Einfach mal liegen lassen….mit Dominoeffekt
Ende März wütete ein so heftiger Sturm, dem leider unser bereits seit Jahren toter Apfelbaum, der mit vielen Pilzen bedeckt und von Efeu dicht bewachsen ist, nicht standhalten konnte.
Anfängliche Ideen, wie zersägen und im Garten verteilen oder den vollständigen Baum an einen anderen Platz in den Garten zu legen – dafür ist der Garten dann doch zu klein – habe ich wieder verworfen.
Daraus wurde “Einfach mal liegen lassen“
Die Natur hatte es gut mir gemeint. Nichts war zerstört worden, weder Gewächshaus noch Bachlauf nebst Teich, selbst die Clematis, immer eng an den Baum geschmiegt, hatte den Sturz gut überlebt. Auch das erst im Februar aufgestellte Hummelhaus blieb unversehrt.
Und nun?
Im April entfernte ich Efeu und die Äste aus der Baumkrone. Weitere Überlegungen bedurfte es nicht, es würde ein neues Beet geben.
Der Dominoeffekt war ausgelöst worden. Ich würde weitere Beete geben.
Natürlich hatte ich in den letzten Jahren darauf geachtet, bienenfreundliche Pflanzen in meinen Garten zu setzen. Wie wichtig einheimische Pflanzen sind, wurde mir erst im Herbst letzten Jahres bewusst, nachdem ich mich erstmalig mit der NaturaDB App angefreundet hatte.
Als erstes musste ich feststellen, dass meine Krokusse, die ich in den letzten Jahren erworben hatte, nicht einheimisch gewesen waren. Anfang dieses Jahres habe ich mich intensiv mit dem Gedanken befasst, sukzessiv Neophyten durch einheimische Pflanzen zu ersetzen.
Die Vielfalt und Schönheit der einheimischen Pflanzen Ist beeindruckend. Ich habe auch gelernt, darauf zu achten, welchen Nutzen Tiere von den Pflanzen haben. Es ist interessant zu beobachten, wie sich die Insektenvielfalt des Gartens verändert hat. Im letzten Jahr habe ich besonders darauf geachtet, Pflanzen für Nachtfalter zu setzen, so konnte ich in diesem Jahr beobachten, dass ich erstmalig Fledermäuse im Garten hatte. Diese kleinen Erfolgserlebnisse erfreuen mich sehr.
Viele neue, mir unbekannte, Pflanzen habe ich erworben, zum Teil zwei bis drei Exemplare, die ich an verschiedenen Stellen eingepflanzt habe. Die NaturaDB App möchte ich nicht mehr missen – ein sehr guter Ratgeber mit übersichtlicher Hilfestellung.
Es ist für mich eine Testphase, ob sie sich dort wohl fühlen werden. In einem Notizheft werde ich die Ergebnisse dokumentieren, zusätzlich, wann wer gedüngt wird und ob überhaupt, Saatgut wird gesammelt. Verblühtes bleibt stehen.
Es macht so viel Spaß, alles mit der Kamera festzuhalten.
Jahr für Jahr wird die Rasenfläche verkleinert, Knoblauchsrauke wird nicht komplett entfernt, ebenso das Zimbelkraut und Garten-Wolfsmilch. Ich habe mir angewöhnt, lenkend einzugreifen, ab und zu energisch durchzugreifen. Es darf gemulcht werden.
Vor 32 Jahren haben wir Haus und Garten aus dem Jahr 1939 übernommen. Deswegen ist mir ein wenig weh ums Herz geworden, den alten Apfelbaum gestürzt im Garten liegen zu sehen. Er gehörte doch immer zum Gartenbild.
Meine Entscheidung, ihn liegen zu lassen und nicht zu „entsorgen“ war richtig gewesen. Ich liebe imein Beet, gehe ich doch immer an ihm vorbei, auf dem Weg zum Gewächshaus und zum Hochbeet.
Die Fleißarbeiten der Schlupfwespe sind zu beobachten, noch nie zuvor habe ich diese Insekten gesehen. Beeindruckend ist auch die Menge der Holzspäne. Mittlerweile sind wohl einige Tiere am Werk, wenn man die Spänehäuflein sieht.
Dadurch kam mir die Idee mit dem zusätzlichen Steinhaufen zwischen Teich und Apfelbaum.
Damit habe ich für mich einen Beobachtungssitzplatz geschaffen und für Fauna und Flora zusätzliche Behausungs-/Rückzugsmöglichkeiten. Der Platz ist äußerst praktisch, entweder das Treiben am Teich zu beobachten oder ich drehe mich um und kann so die Insekten auf dem Apfelbaum sehen und fotografieren. Wunderbar sonnengeschützt durch den Waldgeißbart.
Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich mit torffreier Blumenerde arbeite. Des Weiteren nutze ich Regenwasser aus vier abdeckbaren Regentonnen und eine Kompostkiste..
Von den Dachrinnen gibt es keine offenen Fallrohre, sie sind durch Laubfanggitter gesichert. Künstliches Licht gibt es im Garten nicht.
Ich liebe es, im Garten sein zu können, das Zeitgefühl bleibt derweil auf der Strecke.
In Kindertagen habe ich viel Zeit am Gartenteich meiner Großeltern verbracht. Besonders faszinierend fand ich die Libellen mit ihren eindrucksvollen Flugkünsten. Höchstes Glück war die Beobachtung, dass Schlüpfen einer Libelle in den frühen Morgenstunden beobachten zu können. Es hat meinen Wunsch geprägt, später einmal selber einen Teich besitzen zu wollen. Mit darüber schwirrenden Libellen, ein Frosch wäre auch schön. Seit über 30 Jahren habe ich einem Garten, seit letztem Jahr einige Frösche. Auch schwirren Libellen seit einigen Jahren immer wieder einmal umher. Manchmal ist die Eiablage zu beobachten. Dieses Jahr fühlte ich mich an den Tag meiner damaligen Beobachtung zurückversetzt. Hatte ich zwar nur die verlassene Larvenhülle entdeckt, ein bisschen stolz war ich schon. Mein großer Wunsch war in Erfüllung gegangen. Zeigt es mir doch, dass ich einen gesunden Lebensraum geschaffen habe und weiter verbessern werde.
Das große Glück von “just in time“. bedeutet zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Trägt es doch erheblich dazu bei, die eigene Begeisterung für die Natur anderen näher zu bringen. Ein Insekt trinken zu sehen, ein kleiner Molch schwimmt vorbei, die Hülle einer geschlüpften Libelle zu finden, Artenvielfalt der Insekten. Dies sind unwiederbringliche schöne Momente.






























































