Ein seit 100 Jahren gewachsener Garten in der Umwandlung zur Naturoase

Beitrag teilen:

15.000 m²

Privatgärten groß (ab 500 m²)

Nordrhein-Westfalen, 44879 Bochum

Martina Pork und Familie (4 Personen)

Ein seit 100 Jahren gewachsener Garten in der Umwandlung zur Naturoase

Nach meinem Auslandsaufenthalt in Kanada kehrte ich 2011 zurück in die Heimat. Meine Mutter hegte 2012 den Wunsch, an der „Offenen Gartenpforte“ teilzunehmen und bat mich um meine Unterstützung. Also verfolgten wir gemeinsam mit meinem Vater das Ziel, einen „schönen Garten“ vorzustellen.

Das Ergebnis war, dass wir zunächst reichlich Lehrgeld zahlten. Unsere Bepflanzungen meldeten uns mit Deutlichkeit zurück, dass sie dort, wo sie angesiedelt waren, nicht prachtvoll wachsen konnten, weil entweder die Lichtverhältnisse nicht stimmten oder der Boden nicht die richtige Beschaffenheit aufwies. Es schien dann doch nicht alles so einfach zu sein.

Die Natur lehrte uns, was zu wissen nötig war, und wir gewannen gemeinsam an Wissen hinzu. Unser Garten wuchs und gedieh, zumindest irgendwie.

Nachdem meine Mutter 2022 verstarb, entwickelte ich zunehmend das Bewusstsein, meinen Garten zu einem Naturgarten umzugestalten. Dieser Prozess brachte Jahr für Jahr immer wieder völlig Neues zustande. Und dabei handelte es sich nicht nur um unbeschreiblich Schönes, sondern vor allem um bemerkenswert Nachhaltiges:

Zunächst teilte ich eine Gartenfläche, zu Beeten arrangiert, zu Selbstversorgerzwecken um. Seitdem belohnte mich die Natur über das ganze Jahr mit der reichen Ernte zahlreicher Obstsorten und vielfältiger Gemüsearten. Insbesondere wuchsen und gediehen in meinen Gewächshäusern bald um die 20 verschiedenen Tomatensorten.

Ein seit ca. 50 Jahren unberührtes Gartenareal überließ ich sich selbst, um Bienen, Käfern und Insekten einen natürlichen Lebensraum zur eigenen Gestaltung zur Verfügung zu stellen.

2023 setzte ich gezielt einheimische Pflanzen und gestaltete die Wiesen zu Magerwiesen um. Beim weniger erfolgreichen Abmagern des Lehmbodens zahlte ich wiederum reichlich Lehrgeld. Aber die Erfahrungen motivierten mich erst recht, weiterzumachen:

Erste Trockenmauern, der erste Käferkeller und das erste Sandbeet wurden erstellt und ich säte viele heimische Arten von Wildstauden.

Die Strukturen in meinem Garten veränderten sich sukzessive. Invasive, nicht heimische Sträucher wurden auf ein Mindestmaß zurückgeschnitten. Ich habe aufgeschichtetes Totholz bereitgestellt, Hölzer verteilt und ausgelegt. Benjeshecken wurden angelegt und fanden ihren Platz.

Im Frühjahr habe ich Frühlingszwiebeln gesetzt. Mein Ziel war es, dass es über das ganze Jahr im Garten farbenprächtig blühen sollte.

Ich wollte den Tieren ein Zuhause schaffen: So entstand ein großes Insektenhotel. Es stellten sich die ersten begeisternden Erfolge ein, indem mehr und mehr Insektenarten auftauchten und die Vielfalt immer weiterwuchs. Ich nahm weiterhin an der „Offenen Gartenpforte“ teil und das Feedback der Besucher hielt meine Motivation nicht nur aufrecht, meinen Weg zum Naturgarten weiterzuverfolgen, sondern entfachte diese immer wieder aufs Neue. Bald erhielt ich sogar die dem entsprechende hundertprozentige Zertifizierung eines „Naturgartens“ für meine grüne Oase, was mich durchaus stolz machte.

Es stellte sich heraus, dass mein wildgewachsener Bambus erstklassig dazu geeignet war, Bienenhäuser zu bauen.

