Ein Aushub, zwei Biotope: So entstanden Sandarium und Sumpfbeet

Beitrag teilen:

18 m²

Privatgärten klein (bis 500 m2)

Hessen, 35460 Staufenberg

Die fleißigen Sandbienen (4 Personen)

Die Fläche, auf der heute ein 15 m²-Sandarium steht, war ganz früher Kartoffelacker, dann Rasen, dann jahrelange Versuchsfläche für eine Blumenwiese, die leider nie funktioniert hat.

Ab Herbst 2025: Die Idee

Nachdem ich in meinem Garten viele Jahre vergeblich versucht hatte, eine Blumenwiese anzulegen, kam mir die Idee mit dem Sandarium. Der Boden war zu nährstoffreich für eine Wiese, aber genau das ließ sich lösen: Ein Sandarium ist nicht nur wertvoll für bodennistende Wildbienen, sondern schafft gleichzeitig einen der magersten Standorte überhaupt für regional vorkommende Wildpflanzen. Und günstiger als Sand direkt aus der Grube geht es kaum.

Damit war die Idee geboren. Etwas Übung hatte ich bereits: Im Frühjahr 2025 hatten meine Familie und ich bei meiner Mutter schon ein kleineres Sandarium angelegt. Wir wussten also, worauf wir uns einließen. Oder zumindest dachten wir das. Den Aufwand haben wir trotzdem unterschätzt. Ich sage mal so: ein, zwei Urlaubstage sind draufgegangen, um den ganzen Sand per Schubkarre durch den Garten zu bewegen.

Aber der Reihe nach.

März 2026: Bau des Sandariums

Wir haben die Grasnarbe abgetragen und die Fläche 30 cm tief ausgekoffert. 15 m², das klingt überschaubar. Ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass der gesamte Aushub irgendwo hin muss und 7 Tonnen Sand per Schubkarre durch den Garten bewegt werden wollen. Mein Mann, meine Kinder und ich haben das gemeinsam gestemmt. Der Sand kam direkt aus der lokalen Sandgrube, per Traktor mit Hänger. Ein Bekannter hat diesen mit zwei Fuhren übernommen.

Den Sand haben wir in Schichten von etwa 15-20 cm eingebracht und jede Lage leicht festgetreten. Dabei haben wir die Fläche stark mit Hügeln modelliert und mit dem Spaten senkrechte Abbruchkanten gezogen. Beim Bau haben wir auch halb vergrabene Steine und stehendes Totholz eingearbeitet.

Und dann kam die Frage, die ich nicht auf dem Schirm hatte: Was machen wir mit dem Aushub?

April 2026: Die Spontanidee – Sumpfbeet in der Jauchegrube

Einen Teil des Aushubs hatte ich bereits auf der unteren, schattigeren Hälfte des Beetes angehäuft. Dann fiel mir die alte betonierte Jauchegrube ins Auge: Ein rechteckiges Becken, knapp 75 cm tief, seit Jahren ungenutzt und ehrlich gesagt störte sie mich schon seit Jahren, da sie eine Falle für kleine Tiere darstellte. Der restliche Teil des Aushubs passte hinein, also schubkarrenweise rein damit.

So entstand auf 3 m² ein zweites Biotop, ohne zusätzlichen Aufwand und ohne zusätzliche Kosten. Heute wachsen dort Trollblume, Sumpf-Labkraut, Prachtnelke, Sumpf-Storchschnabel, Geflügeltes Johanniskraut, Wasser-Minze und Knotige Braunwurz. Ein blauer Eisenhut hat sich von selbst eingefunden.

Ab Mai 2026: Viele Beobachtungen

Beide Bereiche haben sich schnell belebt. Im Sandarium sind Lehmwespen, Masken-, Schweiß-, Mauer-, Sand-, Furchen- und Mörtelbienen unterwegs, Ameisen haben sich als Erste angesiedelt. Schmetterlinge, Schwebfliegen und viele weitere Insekten besuchen regelmäßig beide Bereiche.

Juni 2026: Der Funke springt über

Am 20. Juni 2026 war mein Garten Teil einer öffentlichen Gartentour der Regionalgruppe Mittelhessen des NaturGarten e.V. 15 Menschen haben die neuen Biotope besichtigt, Fragen gestellt und Ideen mitgenommen. Außerdem besuchte mich eine Journalistin für einen Pressebericht, der in der Online-Ausgabe einer großen überregionalen Zeitung erschienen ist. Dokumentiert habe ich alles auf meinem Blog antje-mueller.net und auf naturaDB.de, wo ich Sandarium und Sumpfbeet als “Kompositionen“ einreichen durfte.

Über unsere Gruppe

Sandarium und Sumpfbeet waren ein Familienprojekt: Aushub und Sand haben wir gemeinsam mit vielen Schubkarren bewegt. Dazu gehörten meine Kinder (damals 6, 12 und 17 Jahre alt), mein Mann und ich (verantwortlich für die Idee und Gestaltung). Ein Bekannter hat uns den Sand mit dem Traktor aus der Sandgrube geholt und an die Gartenkante geliefert. Die Regionalgruppe Mittelhessen des NaturGarten e.V. unterstützte das Projekt, indem sie es im Rahmen einer öffentlichen Gartentour zugänglich machte. Auf naturaDB konnten beide Projekte vorgestellt werden, nachdem Sie über meinen Blog auf meine Projekte aufmerksam geworden waren.

Vorher- & Nachher-Bilder

Pflanzen & Beete (Jurykriterium)

Tierfreundliche Gartenstrukturen (Jurykriterium)

Aktionen: Wissen & Begeisterung weitergeben (Jurykriterium)

Plan zur Gartenpflege

– Sandarium: Das Sandarium pflegt sich weitgehend selbst. Unkraut fasst im mageren Substrat kaum Fuß. Die Stauden bleiben über Winter stehen und werden erst im späten Frühjahr zurückgeschnitten, damit Insekten die Stängel als Winterquartier nutzen können. Die offenen Sandflächen halte ich von Bewuchs frei, damit sie als Nistplatz erhalten bleiben. Nach starken Regenfällen schärfe ich die Abbruchkanten mit dem Spaten nach. Laub, das auf die Sandfläche fällt oder geweht wird, kehre ich vorsichtig weg. Gedüngt oder gemulcht wird selbstverständlich nicht. – Sumpfbeet: Das Sumpfbeet erfordert mehr Aufmerksamkeit. Da der Aushub viele Unkrautsamen mitgebracht hat, jäte ich dort regelmäßig per Hand. Bei langen Trockenperioden wässere ich nach. Den blauen Eisenhut behalte ich im Auge, er kann sich stark ausbreiten. Im Herbst bleibt das Laub als Winterschutz liegen. Auch dort wird erst im Frühjahr das Verblühte zurückgeschnitten.

Pflanzliste

Pflanzliste – NaturaDB

Jubelbilder