In Zeiten, in denen das Interesse der Menschen für Klimawandel und Naturschutz, für Arten- und Insektensterben spürbar nachlässt, müssen wir besonders eng zusammenstehen, müssen zeigen, was man machen kann, zeigen, was wir machen. Und das nicht nur, weil wir einen Wettbewerb gewinnen, sondern nachhaltig zum Schutz der Insekten beitragen wollen und unsere Projekte auch über Jahre betreuen und versorgen, um den Folgegenerationen unserer heutigen Wildbienen und Wildwespen ebenfalls Blütenpflanzen und Nistmöglichkeiten anzubieten.
Heute aber möchte ich mich mit meinem Hausgarten bewerben.
Daran arbeite ich bereits seit 2014 und ich habe eine reine Rasenfläche, die der Vorbesitzer mit einem Rasentraktor regelmäßig kurz hielt, in den Insekten-Hotspot unseres Dorfes umgewandelt. Es wurden Obstbäume gepflanzt, Teiche angelegt und das Gelände wurde terrassiert, um so möglichst viele Blumenbeete, mit Bruchsteinen eingefasst, anzulegen. Natürlich gab es auch bald darauf ein Insektenhotel und schon bald zogen viele Wildbienen, aber auch Kuckucksbienen und Kuckuckswespen ein.
Leider entwickeln sich die Dinge nicht immer so, wie man meint. Durch meine Arbeit auf dem ca 150 m entfernt liegenden Biotop hatte ich meinen Garten vernachlässigt und der leider bereits beim Kauf des Grundstückes vorhandene Giersch hatte meine Beete in Besitz genommen und sie derart überzogen, dass alle meine Blumen unterdrückt wurden. Da half nur noch eine Radikalkur: alle Stauden entfernen und die Beete um und um zu graben, jedes Gierschwürzelchen herauszusammeln und dann neu bepflanzen. Deshalb hatte ich bereits letzten Herbst meine Kaltkeimer ausgesät und dieses Frühjahr ging es richtig los: Aussaaten in unserem Gewächshaus und die später getopften Pflanzen neu in die Beete gesetzt. Zumindest erst einmal scheine ich den Kampf gegen den Giersch gewonnen zu haben und durch die Neubepflanzung meiner Beete konnte ich noch viel mehr Wildblumen unterbringen, als ich vorher schon hatte.
Aber auch mein Insektenhotel machte Probleme. Ich hatte mein Hotel vor die unverputzte Bruchsteinwand unseres Hauses gebaut, nach Süden ausgerichtet, frei anfliegbar und alle gebohrten Hölzer, Schilfröhrchen, Strangfalzziegel und die Lehmwand waren bald belegt. Aber letztes Jahr hörte ich unentwegt ein Knabbern im Hotel, denn Mäuse waren aus der Hauswand von hinten in das Hotel eingedrungen und fraßen vor allem meine Schilfröhrchen von hinten leer und auch die Lehmwand wurde durchlöchert und alle Nistgänge zerstört. Und die Vögel fanden immer eine Lücke, um durch den davor gespannten Draht zum Hotel zu gelangen und ihrerseits meine Niströhren von vorne zu leeren.
Es half alles nichts. Nach Ende des Wildbienenjahres musste mein Hotel umziehen unter das Vordach meines Wintergartens, ein riesiges Unterfangen. Alle Ziegel, Hölzer und vor allem die Tausende Röhrchen mussten umziehen in ein Provisorium.
Mein Mann begann sofort damit, die Hauswand zu verputzen und für das neue Hotel Kästen zu bauen, die mit Türen und Draht versehen waren, um so sowohl die Mäuse als auch die Vögel von meinem Hotel fern zu halten. Danach erfolgte der zweite Umzug, vom Provisorium zurück in ihr eigentliches Hotel und ich war mir nicht sicher, ob die Tiere den Umzug in ihr Behelfsheim und danach zurück in ihr neues Hotel unbeschadet überstehen würden ob der Erschütterungen, die der Umtransport mit sich brachte. Anfang März war alles abgeschlossen und wie glücklich war ich, als Mitte März die Mauerbienenmännchen erschienen und ihren Tanz aufführten, bis endlich, etwa zwei Wochen später, die Weibchen sich aus den Nistzellen befreiten und die Hochzeit beginnen konnte.
Auch im Verlauf der nächsten Wochen konnte ich beobachten, dass alle anderen Wildbienen den doppelten Transport unbeschadet überstanden hatten. Dazu meine neu bepflanzten Beete und dieses Jahr wurde zu einem wundervollen Wildbienenjahr in Niederehe.
Ich liebe es, meine Tage im Garten oder auf meinem Biotop zu verbringen, dort zu arbeiten und dem Summen der Wildbienen und dem Flügel schlagen der Schmetterlinge zu lauschen. Aber ich möchte den Natur- und Artenschutz und vor allem meine Liebe zu den Insekten weitertragen und auch andere Menschen dafür begeistern.