Seit im Jahre 2026 noch einmal ein großes und drei kleine Bienenhotels hinzukamen, ist deren Anzahl auf sieben Quartiere angewachsen. Die Bambusröhren aus Eigenproduktion dienten dabei als mustergültiges Baumaterial. Die Baukonstruktion wurde mithilfe von Harthölzern ergänzt.

Noch ungenutztes Totholz und Reisig wurde auf bereits vorhandenen Anhäufungen aufgeschichtet und abgestorbene Stängel von Karde, Königskerze und Himbeere etc. wurden weiterverwendet, indem sie hochkant aufgestellt wurden.

2026 habe ich auch einen neuen flachen Teich als Wildtränke angelegt. Noch vorhandene, selbst getöpferte Schalen meiner Mutter, holz- oder moosbeschichtet, dienen zusätzlich hier und da als zusätzliche Bienentränken.

In diesem Jahr wurde zudem eine großer Gartenbereich von ca. 300 qm vom Wildwuchs befreit und umgestaltet. Außerdem habe ich zwei weitere Käferkeller und eine Eidechsenburg gebaut. Für alle drei wurde jeweils ein Loch ausgehoben und mit Steinen und Hölzern aufgefüllt.

Die Eidechsenburg habe ich extra nach Süden ausgerichtet, um den Eidechsen auf der sonnenbestrahlten Sandfläche das Ablegen ihrer Eier zu ermöglichen.

Die im Schatten angesiedelten Käferkeller wurden zunächst ausgehoben und zum Schutz der Käfer und Insekten mit eigenen Tothölzern und Blättern aufgefüllt.

Im letzten Winter habe ich dann noch eine Vertiefung für ein Sandarium ausgehoben und mit ungewaschenem Sand und eigenem Lehm aufgefüllt.

Ein Teil einer alten Wiese wurde abgetragen und der zum Vorschein gekommene Lehmboden wurde den Insekten zur Verfügung gestellt.

Der andere Teil der alten Wiese blieb neuen Wildblumenstauden vorbehalten. Viele Stauden aber stehen und wachsen dort, wo sie sich wohlfühlen und befinden sich daher nicht immer beieinander auf einer gemeinsamen Fläche. Die Wilde Möhre steht im Eingangsbereich, wo es trocken ist. Der Natternkopf bevorzugt verschiedene Standorte. Der Wiesensalbei umringt sich gern mit Erdbeerpflanzen und die Wegwarte mag den Halbschatten an der Mauer auf lehmhaltigem Boden. Alle, die unterschiedliche Plätze bevorzugen, sind nicht auf einer gemeinsamen Blumenwiese angesiedelt und erhalten von mir genau das, was ihren Bedürfnissen entspricht und ihnen Schutz bietet.

Daher habe ich seit 2026 verschiedene Standorte für jeden einzelnen gesucht. Da sich alle etablieren konnten, wurde ich den Ansprüchen offensichtlich mehr als gerecht.

Mittlerweile ist mein Bestand auf über 65 verschiedene heimische Wildstauden angewachsen, teils käuflich erworben, teils selbst angezogen. U.a. gehören die Wiesenmargerite, der Natternkopf, der Wiesenehrenpreis und der Teufelsabbiss dazu. An der Gartenmauer gibt es ein kleines Beet von 10 qm, und ein weiteres größeres von 75 qm befindet sich in einem anderen Gartenbereich in Hanglage.

Ein Problem, welches sich im Frühjahr bemerkbar machte, war, dass eben diese Hanglage meines Gartens eines Grabens bedurfte, mit dessen Hilfe dann aber das aufgefangene und herabfließende Wasser in einem Auffangbecken gesammelt werden konnte.

Unbeschreiblich beeindruckend war dann aber, dass die Bienen den Graben auf fantastische Art und Weise annahmen, indem sie den feuchten Lehm heraussammelten, um die Röhren ihrer Bienenhäuser damit werkmeisterlich zu verschließen.

