Pflanzwettbewerb
„Wir tun was für Bienen!“
Bepflanzte Fläche: 479.833 m²

Der Palettengarten Linden-Nord (PaGaLiNo) in Hannover ist ein Gartenprojekt für gemeinschaftliches, urbanes Gärtnern: Er bietet Menschen auch im urbanen Kontext die Möglichkeit, ein eigenes Beet zu bewirtschaften, einen Raum, um sich zu treffen, gemeinsam zu gärtnern, Spaß zu haben, sich gegenseitig zu helfen und voneinander zu lernen, einen Ort zum Ausprobieren und Dazulernen. Seit der Gründung im Jahr 2012 ist der Garten immer weitergewachsen und mehr und mehr Interessierte aller Generationen haben sich zusammengeschlossen, um ein Gärtnern in der Stadt erfahr- und erlebbar zu machen.

Neben dem Gärtnern in den eigenen Beeten stellen auch Gemeinschaftsprojekte für eine ökologische und insektenfreundliche Aufwertung dieses Stadtraums einen großen Teil des Selbstverständnisses der Gärtner*innengemeinschaft dar. 2019 durften bereits Erdhummeln in Erdhaufen innerhalb des PaGaLiNos einziehen – in der Stadt nur selten vorkommende Habitate. 2020 wurden in einer gemeinsamen Aktion auch eine Trockenmauer errichtet und ein Insektenhotel gebaut - gleichzeitig wird darauf Wert gelegt, auch die Beete möglichst bienenfreundlich zu gestalten.

In diesem Zusammenhang reifte die Idee, Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten im und durch den PaGaLiNo noch stärker zu fördern und ihnen einen eigenen Platz zu schaffen – in einer städtischen Umgebung, die überwiegend durch versiegelte Wohn- und Verkehrsflächen geprägt ist: Die Idee zur Anlage einer Wildblumenwiese war geboren. Ein erster Versuch im Jahr 2020 ist aufgrund eines zu starken Grasnachwuchses, welches das Keimen der bienenfreundlichen Samenmischungen behinderte, gescheitert. Mit viel körperlichem Einsatz und Spaß startete im Frühjahr 2021 der nächste Versuch, die Idee einer Wildblumenwiese im PaGALiNo zu verwirklichen und in die Tat umzusetzen. Ca. 15-20 Mitgärtner*innen aus unterschiedlichen Generationen nutzten mal mehr und mal weniger laue Frühlings- und Sommerabende, um in Kleingruppen (unter Wahrung der jeweils gültigen Auflagen im Rahmen der Corona-Pandemie) Stück für Stück die Grassoden einer ca. 70 m2 großen Fläche auszustechen und anschließend eine regionale Saatmischung auf der freien Fläche auszusäen. Dabei wurden die Grassoden genutzt, um noch unbewachsene Flächen an anderen Stellen des PaGaLiNos zu begrünen und auch die Blühpflanzen aus dem letzten Jahr, die sich leider nur vereinzelt durchsetzen konnten, ein Weiterleben zu ermöglichen. Zudem haben wir bewuchs-freie Sandflächen in der Wildblumenwiese angelegt. Diese kleineren Sandflächen sollen einer Vielzahl von Insekten (z.B. Weidensandbiene) Habitat bieten. Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Wildblumenwiese noch nicht zur Gänze fertig gestellt - Schritt für Schritt arbeiten wir uns aber weiter voran und mit nur noch wenigen Arbeitseinsätzen wird auch die gesamte Fläche zur Wildblumenwiese umgewandelt worden sein.

Bereits bei der Anlage der Wildblumenwiese traten wir mit vielen Passant*innen, die unser Projekt auf Spaziergängen mit Interesse und Neugierde beobachteten, über die Bedeutung und Notwendigkeit von mehr Blühflächen für das Überleben von Insekten ins Gespräch: Denn sehen wir in unserem Wirken auch die Chance, mehr Menschen zu zeigen, wie wir unseren Lebensraum auch anders und insektenfreundlich gestalten und dabei gleichzeitig auch für den betrachtenden Menschen schöne und visuell reizvolle Flächen schaffen können.

Auf die Frage, wie die Wildblumenwiese vor dem Betreten von Zwei- und Vierbeinern geschützt und zugleich die Umgebung ökologisch und optisch aufgewertet werden könne, haben wir mit dem Bau einer Totholzecke eine Antwort gefunden. Die lockere Aufschüttung von Gehölzschnitt zwischen zwei Pfostenreihen bietet zusätzlichen Lebensraum für Vögel, Pflanzen, Insekten und anderen Kleintieren. So ist gemeinsam mit der 2020 bereits errichteten Trockenmauer und der 2021 geschaffenen Wildblumenwiese inkl. kleiner Sandflächen und der Totholzhecke ein großer, vielseitiger Lebensraum für unterschiedliche Insekten und Kleintiere entstanden – der auch die Gärtner*innengemeinschaft und die Nachbar*innenschaft erfreut.

Neben vielen intensiven Gesprächen mit Passant*innen haben wir über das Projekt und deren Bedeutung auch über die Facebook-Seite, die Webseite des Transition Town Hannover e.V sowie über aufklärende Schilder direkt an der Wildblumenwiese informiert, um so auch in der Nachbar*innenschaft und Öffentlichkeit die Menschen für dieses sehr wichtige Thema zu sensibilisieren:

PaGaLiNo Facebook-Seite:  Facebook-Seite:
https://www.facebook.com/Pagalino-227477474457650/

PaGaLiNo allgemein:
https://www.tthannover.de/projekte/pagalino/

PaGaLiNo Wildblumenwiese:
https://www.tthannover.de/wildblumenwiese/

PaGaLiNo Totholzhecke:
Totholzhecke | Transition Town Hannover (tthannover.de)

PaGaLiNo Trockenmauer (2020):
https://www.tthannover.de/trockenmauer-im-pagalino/

PaGaLiNo Insektenhotel (2020):
https://www.tthannover.de/insektenhotel-im-pagalino/

PaGaLiNo Erdhummeln (2019):
https://www.tthannover.de/erdhummeln-im-pagalino/

Standort

30451 Hannover

Anzahl der Projektbeteiligten

15

Fläche

70 m²

Pflanzliste

Als Saatgut nutzten wir die Saatgutmischungen „Blühende Landschaft“ des gleichnamigen Netzwerkes „Blühende Landschaft“ und die Regiosaatgutmischung Feldraine und Säume (UG 6) für das Obere Weser- und Leinebergland mit Harz nach RegioZert.
Die „Mischung blühende Landschaft“ ist für mehrjährige Blühstreifen auf Ackerflächen oder Bereiche im Garten zusammengestellt und differenziert sich in ihrer Zusammensetzung für die unterschiedliche Anwendungsregionen in Deutschland. