Ein prämierter Vielfaltsgarten wird zum Naturgarten

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200 m²

Privatgärten klein (bis 500 m2)

Nordrhein-Westfalen, 50968 Köln

Familie Scholz/Schumacher (3 Personen)

Anfang 2027 werden es 25 Jahre sein, dass wir in unserem Reihenhaus aus dem Jahr 1921 leben. Es liegt im Kölner Süden und hat auf der Rückseite auf Kellerniveau einen etwa 350 m2 großen Garten in Hausbreite.

Begeistert stürzten wir uns 2002, als das Gröbste im Haus geschafft war, auf die Gestaltung des Gartens. Ich zeichnete einen Plan, in dem ich den Garten in einzelne Gartenzimmer einteilte, mein Mann und mein Schwiegervater übernahmen die Pflasterarbeiten. Während der erste Bereich eher geschwungene Formen aufweist, sind im 2. Bereich des Gartens die Beete sternförmig um einen von meinen Eltern geerbten Springbrunnen angeordnet. Der Gartenweg mäandert weiter zur Wiese mit einem riesigen Apfelbaum. Der letzte Teil des Gartens, bevor sich die Garage anschließt, umfasst ein Beet links des Weges sowie rechts ein Gehege für Schildkröten mit einer Kräuterspirale.

Direkt vor der Garage befindet sich nochmals ein Sitzplatz, bei dem man ab mittags Schatten findet.

In den letzten fast 25 Jahren ist viel im Garten geschehen: Es wurde gepflanzt, gestaltet, umgestaltet, gefeiert. Vor allem wuchsen und gediehen die Pflanzen, so dass die Verwunderung in der Familie und im Freundeskreis groß war, als ich Anfang dieses Jahres von meinem Plan zu erzählen begann, den Garten – was die Pflanzen betraf – umzugestalten, alte Pflanzen rauszunehmen und durch heimische Wildstauden (oder andere Pflanzen) zu ersetzen. Schließlich hatten bestimmte Aspekte des naturnahen Gartens schon immer Beachtung gefunden, war der Garten von der Stadt Köln schon vor einigen Jahren als Vielfaltsgarten ausgezeichnet worden.

Mein Mann war schnell zu begeistern, so dass die Idee immer mehr Form annahm. Ich las mich weiter ins Thema ein und nahm Kontakt zu Friedhelm Strickler auf, nach dessen Plänen schlußendlich auch der Garten von uns in Eigenleistung umgestaltet wurde.

Februar 2026

Zunächst aber magerten wir im Februar diesen Jahres unsere Wiese ab und säten eine Blumen-Kräuter-Wiese (Saatgut von Rieger Hofmann) ein. Aufgrund der furchtbaren Trockenheit diesen Sommer entwickelt sich diese zurückhaltend, wir sehen aber optimistisch auf Zeiten mit mehr Regen und die nächsten Jahre.

Nebenbei entstand am Ende der Wiese hinter den Johannisbeersträuchern noch ein Käferkeller, den ich aushob und mit teils morschem Holz auffüllte. Die Neubepflanzung des Beetstreifens links vom Weg wurde auf später verschoben, die Vogelschutzhecke und der Mönchspfeffer rechts der Wiese, die wir vor einigen Jahren gepflanzt haben, werden höchstens noch neu unterpflanzt. Der Apfelbaum, der Sauerkirschbaum, die Säulenkirschen werden hier stehen bleiben.

Im Februar begannen wir auch mit den Arbeiten im 1. Gartenzimmer (etwa 60 m2). Die Idee war, die Pflanzen günstig abzugeben, um so Geld für die Neupflanzung zu bekommen. Ich inserierte also die Pflanzen, grub sie aus und lernte beim Verkauf viele nette Leute kennen. 

Parallel holten mein Mann und ich Sand, denn es sollten 4-5 cm Sand auf die Beete aufgetragen und eingearbeitet werden.

Für die beiden von den Wegen und dem Platz eingefassten Beete hatten wir die Idee, daraus Sandbeete, also ein Sandarium, zu machen. So wurden die Beete ausgehoben und aus einer nahegelegenen Kiesgrube Grubensand geholt. Bereits Anfang März waren die beiden Sandbeete fertig, wenn auch nicht bepflanzt. Mein Mann versenkte auch noch einen großen Wurzelstock darin. 

Die Regentonnen, in die das Regenwasser vom Hausdach fließt und die von einer Benjeshecke verdeckt werden, beließen wir, ebenso den kleinen Teich mit seiner Sumpfzone, den wir vor einigen Jahren angelegt haben und der jedes Frühjahr von Molchen besucht wird und im Sommer von verschiedensten Libellen umflogen wird. Und wenn wir Glück haben, entdecken wir auch Exuvien und können den Schlupf von Libellen beobachten.

Die in den Boden eingelassene und mit Blaubeeren bepflanze Badewanne wurde wie die in den Boden eingelassene Betonwanne noch um einige Sumpfpflanzen bereichert.

Im Teich und den Sumpfzonen stehen mindestens 14 unterschiedliche, heimische Pflanzen. Davon handelt es sich bei allen um Wildformen und 5 davon gelten als gefährdet.

März 2026

Im März ging es mit der Abgabe der Pflanzen weiter, während wir den Sand verteilten und einarbeiteten. An meinem 60. Geburtstag sammelte ich für unseren naturnahen Garten, so dass ich anschließend die erste Pflanzenbestellung auf den Weg brachte.

April 2026

Im April kamen die Pflanzen, die in einer gemeinsamen Aktion von meiner Tochter und mir erst platziert und dann eingegraben wurden.

Insgesamt stehen hier nun mindestens 41 verschiedene Pflanzen (oft mehrfach), von denen 37 heimisch sind. Bei 32 handelt es sich um Wildformen, 8 davon gelten als gefährdet.

Inzwischen hatte sich aber eine Planänderung ergeben. Mein Mann, der den Naturgartengedanken schon stark verinnerlicht hatte, wollte die Mauer, die den ersten Gartenteil vom zweiten, etwas höher gelegenen, trennt, in eine Trockensteinmauer umwandeln. Zeitgleich wollte er das Beet, das abgeböscht war, durch eine zweite niedrigere Mauer, abfangen und ebnen.

Gesagt, getan. Wieder durchforsteten wir die Kleinanzeigen und fuhren los, um Bruchsteine zu holen. Bald hatten wir genug Steine zusammen und mein Mann machte sich mit viel Elan ans Werk. Und weil es so viel Spaß machte und genug Steine da waren, beschloß er, direkt auch die Mauer im Durchgang bzw. Laubengang zu erneuern.

Parallel dazu versuchte ich, die Pflanzen des 2. Gartenzimmers (etwa 75 m2) wegzugeben. Glücklicherweise hatte sich ein Kontakt zur benachbarten evangelischen Kirchengemeinde ergeben, deren Gartenbau-AG Mutterboden suchte. Und ich wollte meinen loswerden, denn in diesem Bereich sollten 10cm Mutterboden abgetragen und dafür Sand verteilt und eingearbeitet werden. 

Mai 2026

Auch wenn ich den Mutterboden nur bis vor unsere Garage transportieren musste, brachte mich das Heranschleppen des Sandes an meine körperlichen Grenzen. So war ich froh, dass unsere Tochter am Ende mit anpackte und mir beim Raustragen der Erde half. Und passend war mein Mann beim letzten großen Sandtransport mit der Mauer fertig, so dass er etwa 8 Betonwannen Sand mit in den Garten brachte und verteilte. 

Juni 2026

Kaum waren wir mit den Arbeiten fertig, kamen auch schon die Stauden für das 2.  Gartenzimmer. Wieder wurden diese in einer Gemeinschaftsaktion von meiner Tochter und mir in den Beeten verteilt und dann eingegraben. Ein paar Stauden werden im Herbst nachkommen. Dann  werden hier 45 unterschiedliche Pflanzen (oft mehrfach) stehen, wovon 39 heimisch sind. Bei 36 handelt es sich um Wildformen, 15 davon sind gefährdet.

Zudem wurde die Trockenmauer bepflanzt, wobei es leider manche Pflanze nicht durch die große Trockenheit schaffen wird. 

Es wurden weitere Wasserstellen für Insekten und Vögel geschaffen. Außerdem fand Totholz seinen Platz in den neu gestalteten Beeten, damit die im Garten lebenden Tigerschnegel und weitere Tiere auch hier Unterschlupf bzw. Nahrung finden.

Die etwa 6m lange Ligusterhecke, für die vor zwei Jahren der vom Voreigentümer gepflanzte Kirschlorbeer weichen musste, blieb stehen. Als Ersatz für den Schmetterlingsflieder, der im Herbst zu einer warnenden Totholzstele abgesägt werden wird, haben wir eine Felsenbirne gepflanzt, die allerdings noch einige Jahre brauchen wird, bis sie die gut angenommenen Vogelnistkästen wird tragen können.