Mein Hauptaugenmerk bleibt, zu zeigen, was ich unternehme, um auf nachhaltige Art und Weise zum Schutz der Insekten, Käfer und Vögel beizutragen, indem ich z.B. für Nistmöglichkeiten sorge. In meinem Gewächshaus haben Wespen tatsächlich ein Nest gebaut.

Die Anzahl der Bienen hat sich mittlerweile vervierfacht. Ich beobachte unterschiedliche Arten, die sich in Größe, Farbe und Muster unterscheiden.

Durch die von mir gesetzten Faulbäume kommen mehr Zitronenfalter zu mir ins Naturparadies. Auch stehengebliebene Brennesseln ziehen mehr Falter an, insbesondere Nachtfalter.

Insgesamt sind mehr Tagpfauenaugen, Kleine Füchse, Kohlweißlinge, Admirale, Aurorafalter, Bläuliche und Distelfalter zu sehen.

Auch die Blindschleichen haben sich vermehrt.

Heute vereint mein riesengroßer Naturgarten Waldflächen, Obstbäume, Gemüsebeete, Blumen und eine vielfältige Pflanzenwelt zu einem wertvollen Lebensraum. Diese hohe Biodiversität bietet zahlreichen Insekten, Käfern und Vögeln Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten und trägt so zum Erhalt der heimischen Artenvielfalt bei. Die naturnahe Gestaltung fördert das ökologische Gleichgewicht und macht den Garten zu einem wichtigen Rückzugsort für Flora und Fauna.

Der besondere Wert liegt in der Vergesellschaftung der Individuen der hier angesiedelten unterschiedlichen Arten.

Ich bin gern im Garten, um Wildbienen und Schmetterlinge zu beobachten und am Abend die Nachtfalter zu bestaunen, den Grillen zu lauschen und den Vögeln beim Zwitschern zuzuhören. Dabei genieße ich ganz besonders den Tanz der Glühwürmchen, die sich auf der ungemähten Wiese oder unter den Blättern im Buchenwald beheimatet haben.

Zur Unterstützung der Bewässerung wurden zwei gut versteckte Tanks von jeweils 1000 l und 2000 l bereitgestellt, um Regenwasser nutzbar zu machen.

Zu Anfang des Sommers 2026 zollte das ZDF Interesse an meiner Naturoase und sendete am 23.06.2026 einen sehenswerten filmischen Beitrag in der Sendung „Volle Kanne“. Auch die Pressestelle Bochum hat ein Video unter der Thematik „Gartenprojekte“ in den Social-Media-Kanälen eingestellt.

Somit fühle ich mich auf dem richtigen Weg, für Umwelt und Klima meinen Beitrag zu leisten und werde mein gewachsenes Ökosystem tatkräftig weiterentwickeln.

Über unsere Gruppe

Martina Pork und in der Vergangenheit Sigrid und Erwin Pork (Eltern) sowie Albert Pork (Großvater)

Video zu Beitrag

Video ansehen ↗

Vorher- & Nachher-Bilder

Pflanzen & Beete (Jurykriterium)

Tierfreundliche Gartenstrukturen (Jurykriterium)

Aktionen: Wissen & Begeisterung weitergeben (Jurykriterium)

Plan zur Gartenpflege

Im Frühling erfolgen die ersten Aufräumarbeiten: Die Beete werden mit Blättern gemulcht, Gemüse wird angezogen, die Gewächshäuser werden gereinigt und vertrocknete Staudenstängel werden in großen Reisiggruppen verwahrt. Die Wege zwischen den Rasenflächen werden einmal gemäht, währen der Rasen selbst unberührt stehenbleibt. Zu viele der Beikräuter werden im Gemüsegarten und an manchen Stellen der Staudenbeete entfernt. Gewässert werden hauptsächlich Gemüsepflanzen und nach Bedarf auch neu gepflanzte Stauden. Diese Arbeiten werden von mir selbst erledigt. Im Sommer erfolgen Rückschnitte bei ausgewählten Stauden, damit diese zum zweiten Mal blühen. Dann wird geplant, welche Plätze im kommenden Herbst zur Umgestaltung anstehen. Diese Arbeiten werden im Herbst, Winter und Vorfrühling verrichtet.

Pflanzliste

Pflanzliste – NaturaDB

Jubelbilder