Teichliebe
Seit meiner Kindheit gehörte ein Garten zu meinem Leben, selbst bei meiner ersten Wohnung war ein kleines Gartenstück mein großes Glück. Als Teenager habe ich am Teich meiner Großeltern das Schlüpfen einer Libelle beobachten können. Es hat mich damals so sehr beeindruckt, dass für mich feststand, irgendwann einmal selber einen Teich besitzen zu wollen.
Seit 30 Jahren wohnen wir in unserem Haus(Bj. 1939) und freuen uns über einen Garten von 650 qm.Im Laufe der Zeit hat sich der Garten sehr verändert, viele Wasserstellen wurden geschaffen und so manche Pflanze wurde ersetzt.
Den Anfang machte vor 20 Jahren ein Wasserbecken an der Terrasse zur Freude von Vögeln und Insekten.
Vor gut 10 Jahren war es endlich so weit, der erste kleine Teich mit Bachlauf bereicherte unseren Garten. Ziemlich blauäugig und unerfahren im Umgang mit einem Teich machte ich mich voller Elan ans Werk. Ich erwarb viele Pflanzen und sagte den Fadenalgen den Kampf an. Es waren einige Jahre, die ich bei meinem Teich in die Lehre gegangen bin. Ich fing an zu beobachten, das Zusammenspiel von Wetter, Pflanzen und Tieren, sammelte Informationen in Büchern, Zeitschriften und im Internet.
Ich lernte geduldig zu sein und der Natur Zeit zu lassen. Und siehe da, die Fadenalgen und ähnliches waren nicht mehr meine Feinde; Molche, Kröten, Libellen, Insekten, Libellenlarven…. fanden Gefallen an unserem Teich. In einem Jahr hatte leider ein Entenpaar unseren Teich entdeckt und heftig gegründelt. Sie kamen eine Woche lang, jeden Tag, ließen sich gemütlich im Gras nieder und genossen sichtlich die Ruhe. Selbst unser Hund, der sich für sie nicht interessierte, ließ sie nicht ängstlich werden. Für das Jahr war meine Teichsaison zu Ende.
Meine Erfahrung mit dem Umgang und Pflege eines kleinen Teiches erschien als Artikel in der Zeitschrift GartenFlora. Auch ein weiterer Beitrag über Nistkästen sowie eine Geschichte über ein Rotkehlchen wurden veröffentlicht. Im letzten Jahr erschien ein Artikel über unseren Garten in zwei Regionalzeitungen.
Letztes Jahr stellte sich die Frage, den Teich durch ein größeres Becken zu ersetzen oder eine weitere Teichschale zu erwerben. Wie würden die Tiere reagieren, die bereits dort ihren Lebensraum gefunden hatten. Ich entschied mich für ein zweites Teichbecken. Weitaus erfahrener war mein Augenmerk auf einheimische Pflanzen gelenkt, auch wollte ich mehr nachtaktive Insekten unterstützen.
Gartenbeleuchtung gibt es bei uns nicht.
Es dauerte nicht lange und wieder war mein Teich belebt und beliebt. An besonders heißen Tagen besuchte uns eine Hornisse mehrmals täglich, schon von weitem war das vertraute Brummen zu hören. Zum ersten Mal habe ich Laich in meinem ersten Teich gefunden, stand dies im Zusammenhang mit dem zweiten Teich und dem größeren Platzangebot. Es war eine Freude, die kleinen Kaulquappen zu beobachten.
Jetzt gab es für mich kein Halten mehr, dieses Jahr folgte der dritte Teich. In diesem Fall schaufelte ich nicht selber, ich nahm gerne die Hilfe eines kleinen Baggers in Anspruch. Die ersten Libellen erschienen zur Eiablage und auch die Hornisse ließ nicht lange auf sich warten, obwohl der Teich erst einmal nur mit Hornkraut versehen worden war.
Die Schwierigkeit war bei diesem Teich, die Schale diente zuvor als große Pflanzschale, die verschiedenen Pflanzebenen einzurichten. Zunächst versuchte ich die Pflanzkörbe über Metallstangen am Rand zu befestigen, das missglückte komplett. Der nächste Versuch war von Erfolg gekrönt: von Spanngummis schnitt ich die Metallhaken ab und hängte sie an die zuvor befestigte Schnur am Pflanzkorb. Je nach Anspruch der Pflanze fiel die Bandlänge aus, ich befestigte den Haken am Teichrand und kaschierte mit der Baumrinde das Unterfangen. Alle Wasserpflanzen wurden von der ursprünglichen Erde befreit und ins Wasser gesetzt. Teilweise habe ich die Pflanzen nur am querliegenden Ast festgeklemmt. Nach und nach wurde der Teich vervollständigt, jetzt ist mein großer Wunsch in Erfüllung gegangen, drei Frösche genießen die Teichanlage und ab und an ist ihr quaken zu hören.
Ich versuche möglichst vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf zu bieten. Vögel werden ganzjährig gefüttert. Es gibt verschiedene Arten von Nistkästen für Vögel, die zwei Igelhäuser werden von Spinnen bewohnt, der Igel wohnt lieber unter geschichtetem Gestrüpp oder in der Benjeshecke. Ein Fledermauskasten ist an meinem Hexenhaus befestigt – bisher leider unbewohnt.
Zwei Futterkästen für Eichhörnchen sind gegen den Guillotine-Effekt gesichert, sie erhalten jeden Tag zwei Walnüsse, immer unterschiedlich auf die Kästen verteilt. Letztes Jahr konnten wir es beim Bau eines Kobels in unserer Kiefer beobachten.