Und der Hummelnistkasten, den mein Mann vor drei Jahren gebaut hat, hat unter dem neu gepflanzten Mönchspfeffer seinen neuen Platz gefunden. 

Ein Totholzhaufen beginnt hier zu wachsen, direkt neben einem Stapel mit Reisig.

Unter der Bank befindet sich ein kleiner Lesesteinhaufen, der 

demnächst durch größere Steine an anderer Stelle ersetzt werden wird.

Juli 2026

Im Juli wandte ich mich dem Beetstreifen seitlich der Wiese zu. Hier hatten schon Stauden aus den vorderen Gartenteilen Platz gefunden (wie auch im 4. Gartenzimmer), aber es kamen noch einige neue hinzu. 

Die Vogelschutzhecke bzw. die Fläche darunter rührte ich vorsichtshalber nicht an. Und Mitte Juli gab ein Ruf meines Mannes am späten Abend meiner Vorsicht Recht: Komm raus, wir haben Igeljunge! Und so beobachteten wir – wie so oft in den letzten 25 Jahren – drei Igelkinder, die durch den Garten liefen. Hatten sie in den ersten Jahren oft im Holzlager unter der Verandatreppe im 1. Gartenzimmer Zuflucht gesucht, so hatten sie dieses Mal, wie schon einige Male zuvor, offenbar das von mir vor Jahren gebaute Igelhaus unter der Hecke bezogen.

Eine weitere Idee setzte ich noch im Juli um: Ich entleerte mit Hilfe meines Mannes einen alten Waschbottich und wandelte ihn in ein Sumpfbeet um. Lehm dafür wurde in unserer Nähe angeboten. Wieder war mein Mann ganz selbstverständlich beim Abholen dabei.

Hier fanden 5 verschiedene heimische Wildformen ihren Platz.

Unsere Balkonkästen auf den Fensterbänken vor dem Haus und auf dem Balkon wurden nun auch mit Wildstauden bepflanzt. Die Aussaat mit heimischen Wildstauden (extra für den Balkonkasten) konnte uns doch vom Ergebnis nicht überzeugen.

Ausblick

Für die nähere Zukunft haben wir ein größeres Insektenhotel geplant, dass um das Fenster der Gartenlaube entstehen soll. Eine Lehmsteilwand soll auf Birkenstämmen, die mir der Revierförster zur Verfügung gestellt hat, ihren Platz finden, ebenso wie bereits vorhandene Bienennistkästen aus MDF und Niströhren.

Die Birkenstämme sollen ein paar Bohrlöcher erhalten, um Wildbienen zum Nisten anzulocken.

Im Herbst werden wir dann noch Zwiebeln setzen, da bisher noch Frühblüher fehlen. 

Im nächsten Jahr möchten wir mit unserem Garten an der offenen Gartenpforte bzw. Naturgartenpforte teilnehmen, um mehr Menschen von der Idee des Naturgartens zu begeistern und uns mit anderen Menschen über das naturnahe Gärtnern auszutauschen.

Und vielleicht gelingt es uns damit, den Kreis über den Nabu, den BUND und den Naturgarten e.v. hinaus, dem ich oder wir angehören, noch zu erweitern.

Über unsere Gruppe

Cordula Scholz mit Christoph Schumacher und gemeinsamer Tochter Lotte Scholz

Vorher- & Nachher-Bilder

Pflanzen & Beete (Jurykriterium)

Keine Bilder vorhanden.

Tierfreundliche Gartenstrukturen (Jurykriterium)

Aktionen: Wissen & Begeisterung weitergeben (Jurykriterium)

Keine Bilder vorhanden.

Plan zur Gartenpflege

Zurzeit versuche ich, die Beete frei von „Unkraut“ zu halten. Zudem schneide ich die verblühten Stauden ab. Im Herbst werden die Stauden stehen gelassen. Erst im Frühjahr erfolgt ein Rückschnitt. Danach werde ich schauen, dass alle Pflanzen ihren Platz haben bzw. behalten. Und einiges wird die Natur richten. Die Wiese mähen wir nach den Vorgaben beim Saatgut von Rieger Hofmann. Die Hecken werden im Herbst geschnitten. Und im Sommer steht immer die Ernte von Himbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Pflaumen, Mirabellen und Äpfeln an.

Pflanzliste

Pflanzlisten bei Naturadb Gartenzimmer 1: y6uvteyd Gartenzimmer 2: ikjapeli Teich und Sumpfzonen vorne: l8vi9cmn Sumpfbottich: b42agst1 Trockenmauer: lw9oqxws

Jubelbilder