1000-Arten-Vorgarten

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100 m²

Privatgärten klein (bis 500 m2)

Nordrhein-Westfalen, 45699 Herten

Die Hertener (2 Personen)

Hallo und herzlich willkommen in unserem neuen Vorgarten!

Wir sind Corinna und Niklas und leben hier mit unseren beiden Kindern (1 und 5 Jahre). Als wir vor drei Jahren dieses typische 70er-Jahre-Haus übernommen haben, war schnell klar: Gartentechnisch soll hier vieles anders werden. Statt Schotter, Zierrasen und pflegeintensiver Koniferen wollten wir einen lebendigen Vorgarten schaffen – einen Ort voller heimischer Pflanzen, Strukturen und Lebensräume für Tiere.

Nachdem unser hinterer Garten bereits auf dem Weg zum Naturgarten war, nahmen wir uns schließlich auch den Vorgarten vor. Dort fanden wir vor allem Schotterflächen, Unkrautvlies, Rasen und einige alte Koniferen vor. Also beschlossen wir eine komplette Umgestaltung – und machten alles in Eigenarbeit, ausschließlich mit bloßer Muskelkraft.

Der Schotter wurde teilweise verschenkt, der Rest zwischengelagert. Der alte Rasen wurde mit dem Spaten abgetragen, die Koniferen möglichst samt Wurzeln entfernt und der Boden endlich von der Folie befreit. So konnte aus einem weitgehend „toten“ Untergrund Schritt für Schritt wieder lebendige Erde werden.

Entlang des Hauses planten wir einen kleinen Weg mit Sitzbereich. Dafür hoben wir den Boden etwa 30 cm tief aus. Von Freunden bekamen wir Holz aus Winterfällungen, das wir als sogenannten „Käferweg“ verbauten: Grobes Holz unten, darüber Holzhackschnitzel. So entstand gleichzeitig ein kleiner Pfad und wertvoller Lebensraum für Käfer und andere Bodenlebewesen.

Um den Hang etwas abzufangen und zusätzliche Struktur zu schaffen, bauten wir aus etwa zwei Tonnen Naturstein aus der Region zwei Trockenmauern. Sie bieten heute viele kleine Nischen, unterschiedliche Mikroklimata und Rückzugsorte für Insekten und andere Tiere. Hinterfüttert wurden die Mauern teilweise mit der alten Grasnarbe, der Rest davon kam auf den Kompost.

Unser Boden ist eher schwer und stellenweise verdichtet. Statt ihn komplett auszutauschen oder stark zu verändern/abzumagern, wollten wir jedoch möglichst viel mit den vorhandenen Bedingungen arbeiten. Das ist nachhaltig und schont Ressourcen.
So haben wir lediglich etwas Sand (1T auf die gesamte Fläche) eingearbeitet, um den Boden lockerer zu machen und bestimmten Pflanzen bessere Bedingungen zu bieten. Uns war wichtig zu zeigen, dass auch auf ganz „normalem“ Gartenboden mit heimischen Pflanzen und den richtigen Strukturen ein wertvoller Lebensraum entstehen kann – ohne riesigen technischen oder finanziellen Aufwand.

Ein besonderes Projekt war das Sandarium auf der Krone der Trockenmauer. Dafür verwendeten wir speziellen feinkörnigen Sand und schützten die Fläche zusätzlich mit grobem Kies vor Katzen. Schon im Mai wurde das Sandarium von Grabwespen besiedelt – ein Moment, über den wir uns sehr gefreut haben.

Damit wir auch bei Regen trockenen Fußes zum Auto gelangen, pflasterten wir einen kleinen Bereich mit kleinen Pflastersteinen. Dabei verzichteten wir bewusst auf Splitt und verwendeten stattdessen nur Sand und Brechsand und ließen die Fugen ausreichend groß. Die Fugen wurden zusätzlich mit einer speziellen Saatgutmischung heimischer Pflanzen begrünt, unter anderem mit Thymian und Sedum.

Ein Projekt, das erst sehr spät noch hinzukam, war die wechselfeuchte Senke, die wir nur mit Lehm „abdichteten“. Auf diesen Bereich sind wir nun besonders stolz, bietet er einen weiteren ganz speziellen Lebensraum und eine kleine, natürliche Wasserstelle für Kleinsäuger, Vögel und Insekten.

Als die Grundstrukturen geschaffen waren, begann die eigentliche Pflanzung. Für uns stand von Anfang an fest: Hier sollen ausschließlich heimische Pflanzen wachsen. Zu zwei Ausnahmen kam es jedoch schlussendlich: ein mit Mini-Kiwi bepflanzter Rosenbogen zog aus dem hinteren Garten nach vorn. Und in die Fugen der Trockenmauer kam auf Empfehlung des Naturgartenfachbetriebes unseres Vertrauens die Polster-Glockenblume, denn die Mauer zeigt Richtung Norden und der Boden hinter der Mauer ist recht frisch und fett.

Bei den Gehölzen entschieden wir uns für Faulbaum, roten Hartriegel, Pfaffenhütchen und heimische Felsenbirne. Sie dienen als Sichtschutz, Strukturgeber und wichtige Nahrungspflanzen für Tiere. Mittelpunkt des Vorgartens soll ein zum Hochstamm erzogener eingriffeliger Weißdorn werden. Ergänzt wird die Pflanzung durch mehrere kleine rote Heckenkirschen („Dwarf“).