Zwei Vogeltränken mit unterschiedlichen Tiefen werden gerne genutzt.
Ein Mauswiesel war letztes Jahr im Garten zu sehen. Ab und an treiben Wühlmäuse ihr Unwesen.
Es gibt viele Totholzhaufen, teils schattig, teils sonnig gelegen, ein ausgedienter Hackklotz ist sehr beliebt bei den Käfern. In den Beeten liegt auch immer mal wieder etwas Holz. Ein alter Apfelbaum ist eingegangen und wir lassen ihn als Totholz stehen. Es ist dort immer etwas zu beobachten.
Zusätzliche Insektentränken haben wir aufgestellt.
Unsere vor einigen Jahren erneuerte Gartenpforte haben wir in der Höhe angepasst, dass die Igel ungehindert unterdurch laufen können, am hinteren Zaun gibt es einen Durchschlupf zum Nachbarn.
In den letzten zwei Jahren ist die Anzahl der unterschiedlichen Insekten im Garten erheblich gestiegen. Dieser Erfolg ist großartig und macht viel Spaß sie zu beobachten. Leider bin ich nicht schnell genug für ein Foto, so entschwindet das mir unbekannte Insekt.
Es wird auf Kunstdünger, Pestizide und Schneckenkorn verzichtet. Zu den bestehenden Regentonnen habe ich drei weitere faltbare Regentonnen aufgestellt, die sich leicht bei Wolkenbrüchen zusätzlich füllen. Der Rasen wird in größeren Zeitabständen gemäht und es bleiben Kleeinseln stehen. Jahr für Jahr wird die Rasenfläche kleiner, ich möchte mehr einheimische Planzen unterbringen. Es wird ausschließlich torffreie Erde verwendet.
In diesem Jahr habe ich zum dritten Mal an der Aktion “ Offener Garten “– Ein grünes Band durch Schleswig-Holstein und Hamburg – teilgenommen. Am 14. + 15. Juni 2025 haben alle teilnehmenden privaten Gartenbesitzer ihre Gärten zur Besichtigung zur Verfügung gestellt. Ich hatte über 100 Besucher, die ich durch meinen Garten geführt habe und der persönliche Erfahrungsaustausch ist immer eine Bereicherung. Für die Besucher hänge ich Fotos in Büsche und Blumen, die bereits verblüht sind oder noch blühen werden; findet immer großen Anklang.
Besonders meine Fotos bezüglich der Eier der Spanischen Nacktschnecke und des willkommenen Tigerschnegels, sie klären über das unterschiedliche Aussehen der Eier auf, stoßen auf großes Interesse. In der Nähe der Teiche zeigen Fotos die Reinigung der Teiche und informieren über Teichbewohner und Teichgäste. Meine beschrifteten Pflanzenstecker waren für mich sehr hilfreich und die Gartenbesucher haben sich über die zusätzliche Informationsmöglichkeit gefreut.
Nach dem Rundgang habe ich die vorbereiteten Informationstüten verteilt und auf den bestehenden Deutschland summt!-Pflanzwettbewerb 2025 hingewiesen.
Im nach Süden ausgerichtetem Beet sollte ein Zinkwanne als Teich dienen. Oberirdisch gefiel sie mir doch nicht so gut, und so habe ich sie kurzerhand eingegraben und mit Teichfolie ausgekleidet (Wanne war undicht). Schon längst ist eine Kröte eingezogen und fühlt sich zwischen Seerose, Hornkraut und Zwergrohrkolben wohl. Selbstredend finden sich Vögel zum Baden ein und Insekten haben immer einen sicheren Landeplatz. Ein Stück Holz erleichtert den Ausstieg aus dem kühlen Nass. Eine Wasserpumpe versorgt den Bachlauf mit Wasser.
Ein Schattenbeet habe ich unter unseren alten Tanne angelegt. Die unteren Zweige waren dermaßen ausladend geworden, welches ein Durchkommen fast unmöglich machte. Das den Boden bedeckende Efeu habe ich entfernt, ausschließlich am Stamm darf es nach oben wachsen. Ich bin sehr gespannt, wie sich die einzelnen Planzen entwickeln werden.
Das Summen und Brummen der Insekten und der Vogelgesang ist für mich die Musik der Natur. Ich bin bemüht sehr lange ununterbrochen den Insekten und Vögeln Nahrung zu bieten. Beginnend mit der Winter-Heckenkirsche und Zwiebelpflanzen wie Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokusse, ….Lerchensporn … später Kandelaber-Ehrenpreis, Mönchspfeffer, Bartblume, um nur einige zu nenen. Verblühtes bleibt stehen und Rückschnitt erfolgt, wenn möglich, im Frühjahr. So sind Versteckmöglichkeiten gegeben und ein erweitertes Nahrungsangebot möglich sowie Nistmaterial.
Die Teiche werden mit je einem Diffusor eisfrei gehalten, damit die Bewohner unbeschadet durch den Winter kommen.
Die sehr alte Buchsbaumpflanze wurde leider vom Buchsbaumzünsler heimgesucht. Viele Zweige habe ich im unteren Bereich entfernt und wie von Zauberhand hörte der Befall auf. Ein Spatz hatte dort sein Nest gebaut und augenscheinlich dem Zünsler Einhalt geboten. Die Natur ist immer wieder ein Wunder. Die Pflanze wurde gerettet und nächstes Jahr, wenn sie wieder überfüllt von Blüten sein wird, kann ich der Musik der Natur lauschen.
Mit meiner ersten Saatguternte habe ich bereits begonnen: Purpurblütiges Leinkraut, Taubenkropf-Leimkraut, Fingerhut, Akelei, Strahlenbreitsame.