50 m²
Privatgärten klein (bis 500 m2)
Sachsen, 01099 Dresden
Die Baumstraßen-WG (19 Personen)
Offiziell war es eine kleine Gartenparty:
leckeres Bio-Essen, gute Gespräche, entspannte Stimmung.
Inoffiziell war es eine hervorragend getarnte Mitmach-Aktion zur Umwandlung eines 50-qm-Vorgartens in ein Insektenparadies. Denn Hand aufs Herz: Zu einer „gemeinsamen Entfernung der Grasnarbe“ hätten vermutlich deutlich weniger Leute begeistert zugesagt. Insgesamt waren wir 19 Personen im Alter 7-67 Jahren.
Der Plan ging perfekt auf.
Zwischen Salaten, Kuchen und Getränken wurden plötzlich Spaten geschwungen, Grassoden entfernt und innerhalb von 5 Stunden die Veitshöchheimer Bienenweide ausgesät. Teamarbeit funktioniert erstaunlich gut, wenn man sie mit gutem Essen tarnt.
Ein ganz besonderer Moment war dann die Aussaat selbst:
Rund 80.000 Samen wurden von uns per Hand liebevoll eingesät — fast feierlich, irgendwo zwischen meditativer Gartenkunst und der leisen Hoffnung, dass später auch wirklich etwas wächst. Für einen kurzen Augenblick waren wir alle hochkonzentrierte Landschaftsarchitekten mit schmutzigen Schuhen.
Nicht alles wurde geschniegelt und perfekt eben – sehr zur Freude der Erdhummeln. Die haben unsere kleinen Hügel und Mulden sofort als attraktiven Wohnraum erkannt und sind schneller eingezogen als mancher Mensch nach einer Wohnungsbesichtigung.
Danach begann die tägliche Gießdisziplin: vier Wochen lang Wasser schleppen, hoffen und regelmäßig prüfen, ob da endlich etwas wächst oder nur unsere Geduld getestet wird.
Jetzt warten wir voller Vorfreude auf den großen Sommerauftritt:
Wildbienen im Landeanflug, Schmetterlinge im Taumelflug und Schwebfliegen im Buffetrausch. Unser Vorgarten entwickelt sich langsam zu einem kleinen impressionistischen Gemälde irgendwo zwischen Naturgarten und „Monet hätte hier vermutlich auch eine Gießkanne gebraucht“.
Aus einer „Gartenparty“ wurde also ein kleines Biodiversitätsprojekt.
Oder anders gesagt: Wir haben Menschen mit Bio-Essen angelockt — und am Ende profitieren die Bienen, Schmetterlinge und andere Krabbeltiere nachhaltig.
Ps.: Der abgestochene Rasen wurde nicht entsorgt — er macht jetzt eine Weiterbildung zum Humus auf unseren neu angelegten Komposthaufen und auch ein kleines Sandarium fand noch Platz vor den Solarplatten.
Über unsere Gruppe
Beteiligt waren insgesamt 19 Menschen im Alter von 7 bis 67 Jahren. Das Kernteam bildete unsere 4er-WG – der Rest setzte sich aus Freundinnen, Freunden und Bekannten zusammen, die wir mit der vielversprechenden Einladung zu einer gemütlichen Gartenparty angelockt hatten. Dass dabei ganz zufällig auch noch ein 50 Quadratmeter großer Vorgarten in ein Insektenparadies verwandelt werden sollte, war gewissermaßen das Rahmenprogramm.
Einige der Mithelfenden engagieren sich bereits ehrenamtlich in der Stadt im Bereich des gemeinschaftlichen Gärtnerns.
Dadurch entstanden nicht nur jede Menge Schubkarren voller Erde, sondern auch viele spannende Gespräche, neue Kontakte und ein reger Austausch über Naturgärten, Artenvielfalt und zukünftige Projekte.
Besonders schön war, dass das Projekt nicht am Gartenzaun endete. Immer wieder blieben Nachbarinnen und Nachbarn stehen, fragten neugierig nach und kamen mit uns ins Gespräch. Einige wurden sogar ganz spontan Teil der Aktion – offenbar ist Begeisterung ebenso ansteckend wie gemeinsames Schaufeln.
Am Ende hat sich wieder einmal gezeigt: Solche Projekte entstehen nicht allein durch Spaten und Saatgut, sondern vor allem durch Menschen. Gemeinsam arbeitet es sich leichter, lacht es sich häufiger und aus einer einfachen Idee wird plötzlich ein Projekt, an dem viele mit Freude mitwirken – und von dem am Ende nicht nur wir, sondern auch Bienen, Schmetterlinge und die ganze Nachbarschaft profitieren.
Plan zur Gartenpflege
Die Bienenweide wird regelmäßig kontrolliert und während längerer Trockenphasen mit gespeichertem Regenwasser aus unseren IBC-Containern bewässert. Unerwünschter Bewuchs entfernen wir nur dort, wo es wirklich notwendig ist, damit sich die Blühfläche möglichst naturnah entwickeln kann. Einmal im Jahr, nachdem die Pflanzen ihre Samen ausgebildet haben, wird die Fläche schonend mit der Sense gemäht. Das Mahdgut bleibt zunächst liegen, sodass sich die Wildblumen auf natürliche Weise selbst wieder aussäen können.
Auch die angelegten Sandlinsen werden dauerhaft offen und sonnig gehalten. Sie bieten bodennistenden Wildbienen wertvolle Nistmöglichkeiten und sorgen gleichzeitig dafür, dass die Solarmodule nicht durch aufwachsende Vegetation verschattet werden.
Die Pflege des gesamten Projekts ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Sie wird von den Bewohnerinnen der WG übernommen und regelmäßig durch engagierte Freundinnen, Freunde sowie Nachbarinnen und Nachbarn unterstützt.