.
Punktierte Wollbiene (Anthidium punctatum), oder Weißfleckige Wollbiene, gilt in Deutschland als mäßig häufig bis gefährdet und wird vielerorts auf der Vorwarnliste oder als gefährdet geführt. In den meisten Regionen steht sie auf der Vorwarnliste (Kategorie V), was bedeutet, dass die Bestände merklich zurückgehen. In manchen Bundesländern (wie NRW oder Schleswig-Holstein) gilt sie sogar als direkt gefährdet.
Lebensraum: Sie ist auf wärmeliebende, trockene Lebensräume spezialisiert. Man findet sie meist an Magerrasen, steinigen Böschungen, Lehmgruben oder in sonnigen Steingärten.
Bevorzugte Pflanzen: Sie fliegt extrem gerne auf den Gewöhnlichen Hornklee (Lotus corniculatus).
Besonderheit: Im Gegensatz zu anderen Bienen nutzt sie Pflanzenhaare (z. B. von Königskerzen), um Nester in bestehenden Erdspalten oder Steinspalten wie kleine Wattebäusche auszupolstern. Da die Punktierte Wollbiene strukturreiche, unberührte Lebensräume benötigt, ist eine Sichtung immer ein Zeichen für ein intaktes Biotop oder einen sehr naturnahen Garten.
Kurzschwänziger Bläuling (Cupido argiades): Gilt in Mitteleuropa nicht mehr als extrem selten. Durch den Klimawandel hat sich der wärmeliebende Falter stark nach Norden ausgebreitet. In Deutschland steht er aktuell noch auf der Vorwarnliste, gilt regional aber gebietsweise als häufig.
Früher war die Art in Deutschland stark lokalisiert (z.B. Oberrheinebene) und galt gebietsweise als große Seltenheit. In den letzten Jahren profitierte der Falter von wärmeren Temperaturen und besiedelt heute viele neue Lebensräume. Er ist anspruchsloser als andere Bläulinge. Oft auf sonnigem Offenland, ruderalen Flächen, Magerrasen oder extensiv genutzten Wiesen, da die Raupen an weit verbreiteten Hülsenfrüchtlern (z.B. Klee) fressen.




