Die Staudenpflanzung gliedert sich grob in drei Bereiche:

  • einen schattigen Bereich direkt am Haus mit Pflanzen wie Wald-Geißbart, ausdauerndem Silberblatt und klebrigem Salbei,
  • einen sonnigen Wiesensaum mit Wiesenstorchschnabel, echter Betonie und Witwenblume,
  • sowie die eher trockene und sandige Mauerkrone mit Karthäusernelke, Küchenschelle und Strand-Grasnelke.
  • die wechselfeuchte Senke mit Stauden der Sumpfgebiete wie Blutweiderich, Kuckucks-Lichtnelke und Sumpf-Helmkraut

Zusätzlich säten wir verschiedene ein- und zweijährige heimische Arten in offene Bereiche ein, darunter rote Lichtnelke, Wiesenschaumkraut und Kornblume.

Ergänzt wird der Vorgarten durch Nisthilfen für Wildbienen, einem Igelhaus und Vogelhäuschen. Stauden und Samenstände bleiben bei uns über den Winter stehen und auch das Herbstlaub darf bewusst im Vorgarten verbleiben, um Insekten und anderen Kleintieren wichtige Überwinterungsräume zu bieten.

Besonders wichtig ist uns aber nicht nur der Garten selbst, sondern auch seine Wirkung nach außen. Unser Vorgarten liegt an einem Weg, an dem viele Menschen vorbeikommen. Wir möchten zeigen, dass naturnahes Gärtnern auch im ganz normalen Wohngebiet möglich ist – und dass schon kleine Veränderungen viel bewirken können. Unser Garten soll dabei auch als kleines „Trittsteinbiotop“ im Siedlungsraum wirken und neuen Lebensraum schaffen, wo zuvor kaum Natur vorhanden war.

Deshalb haben wir zusätzlich eine kleine Homepage erstellt, auf der wir erklären, warum wir uns für heimische Pflanzen und verschiedene Naturgartenstrukturen entschieden haben. Über einen QR-Code an einer der Nisthilfen können Interessierte direkt darauf zugreifen. Wir hoffen, dadurch Menschen zum Nachdenken, Nachmachen und vielleicht auch zum eigenen kleinen Naturgartenprojekt motivieren zu können.

Und tatsächlich entstehen inzwischen bei der Gartenarbeit immer wieder schöne Gespräche mit Spaziergängern und Nachbarn: über Pflanzen, Wildbienen, Naturgärten und darüber, wie viel Leben selbst auf kleiner Fläche möglich ist. Genau das war unser Wunsch – aus einer Schotterfläche nicht nur einen Lebensraum für Tiere zu machen, sondern vielleicht auch einen kleinen Anstoß für mehr Natur direkt vor der eigenen Haustür.

PS: Erst im Laufe des Projektes bemerkten wir, wie nah wir auf NaturaDB an den 1000 Arten „kratzten“ und diese schlussendlich sogar „knacken“ konnten. Auch wenn diese Zahl natürlich nur symbolisch zu verstehen ist, weil nicht alle Arten hier in der Region vorkommen (können), so zeigt sie doch ganz eindrücklich: Es braucht keinen Hektar Land, um einen Beitrag zum Artenschutz leisten zu können. Jeder Quadratmeter zählt.

Über unsere Gruppe

Wir sind Corinna und Niklas mit unseren zwei Söhnen (1 und 5). Vernetzt haben wir uns über den Naturgarten e.V. mit vielen Gleichgesinnten

Vorher- & Nachher-Bilder

Pflanzen & Beete (Jurykriterium)

Tierfreundliche Gartenstrukturen (Jurykriterium)

Aktionen: Wissen & Begeisterung weitergeben (Jurykriterium)

Keine Bilder vorhanden.

Plan zur Gartenpflege

Wir haben so geplant, dass langfristig möglichst wenig Pflege nötig sind. Gegossen wird nur im ersten Jahr, bis die Pflanzen angewachsen sind. Danach sollen sie sich möglichst selbst erhalten. Die Pflanzen wurden passend zu den jeweiligen Mikroklimata gesetzt – etwa Blutweiderich in feuchtere Bereiche und Karthäusernelken auf die trockene Mauerkrone. Beim Jäten gehen wir bewusst selektiv vor: Entfernt werden vor allem stark konkurrenzfähige Gräser und Arten, die Überhand nehmen. Viele Beikräuter dürfen bleiben oder sich zunächst entwickeln, damit sich natürliche Gleichgewichte einstellen können. Der Boden wird dabei nicht umgegraben. Da es sich um einen Vorgarten mit Vorbildfunktion handelt, versuchen wir die Balance zwischen einem ansprechenden Erscheinungsbild und möglichst viel ökologischem Nutzen zu halten. Stauden, Samenstände und das Herbstlaub bleiben über Winter bewusst stehen bzw. liegen, um Käfern, Schmetterlingsraupen und Kleinsäugern wichtige Rückzugsräume zu bieten.

Pflanzliste

Pflanzliste – NaturaDB

Jubelbilder

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