Sukzessive Umgestaltung des Schulgartens. Ziel ist, jedes Schuljahr mit den Klassen im Schulgarten einzelne Bereiche neu zu gestalten oder umzugestalten, so dass im Laufe der Jahre, ein möglichst naturnaher Garten entsteht bzw. immer weitere naturnahe Elemente dazukommen und den Garten weiter bereichern. Die Anlage eines Sandbeets nach Till Hofmann (Staudengärtner) ist dabei ein zentraler Bestandteil, da es ein zukunftsweisendes Pflanzkonzept darstellt, das wenig Pflege und kaum Wasser benötigt sowie einen erheblichen ökologischen Mehrwert schafft. Für das kommende Schuljahr wäre die Fortsetzung der Beetfläche nach Osten denkbar, in der dann ausschließlich mit heimischen Wildstauden gearbeitet werden könnte. Der Vergleich der Flächen wäre pädagogisch und auch im Sinne der Ausbildung zum Gärtner bzw. zur Gärtnerin sehr sinnvoll.

Naturnahe Gartengestaltung des Schulgartens
Beitrag teilen:
55 m²
Schulgärten
Bayern, 90419 Nürnberg
Nürnberger Naturgärtner (120 Personen)
Über unsere Gruppe
Mehrere Schulklassen aus diesem und dem vergangenen Schuljahr. Kooperation mit mehreren Betrieben aus dem Bereich Garten- und Landschaftsbau, die uns verschiedene Hilfestellungen geleistet haben: 1. Firma Nordgrün: Lkw mit Greifer zum Transport eines großen Bauernjasmins, der verpflanzt werden musste. 2. Firma GS-Schenk: Lieferung von Sand als Mulchauftrag auf die Fläche unseres „Sandbeets“. 3. Stadt Nürnberg: weitere Sandlieferung für das Sandbeet. 4. Firma Jung: Spende der Stauden für die Bepflanzung. Vorausgegangen war ein Informationsaustausch per E-Mail mit Till Hofmann von der Firma „Die Staudengärtnerei“, der das Konzept des Sandbeets entwickelt und auf einer Messe vorgestellt hat. Dort wurde ich auf dieses Konzept aufmerksam. Hilfestellung erhielten wir außerdem von den Auszubildenden aus dem Bereich Landwirtschaft an unserer Stammschule in Fürth, die uns die zwei Metallfüße für die Nisthilfen sägten und schweißten. Der Fachbereich der Schreiner stiftete uns die zwei größeren Stammstücke dafür. Dazu kamen Absprachen mit der Alfred-Welker-Berufsschule, die mit der Ausbildungsrichtung Werker im Garten- und Landschaftsbau in diesem Schuljahr neu zu uns auf das Schulgelände gezogen sind und der Floristik-Abteilung der Berufsschule 5, die auch noch auf dem Schulgelände aktiv sind.
Vorher- & Nachher-Bilder

Die Rasenfläche wurde vermessen, um das nötige Sandvolumen bei 15 cm Sandauftrag ausrechnen zu können.

Ein großer Bauernjasmin musste verpflanzt werden. Da es sich um eine nicht heimische Wildform handelt (Neophyt), hätten auf eine Verpflanzung verzichtet werden können, aber die Floristik-Abteilung nutzt die Zeige gerne für ihre Gestecke.

Der große Ballen war zu schwer (ca. 350 kg), um ihn händisch bewegen oder transportieren zu können. Für einen Lkw mit Greifarm kein Problem.

Der Ballen konnte nur mit vereinten Kräften in das neue Pflanzloch gerollt werden – das wollten alle sehen.

Die Beetbegrenzung zur Staudenrabatte vor dem Gewächshaus wurde entfernt und durch Totholzstämme ersetzt.

Ein Teil der Granitsteine wurde neu gesetzt, um den Sandauftrags zur bestehenden Rasenfläche abzufangen.

Für die 15 cm dicke Mulchschicht mussten auf den 55 Quadratmetern Beetfläche ca. 9 Kubikmeter Sand verteilt werden. Diese Arbeit konnten wir zum Glück gut aufteilen.

Die Stauden werden in folgender Reihenfolge ausgelegt: Leitstauden, Begleitstauden, Füllpflanzen, Bodendecker. Erst wenn alle Pflanzen schön arrangiert sind, werden sie eingepflanzt – im Sand ein Kinderspiel.

Am Anfang (ca. 6-8 Wochen) muss noch gut gewässert werden, bis die Wurzeln in der Humusschicht in 15 cm Tiefe angekommen sind, denn Humus speichert auch sehr gut Wasser. Dann kann man je nach Witterung und Zustand der Pflanzen das Gießen reduzieren. Am besten gezielt gießen und nicht beregnen.

Nachdem die Stauden in die Humusschicht unter dem Sand eingewurzelt sind, können sie sich dort gut mit Nähstoffen und Wasser versorgen – man sieht es am Wachstum und einer reichen Blüte und das ganz ohne Dünger.


Unsere Staudengärtnerinnen der 10. Jgst. hatten den Auftrag für das Beet im Hintergrund passende Wildstauden mit Hilfe von naturaDB zusammenzustellen. Die Planungen laufen also, aber die Umsetzung steht noch aus.
Pflanzen & Beete (Jurykriterium)

Ziel war eine farbenfrohe Fläche (als Eye-Catcher) zu gestalten, um Passanten am Gehweg auf die Fläche aufmerksam zu machen. Das (W) in der Liste steht für „Winterwirkung“ durch Strukturen und Texturen oder wintergrüne Belaubung.