Deshalb habe ich nach 4 Jahren Biotop ein Buch geschrieben: “Hotel Maja Ein Biotop entsteht“. In 2024 hatte ich das Glück, in der Gartenzeitschrift “Gartenflora“ in einer Fortsetzungsserie von insgesamt 8 Folgen, also über 8 Monate hinweg, meine Wildbienen vorzustellen und sowohl über das Buch als auch über die Artikel in der Gartenflora habe ich tolle Rückmeldungen erhalten. So erfuhr ich von vielen neu errichteten Insektenhotels, Pflanzungen von Wildblumen in den Gärten und einem phantastischen Insektenbalkon in der 4. Etage eines Hauses in Berlin-Kreuzberg.
Im Herbst 2024 habe ich den Umweltschutzpreis von Westenergie gewonnen und ich bin jederzeit bereit, Führungen durch meinen Garten und über mein Biotop zu ermöglichen.
Leider hatte der Giersch Besitz von meinen Beeten ergriffen, da ich mich in den letzten Jahren fast nur um mein Biotop gekümmert hatte
Ja, man kann ihn essen, aber ich hätte 24/7 Giersch essen müssen! Einige Bereiche warten noch auf eine Bearbeitung und da hilft nur, alles umgraben und selbst die kleinsten Würzelchen heraussammeln.
Heute macht es wieder Spaß, in den Garten zu gehen.
Wildblumen auf Kalkschotter anstatt schnöder Parkplatz.
Auch im Vorgarten summt es.
Für Königskerzen, Natternkopf und Nachtkerzen reichen die Fugen im Pflaster.
Pflanzen & Beete (Jurykriterium)
Dieses Frühjahr habe ich besonders reichlich ausgesät, um die Beete neu bepflanzen zu können.
Hier drehte der SWR auch einen Teil des Filmchens.
Immer wieder schön anzusehen sind die Duftnesseln.
Das Nelkenleimkraut leuchtet in kräftigem Pink.
Neben all meinen gelben Königskerzen habe ich dieses Jahr auch mal weiße gesetzt und der Muskatellersalbei wartet auf die blauschwarze Holzbiene.
Eine Veränderliche Hummel an Wiesenflockenblume.
Die wilde Möhre verzaubert mit ihren Blütenknospen.
Neu im Garten ist auch die bunte Kronwicke, allerdings hatte ich vorher keine Ahnung von ihrem einnehmenden Wesen!
Auch die Karden werden riesig, wenn sie genug Platz bekommen.
Die Wegwarten haben das Vogelhaus eingewachsen.
Die klebrige Lichtnelke, Silene viscosa, galt in Deutschland als heimisch, inzwischen aber ausgestorben. Mein Saatgut stammt aus Schweden und nun gibt es sie wieder in der Eifel.
Auch die Strauß Glockenblume gilt als selten und in der roten Liste als gefährdet. Im Herbst ausgesät blüht sie inzwischen, wenn auch nicht so schön wie in den Büchern, aber reichlich Samen wird sie mir bringen.
Auch die kleine Kuhnelke wird mir neuen Samen bringen.
Und so schmücken viele bekannte und etliche mir bis dahin unbekannte Pflanzen meine Blumenbeete.
Tierfreundliche Gartenstrukturen (Jurykriterium)
Dies war mein bisheriges Hotel
Mäuse haben mir alle meine Röhrchen zerfressen und von vorne pickten die Vögel die Larven aus den Nistgängen.
Das komplette Hotel wurde abgebaut und überwinterte unter dem Vordach des Wintergartens.
Rechtzeitig vor dem neuen Wildbienenjahr wurde alles fertig. Die Hauswand ist verputzt und Drahttüren sichern das Hotel vor den Vögeln.
Dieses Holz wurde sofort genutzt.
Aber es gibt mehrere Holzhaufen.
Ein kleiner Teich gehört zum Garten.
Und ein großer Teich.
Bergmolche leben im Teich und natürlich jede Menge Libellenlarven.
Brennesseln gehören unbedingt dazu, hier mit Raupen des kleinen Fuchses.
Aber auch die Raupen des C-Falters sind hier zu finden.
In meiner ersten Bewerbung habe ich viele Bilder von Wildbienen und Wildwespen eingestellt. Heute deshalb einmal ganz andere Tiere, aber dieses Porträt der Hausfeldwespe darf nicht fehlen.
Ein kleiner Feuerfalter
Ein purpurroter Zünsler
Eine Zackeneule
Eine rotgefleckte Raupenfliege
Eine Totenkopf Schwebfliege
Eine helle Tanzfliege
Eine Grosspunkt Skorpiosfliege
Ein Mistkäfer
Eine Listspinne. Auch wenn sie mit ihren 8 Beinen nicht zu den Insekten zählen, gehören Spinnen in das Große Ganze.
Eine veränderliche Krabbenspinne. Sie alle verdienen unseren Schutz.
Wie all die Jahre stehe ich 24/7 bereit, meine Wildbienenpopulation selbst zu pflegen und natürlich meine Beete und jeder Giersch, sollte er sich blicken lassen, wird sofort entfernt. Gott sei Dank habe ich als Rentnerin alle Zeit dazu!
Vielleicht jubele ich am 27.9.25 über meinen Wettbewerbsbeitrag. Aber ich jubele jeden Tag über all die vielen Insekten, die sich inzwischen bei mir eingestellt haben und es macht mich glücklich.