Ein Natur-Schau-Garten auf dem Friedhof
Auf einem ehemaligen Grabfeld auf dem städtischen Friedhof in Heiligenhaus entsteht seit November 2025 ein Naturschaugarten. Die Besucher können sich dort inspirieren lassen, wie sich ein Naturgarten mit unterschiedlichen Strukturen und Flächen gestalten lässt. Die einzelnen Bereiche werden durch farbige Informationstafeln erläutert und es werden Anregungen gegeben, wie solche Lebensräume auch im eigenen Garten geschaffen werden können.
Es gibt viel zu entdecken. Die Grundlage des Gartens bilden heimische Pflanzen. Eine natürliche Wegdecke sowie verschiedene Einfriedungen – Wildstrauch-, Hainbuche- und Benjeshecke, ein Weidenzaun und auch eine Trockenmauer – zeigen Alternativen zu Kirschlorbeerhecken und Stabgitterzäunen.
Totholz, Wildrosen und Lesesteinhaufen schaffen wichtige Rückzugsräume und wertvolle Verstecke für Insekten und Reptilien. Eine Blühwiese, ein Wildblumensaum und ein kleiner Teich ergänzen den Garten. Besondere Strukturen, wie ein Sandarium als Nisthilfe für Wildbienen und ein Käferkeller, können ebenfalls bestaunt werden.
Außerdem entwickeln wir derzeit ein Mustergrab, das mit heimischen Pflanzen gestaltet und mit Totholz, Steinen sowie einem alten Grabstein dekoriert ist. Damit soll gezeigt werden, wie Gräber naturnah und gleichzeitig pflegeleicht gestaltet werden können und wie sich Pflanzen- und Plastikmüll reduzieren lassen. Gleichzeitig hoffen wir, dass diese Gestaltung besonders trockenheitsresistent ist.
Grundsätzlich möchten wir mit diesem Garten zeigen, dass auch auf kleinem Raum vielfältige Elemente und Strukturen entstehen können, die die Artenvielfalt fördern, heimischen Pflanzen und Tieren Lebensraum bieten und dennoch ein gepflegtes Gesamtbild vermitteln.
Die geplante Eröffnung mit dem Bürgermeister und weiteren wichtigen Personen sowie allen, die uns bei diesem Projekt unterstützt haben, ist für Ende Juni vorgesehen. Künftig sollen dort regelmäßig Gartenführungen sowie kleinere Aktionen wie Pflanz- und Pflegeeinsätze oder Pflanzentauschbörsen stattfinden – selbstverständlich mit dem nötigen Feingefühl, schließlich handelt es sich um einen Friedhof.
Flyerkästen mit Informationsmaterial wurden am Zaun angebracht.
Außerdem wird der Garten bei iNaturalist als Artengarten eingetragen. Wir werden uns bemühen, Beobachtungen regelmäßig bei ObsIdentify oder iNaturalist einzutragen.
iNaturalist ist eine weltweite Citizen-Science-Plattform, auf der Nutzer Tiere, Pflanzen und Pilze dokumentieren. Die Bestimmungen werden von der Community und Experten überprüft, damit die Beobachtungen wissenschaftlich nutzbar werden. Die App eignet sich besonders gut, um Arten im eigenen Garten zu sammeln und sich mit anderen Naturinteressierten auszutauschen.
Ein „Artengarten“ auf iNaturalist ist ein Bürgerforschungsprojekt, bei dem Menschen Tiere, Pflanzen und Pilze in naturnahen Gärten fotografieren und dokumentieren. So wird die Artenvielfalt gemeinsam erfasst und bestimmt. Das Projekt „Gärten für die Artenvielfalt“ vom Naturgarten e.V. sammelt viele solcher Gärten, um wissenschaftlich zu untersuchen, welche Arten dort leben.
Die App ObsIdentify wurde speziell für Europa entwickelt und bietet eine sehr genaue KI-Bestimmung europäischer Arten. Sie hilft dabei, Tiere, Pflanzen und Pilze per Foto zu bestimmen. Die App gehört zu einem europäischen Citizen-Science-Projekt und unterstützt die Forschung zur Artenvielfalt. Beobachtungen werden an das Portal Observation.org weitergeleitet und nach Prüfung durch Experten für wissenschaftliche Datenbanken und den Artenschutz genutzt.
Die finanzielle Umsetzung wurde durch 6.000 Euro Fördermittel der Stadt Heiligenhaus ermöglicht und von ehrenamtlichen Mitgliedern des Arbeitskreises „Natur + Umwelt” des Stadtmarketings realisiert.
Die Planung und Gestaltung entstand mit viel Mut, Enthusiasmus und Kreativität am Küchentisch, obwohl wir von kompetenter Naturgartenplanung zunächst nicht viel Ahnung hatten. In unseren Vorstellungen existierte lediglich der Traum von einem Naturgarten-Vorzeigemodell. Viele Pflanzen wurden von Mitgliedern der Naturgarten-Regionalgruppen gespendet oder stammen aus unseren eigenen Gärten. Der restliche Bestand wurde bei Naturgärtnereien bezogen.
Sicherlich haben wir im Laufe des Projekts auch einige Fehler gemacht. Manche sind uns bereits aufgefallen, andere lassen sich heute nicht mehr rückgängig machen – besonders bei der Standortwahl einzelner Strukturen und Pflanzen. Trotzdem sind wir stolz darauf, wie gut uns dieses Projekt insgesamt gelungen ist. Am Ende haben wir uns sogar selbst die ortseigene Gartenplakette verliehen.
Neben Familie und Beruf haben wir viel Zeit und Herzblut investiert. Der Satz „Ich fahre zum Friedhof“ stieß im Familienkreis dabei nicht immer auf Begeisterung. Anfangs hatten wir hin und wieder das Gefühl, uns übernommen zu haben. Doch letztlich haben wir alles rechtzeitig zum Frühling fertiggestellt und konnten den Garten bereits für Besucher öffnen.
Nun heißt es, abzuwarten und wachsen zu lassen. Die Pflanzen sollen gut einwurzeln, die ausgesäten Samen keimen und die kleinen Biotopelemente sollen sich entwickeln. Schon jetzt konnten wir zahlreiche Insekten beobachten. Auch die Vögel nutzen unseren Teich ausgiebig, denn er ist die einzige Wasserstelle auf dem Friedhof.
Vor allem aber hoffen wir auf rücksichtsvolle, interessierte und aufmerksame Besucher, die vielleicht selbst Lust bekommen, das eine oder andere nachzubauen oder nachzupflanzen. Wir geben gerne unsere Erfahrungen weiter und unterstützen mit hilfreichen Informationen und Tipps.
























































