Aus einem gewöhnlichen Balkon mit nur 4,55 m² entsteht Schritt für Schritt ein naturnaher Lebensraum. Mein Ziel ist es, auf kleinstem Raum möglichst viel Grün zu schaffen, eine große Artenvielfalt zu fördern und zu zeigen, dass wirkungsvoller Naturschutz auch auf einem Balkon möglich ist.
Mittlerweile wachsen auf dem Balkon ausschließlich heimische Wildpflanzen. Neben zahlreichen Wildstauden habe ich auch heimische Gehölze angeschafft, um Blühlücken zu schließen und möglichst über das ganze Jahr hinweg Nahrung anzubieten – von der früh blühenden Salweide bis zum blühenden Efeu im Herbst. So entsteht ein möglichst durchgehendes Angebot an Pollen und Nektar für Insekten.
Dabei geht es mir nicht nur darum, viele Insekten anzulocken, sondern ihnen möglichst den vollständigen Lebenszyklus zu ermöglichen – von der Eiablage über die Entwicklung der Larven und Raupen bis zum ausgewachsenen Tier. Neben Blütenpflanzen spielen deshalb Raupen- und Larvenfutterpflanzen eine wichtige Rolle. Sandarium, Wasserstellen, abgestorbene Pflanzenstängel und weitere naturnahe Strukturen ergänzen das Angebot.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Schmetterlingen. In diesem Jahr konnte ich bereits deutlich mehr Schmetterlinge beobachten als im Vorjahr. Durch geeignete Nektar- und Raupenfutterpflanzen soll der Balkon nicht nur als Rast- und Nahrungsplatz dienen, sondern möglichst auch als Ort für Eiablage und Entwicklung.
Auch die Förderung von Vögeln liegt mir sehr am Herzen. Auf dem Balkon befinden sich zwei Nistkästen. In diesem Jahr haben Blaumeisen erfolgreich in einem davon gebrütet. Langfristig hoffe ich, weitere Vogelarten beobachten zu können. Heimische Pflanzen, ein vielfältiges Insektenangebot und geeignete Nistmöglichkeiten sollen den Balkon zu einem kleinen Trittstein im städtischen Lebensraum machen.
Gleichzeitig ist der Balkon ein kleiner Naturerfahrungsraum für meine drei Kinder. Gemeinsam wird gegossen, in der Erde gebuddelt und das Leben zwischen den Pflanzen beobachtet. Insekten werden gelegentlich vorsichtig mit der Becherlupe betrachtet und anschließend wieder freigelassen. Harmlose Tiere dürfen auch einmal ganz behutsam aus der Nähe kennengelernt werden. So erleben die Kinder unmittelbar, wie sich Pflanzen entwickeln, welche Tiere auf ihnen leben und warum auch Raupen, Blattläuse oder angeknabberte Blätter zu einem lebendigen Ökosystem gehören.
Neben dem ökologischen Nutzen spielt die Gestaltung eine wichtige Rolle. Ich möchte zeigen, dass Naturschutz und eine ansprechende Optik kein Widerspruch sind. Deshalb versuche ich, Nutzen und Gestaltung miteinander zu verbinden und den Balkon langfristig in einem natürlichen Landhausstil mit langlebigen Materialien, insbesondere Terrakotta, zu gestalten.
Der Balkon entwickelt sich von Jahr zu Jahr weiter. Mit jeder neuen Beobachtung, jedem Schmetterling, jeder Wildbiene und jedem Vogel wächst nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch unsere Begeisterung für die Natur direkt vor der eigenen Haustür.
