In unserer Arbeit fällt uns immer wieder auf, dass die Menschen sich immer weiter von der Natur entfernen. Aus diesem Grund ist uns wichtig den Kinder möglichst viele Zusammenhänge in der Tier- und Pflanzenwelt nahezubringen.
Aus einem Projekt über Nutztiere, in welchem uns tierethische Aspekte auch sehr wichtig sind und in welchem es auch um die Honigbiene geht, entwickelt sich ein weiterer Schwerpunkt. Wir möchten Wildbienen und andere Insekten genauer kennenlernen und fördern.
Neben 2 Hochbeeten und einer Fläche, auf der sich ein Blumenbeet befindet, die wir neu gestalten möchten, wird es auch andere Aktivitäten geben wie z.B. Bilder- und Sachbuchbetrachtungen, Honigverkostung, Lebensräume und – bedingungen versch. Insekten kennenlernen usw.
Höhepunkt ist der Besuch bei einer unserer Erzieherinnen, die in der Nachbarschaft wohnt und selber einige Bienenvölker hält. Zur Unterstützung werden wir das Bienenmobil der VG Kaisersesch Leihen, welches mit allem nötigen ausgestattet ist.
Der Ablauf im Einzelnen:
Bereits zeitig im Frühjahr haben wir ein Beet geräumt. Auf diesem sind im letzten Jahr Ringelblumen gewachsen. Dabei durften die Kinder sich so viele Samen mit nach Hause nahmen, wie sie wollten.
Auch die Erdbeeren rund um das Beet mussten wir leider entfernen, da diese bereits das 2. Jahr in Folge von Würmern befallen und damit nicht essbar waren.
Da kam uns das Kräuter-Paket von KräuterKids gerade recht, um die Lücken zu füllen (s. Pflanzenliste)!
Beim Pflanzen konnten wir bereits Bienen beobachten, die von Blüte zu Blüte fliegen und so das Thema Bestäubung ansprechen.
Einige sehr interessierte Kinder möchten wissen, um welche Kräuter es sich handelt. Die Minze z.B. erkennt ein Kind am Geruch. Wir riechen an den anderen Pflanzen. Bei der Melisse denken einige an Bonbons oder Zitrone, beim Oregano an Pizza. Die Kinder haben viel Spaß beim Löcher buddeln, einpflanzen und gießen, auch in den Wochen danach.
Es werden auch andere Tier entdeckt und beobachtet wie Käfer, Regenwürmer, Spinnen und Asseln.
Zwischenzeitlich kümmern wir uns in unserem Projekt auch um die Honigbiene, schauen zum Einstieg Vieos (Anna und die wilden Tiere) und Bilderbücher.
Im Morgenkreis greifen wir das Thema auf und schauen, was die Kinder bereits alles wissen, z.B. das Bienen stechen können und uns Honig schenken.
Dann ist der große Tag gekommen. Das Bienenmobil der VG Kaisersesch ist da und wir besuchen die Bienen einer Erzieherin. Einige Kinder und Eltern haben im Vorfeld Bedenken.
Wir schauen uns vorher am Mobil alles an, was man zum Imkern benötigt, Beuten, Smoker, Stockmeißel und auch Imkeranzüge, die für die Kinder in ausreichender Zahl vorhanden sind. Das beruhigt alle sehr.
Außerdem lernen wir, dass Bienen uns garnicht stechen möchten, weil sie dabei ihr Leben verlieren. Sie stechen nur, wenn sie in Gefahr sind. Und Drohnen, männliche Bienen, können nicht stechen.
Von den Filmen und Büchern haben die Kinder einiges behalten. Dass sie Nektar und Pollen sammeln und aus dem Nektar Honig machen zum Beispiel. Wir probieren 2 Sorten Honig. Einige Kinder können klar benennen, welcher ihnen besser schmeckt, andere mögen keinen Honig. Das eine Biene in ihrem Leben nur etwa 2 TL Honig produziert und ein Volk für ein Glas Honig über 1 Mio. Blüten anfliegen muss, können die Kinder sich kaum vorstellen.
Wir schauen uns noch einen Block Wachs genau an und daraus gefertigte Kerzen.
Durch die Pollen sprechen wir nochmals über die Bestäubung und lernen, das wir ohne Wild- und Honigbienen und andere Insekten nur sehr wenig zu Essen hätten.
Nach ein paar weiteren “Trockenübungen“ (Infos zum Leben der Biene, ihren Arbeitsbereichen im Stock usw.) werden alle Kinder und Erwachsenen wie ein richtiger Imker eingekleidet und es geht endlich zu den echten Bienen. Spätestens jetzt legen alle Kinder ihre Angst ab. Es ist ganz klar, dass nur mitgeht, wer das möchte. Tatsächlich gehen alle mit und sind anschließend sehr stolz!
Wir sprechen noch ab wie man sich am Bienenstand verhält, ruhig und entspannt, langsame Bewegungen, nicht schlagen, respektvoll sein und zur Seite gehen, wenn es mir zu viel wird.
Wir öffnen den Brutraum und alle Kinder dürfen der Reihe nach nach vorne kommen und hineinsehen. Mit so viele Bienen hatte keiner gerechnet. Wir sehen Honig, Pollen, verdeckelte Brut, unterscheiden Arbeiterin und Drohne, leider finden wir keine Königin. Einige Kinder könne die gesunde Stockluft riechen.
Die Kinder stellen viele Fragen, verhalten sich vorbildlich und es wird niemand gestochen!
Wir haben in der Zeit danach noch Kerzen aus Bienenwachsplatten gerollt und Honigwaffeln gebacken.
Für unser Bienenparadies auf dem Außengelände basteln wir noch Pflanzenstecker aus Stäben und Tontöpfchen, welche wir noch in der Einrichtung finden. Die Kinder malen noch Bilder der Kräuter aus, diese laminieren wir und kleben sie zu den Tontöpfen dazu. In diese stopfen wir noch Heu, damit Ohrwürmer einen Unterschlupf haben und und gegen Blattläuse helfen können.
Da wir noch Platz im Beet haben, schreiben wir die Eltern an und bitten um Ableger o.ä., womit wir reich bedacht werden. So können wir noch einige Lücken füllen und haben noch Saatgut für das nächste Jahr übrig, z.B. auch von Gemüsepflanzen.
Im Bilderbuch “Die kleine Biene Hermine“ lernen die Kinder nochmal speziell etwas über die Lebensbedingungen von Wildbienen. Im Anschluss reflektieren wir, was auf unserem Außengelände noch fehlt, um es zu einem guten Quartier für Wildbienen und andere Insekten zu machen. Blüten…..haben wir gerade viele angepflanzt, Insektenhotels…..haben wir von einem anderen Projekt noch einige hängen, Wasser…..fehlt, Totholz…..fehlt.
Also reift der Plan, eine Bienentränke und ein Haufen mit Holz etc. zu bauen. Zum sammeln von Material gehen wir mit einem Bollerwagen in den Wald und sammeln Steine, Rinde, Tannenzapfen, Moos, Blätter und große und kleine Äste und Holzstücke. Die Kinder finden unheimlich viel und wir hätten noch viel mehr mitnehmen können, aber der Bollerwagen war voll.
Wieder in der Kita, sortieren wir die Naturmaterialien zuerst. Dann bestücken wir eine Schale mit Materialien, von und auf denen die kleinen Tiere trinken und saugen könne, ohne zu ertrinken. Jedes Kind und jede Erzieherin darf etwas dazu beitragen und ein Teil von unseren gesammelten Naturmaterialien in die Schale legen. Zusätzlich schichten wir in einer ungenutzten Ecke die restlichen Materialien auf, als Unterschlupf und als Baumateriallager für die Bienen.
Wir stellen immer wieder fest, wie aufmerksam die Kinder seit Beginn des Projektes geworden sind. Sie interessieren sich für Kräuter und andere Pflanzen, fragen nach Namen, riechen daran etc., sie beobachten Bienen bei der Arbeit und andere Insekten.
Wir möchten auf jeden Fall weiter an dem Thema arbeiten, nächstes Jahr weitere Kräuter und auch Gemüse anpflanzen.