Neuer Lebensraum für Wildbienen am Rotthoffs Hof

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50 m²

Vereins- und Gemeinschaftsgärten, Liegenschaften und Sonstige

Nordrhein-Westfalen, 46244 Bottrop

Projektgruppe Rotthoffs Hof (15 Personen)

Der Rotthoffs Hof ist ein Teil der Bottroper Werkstätten.  Wir bieten 55 Arbeitsplätze für Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung. Hier wurde 25 Jahre klassische ökologische Landwirtschaft betrieben. Seit ungefähr 3 Jahren haben wir begonnen die Arbeitsbereiche umzuwandeln. Aus Gemüsebau wurde Wildstaudenproduktion, aus Kartoffelschälbetrieb wurde Versand und Herstellung von Wildbienennisthilfen aus Terracotta, aus der Legehennenhaltung wurde der Bereich “Herstellung von Steilwandsubstrat“. Seitdem werden auch Projekte zum Thema Biodiversität verstärkt organisiert um umgesetzt.

Dieses Sandarium wurde, im Rahmen einer Projektförderung der Diakonie Deutschland, im Oktober 2025 erstellt. In Kooperation des Rotthoffs Hofes mit dem NABU Dorsten und dem Baumdienst Ruhr entstand so ein neuer Lebensraum für Wildbienenarten, die im Boden nisten. Eine integrierte 4 Meter lange Steilwand ergänzt das Nistplatzangebot für steilwandnistende Wildbienenarten.

Rund 75 % aller heimischen Wildbienenarten nisten im Boden. Die Vertreter der Seiden-, Erd-, Sand- oder Pelzbienen legen unterirdische Nester im Erdreich, an Böschungen oder Steilhängen an. Durch die Anlage eines Sandariums lassen sich mit vergleichsweise geringem Aufwand ergänzende Nistplatzangebote speziell für solche erdnistenden Wildbienen schaffen. Hierbei handelt es sich um eine künstlich angelegte, weitgehend offene Sandfläche, in der die für die Reproduktion benötigten Brutröhren angelegt werden können.

Für das Sandarium wurde 20 Tonnen ungewaschener Sand mit Lehmanteilen verarbeitet. Der ungewaschene Sand bietet auf Grund unterschiedlicher Korngrößen eine ausreichende Formstabilität für die Anlage von Brutröhren.  Der Sand wird regional in einer Sandgrube gefördert und hat so, durch seinen geringen Transportweg eine vertretbare Ökobilanz. Die Umgebung des Sandariums wurde durch 3 Meter stehendes Totholz, einer ebenso langen Trockenmauer und einer einheimischen blütenreichen Anpflanzung weiter aufgewertet. Das Holz stammt von alten Zaunpfosten, die am Hof gelagert wurden. Die Trockenmauer entstand aus einem Restbestand Sandsteinen, die wir so gut verwerten konnten.

Im oberen Bereich wurde ergänzend eine 4 Meter lange Lehmsteilwand aufgestellt, in der weitere Wildbienen einen speziellen Nistplatz finden können. Viele gefährdete Wildbienenarten sind auf senkrechte oder steile Lehmflächen angewiesen. Solche natürlichen Strukturen sind in unserer ausgeräumten Landschaft heute selten geworden.

Wildbienen bevorzugen einen vollsonnigen und offenen Bodenbereich. Daher ist die Ausrichtung des Sandariums nach Süden ideal. Außerdem wurden hier nur einzelne, klein bleibende Pflanzen wie die Grasnelke gewählt, die den Bienen auf der offenen Fläche als Orientierung dienen können.

Um das Sandarium herum wurde die Grasnarbe abgetragen und die gut 30 qm große Fläche mit einheimischen Wildstauden aufgewertet. Anschließend haben wir noch eine regionale Saatgutmischung ausgesät. So hatten wir auch schon früh ein blühendes Ergebnis.

Innerhalb einer 3 monatigen Planungsphase und einer 1 wöchigen Bauphase entstand am Rotthoffs Hof ein neuer Blickfang, der zum Verweilen, Bestaunen und Beobachten einläd.

Besonders stolz sind wir darauf, dass Menschen mit Behinderung das Projekt von der Planung bis zur Umsetzung aktiv begleitet haben. So entstand nicht nur ein wertvoller Lebensraum für Wildbienen, sondern auch ein Ort, mit dem sich alle Beteiligten identifizieren. 

Über unsere Gruppe

Das Sandarium wurde von einer kleinen engagierten Gruppe von Beschäftigten mit Behinderung und Mitarbeiterinnen des Rotthoffs Hofes geplant und gebaut. Ehrenamtliche des NABU Dorsten unterstützten uns, vor allem der Wildbienen Experte Volker Fockenberg. Für die Bagger- und Steinarbeiten hat uns der Baumdienst Ruhr aus Nachbarstadt Gladbeck unterstützt.

Vorher- & Nachher-Bilder

Pflanzen & Beete (Jurykriterium)

Tierfreundliche Gartenstrukturen (Jurykriterium)

Aktionen: Wissen & Begeisterung weitergeben (Jurykriterium)

Plan zur Gartenpflege

Die Pflege der Anlage und damit auch des Sandariums übernehmen bei uns die Beschäftigten während Ihrer Arbeitszeit. Es gibt einen Flächenpflegeplan, der von den Fachmitarbeitern einmal in der Woche besprochen wird um die anstehenden Aufgaben zu koordinieren und den Einsatzplan zu erstellen. Wiesenflächen werden bei uns in Staffelmahd gepflegt. Im Schnitt werden immer 1/3 der Fläche geschnitten. Dabei entstehen Flächen die häufiger gemäht werden(z.B Wege) und welche die maximal 2 x im Jahr gemäht werden. Dadurch stehen während der gesamten Vegetationsperiode stets blühende Bereiche und Rückzugsräume für Insekten zur Verfügung. Die abgestorbenen Stängel bleiben stehen über den Winter, als Nisthilfe und Überwinterungsquartier für zahlreiche Insekten. Die Blühfläche rund ums Sandarium wird im Herbst ´26 das erste mal geschnitten. Dabei werden Stängel als Nisthilfe für das kommende Jahr stehen gelassen. Das Sandarium wird regelmäßig von Gräsern und nicht passendem Bewuchs frei gehalten.

Pflanzliste

Pflanzliste – NaturaDB

Jubelbilder