Die Anzahl der Bodendecker wurde verringert, um eine lückige Pflanzung zu erhalten. Dies ist optisch reizvoller und bietet grabenden Insekten ein Habitat.
Tierfreundliche Gartenstrukturen (Jurykriterium)

In zwei Stammstücke eines Apfelbaums wurden zahlreiche Löchern verschiedener Größe gebohrt, mit einem Brett überdacht und mit einem Stahlfuß versehen, damit ein Umkippen verhindert wird.

Unsere zwei fertigen Nisthilfen, die Umgebung wird nächstes Schuljahr noch mit Wurzelstöcken und stehendem Totholz ergänzt.

Ein Bündel hohler Stängel wird geschnürt und anschließend neben dem neu angelegten Holzstapel im Schulgarten senkrecht installiert, das benötigen einige spezialisierte Insekten, wie z. B. bestimmte Mauerbienenarten.

Totholzhaufen und Beetbegrenzung aus Holz. An den Blüten ist zu gegebener Zeit immenser Bienen- und Hummelflug zu beobachten, das nehmen auch die Passanten war.

Auf den älteren Stammstücken, die bereits viele Bohrlöcher von Käferlarven aufweisen, konnte die Glänzende Natternkopf-Mauerbiene bei einer kurzen Rast beobachtet werden. Die nötige Natternkopf-Pflanze können wir noch gerne bei der nächsten Beetgestaltung berücksichtigen.

Totholz ist gar nicht so tod, wie der Name glauben machen mag, denn viele Organismen, z. B. Käferlarven entwickeln sich im Totholz. Zum Teil über viele Jahre hinweg, wie zum Beispiel die Larve des bekannten Hirschkäfers, die sich in Totholz von Eichen entwickelt.

Die lückige Bepflanzung ist gewollt und soll grabenden Insekten ein Habitat bieten. Löcher im Sand sind immer wieder zu finden, die Insekten dazu seltener. Die Frühlings-Seidenbiene beim Graben ihrer Brutröhre (an anderer Stelle im Schulgarten).

Unsere alten Obstbäume (Apfel, Birne, Kirsche) brauchen einen regelmäßigen Pflegeschnitt, um nicht zu vergreisen.

Birnbäume wachsen schlank und hoch. Bei Schnittmaßnahmen im Baum muss ein Hüftgurt zur Unfallverhütung getragen werden.

Dieser Apfelbaum hat nur eine Zukunft, wenn wir es schaffen den Neutrieb aus dem gesunden Holz (unten am Stamm) zu einer neuen Krone aufzubauen.

Ein altes Pflaster aus Kalksteinplatten musste entfernt werden. Zuerst wurde ein Steinhaufen angelegt, jetzt wurde eine Trockenmauer daraus gebaut. Das große Pflanzloch ist für den Bauernjasmin vorgesehen, der aus der Sandbeetfläche entnommen wurde.

Im Schulgarten sind vor allem die Neophyten Berufkraut, Kanadische Goldrute und Japanischer Staudenknöterrich bekämpfungswürdig, da sie ein enormes Ausbreitungs- und Verdrängungspotential aufweisen. Nach den Sommerferien wird dies besonders sichtbar.

Folgende Ideen/Vorschläge wurden im Unterricht gesammelt und können nun sukzessive umgesetzt werden.


Anlage einer Benjeshecke in einer Zaunlücke zum Nachbargrundstück

Anlage zweier Holzmudden aus verrottendem Totholz

Zweite Holzmudde mit Infotafel zum Gehweg

Die Infotafel zum Sandbeet am Zaun am Gehweg, am letzten Schultag fertig geworden und noch schnell montiert.

Die Infotafel zu unseren Strukturelementen. Werden auch nächstes Schuljahr angebracht, da zum letzten Schultag noch fertig geworden.
Aktionen: Wissen & Begeisterung weitergeben (Jurykriterium)

Da das Sandbeet durch seine Lage direkt am Gehweg eine sehr hohe Außenwirkung erzielt, wird noch ein Informationsplakat am Zaun installiert, das über die Vorteile dieses Pflanzkonzeptes aufklärt.

An unserem Stand am Tag der offenen Tür im Knoblauchsland haben wir schon mehrmals ein Quiz über Wildbienen angeboten. Die Teilnehmer (ca. 150-200) mussten in der Broschüre „Wir tun was für Bienen“ die richtigen Antworten recherchieren. Als Dankeschön gab es Jungpflanzen für den Garten.

Ein Ausstellungsstück zum Wildbienenquiz an unserem Schulstand. Ein gut gemeinter Versuch, aber durch die Risse im Hirnholz kann Feuchtigkeit in die Brutkammern eindringen und Schimmelpilze können die Larven vernichten. Die Löcher in den Verschlussdeckeln zeigen aber einen erfolgreiche Schlupf.

Ein Artikel mit Informationen über die Anlage eines Sandbeetes und den Vorteilen dieser Beetgestaltung wurde im Jahresbericht veröffentlicht. Auch der VGL (Verband Garten- und Landschaftsbau) hat diesen Artikel in seinem Newsletter an die Mitgliedsbetriebe veröffentlicht.

Der Insektenschaukasten löst im Unterricht immer eine große Faszination aus. Er ist eine private Sammlung aus Totfunden und einzelnen Käfern die während des Studiums präpariert wurden.