Wir wohnen mit unserer Familie in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt nahe Köthen.
Seit mittlerweile sieben Jahren restaurieren wir unseren alten Bauernhof, wo wir mit Hund, Katze, Hühnern und drei Ponys leben.
Die Ponys Mungo, Jafet und Odin haben für uns und im Dorf eine ganz besondere zusätzliche Aufgabe: Sie helfen bei allen Dorfbewohnern, die das möchten, bei der Pflege ihrer Wiesen und Gärten mit. Auch auf kleinsten Flächen weiden sie und machen so den Einsatz von Rasenmäher, Motorsense oder Rasentraktor unnötig. Das spart viel Lärm und Rohstoffe! Das ganze Jahr über ziehen sie von Fläche zu Fläche und viele Menschen aus unserem Dorf hatten die drei „Rasenmäherjungs“ schon zu Besuch auf ihren Grundstücken.
Gemeinsam werden Zäune gebaut, Wasser bereit gestellt und Ponys geknuddelt; dabei finden schöne Gespräche statt und die Tiere und Menschen bekommen Kontakt zueinander, den sie sonst vielleicht gar nicht hätten. Es ist schön und entspannend, gemeinsam den Ponys beim Fressen zuzusehen. Sie freuen sich sichtlich an ihrer kulinarischen Rundreise durchs Dorf, was ihrem instinktiven natürlichen Wanderverhalten in der Steppe auch ein wenig nahe kommt.
Warum aber fördert das die Artenvielfalt?
Die Ponys fressen die Blühwiesen und Rasenflächen so ab, dass Strukturen für Insekten stehen bleiben, in welchen sie sich zurückziehen und überwintern könnten. Die Pferde fressen dabei so langsam, dass Insekten nicht wie beim Einsatz von motorgetriebenen Geräten beim Abmähen getötet werden, sondern sich zurückziehen können. Durch die Samen im Kot der Pferde werden Blühpflanzen verbreitet, die wiederum eine wichtige Nahrungsgrundlage für Bienen und andere Insekten sind. Dadurch werden auch sonst eher artenarme Habitate von diesen Pflanzen besiedelt – und von solchen Flächen gibt es in unserer sehr von Monokulturen geprägten Landwirtschaft einige.
Der Pferdemist ist zudem ein sehr geschätzter Dünger bei den Gartenbesitzern, der gern behalten wird, um damit den Boden zu verbessern und Gemüse zu ziehen. Das Gras muss also nicht als Schnittgut entsorgt werden, sondern wird in Pferdemist umgewandelt, der wiederum zu wertvollem Dünger wird und die Artenvielfalt im Boden belebt – und z.B. Tomaten einen wunderbaren Nährboden beschert… Ein schönes Beispiel für Kreislaufwirtschaft, wovon schließlich alle Beteiligten profitieren.
Besonders erfreut uns, dass wir in den letzten Jahren beobachten konnten, wie sich bei uns immer mehr Schwalben um den Pferdestall herum ansiedeln. In diesem Jahr haben die Vögel sogar drei Bruten aufgezogen. Sie ernähren sich von den Insekten, welche wiederum den Pferdemist zum Leben benötigen und sich dort entwickeln. Auch andere seltene Brutvögel, nämlich der Wiedehopf, hat sich auf unserem Nachbargrundstück angesiedelt und stochert einträchtig neben den Hühnern nach Insekten in den Dunghaufen der Ponys. So hat sich um die drei Pferde herum ein kleines Nahrungsnetz aus Pflanzen, Insekten, anderen Wirbellosen, Vögeln und Pferden entwickelt, neben dem sozialen Netz, das sich in der Dorfgemeinschaft immer weiter entspinnt.









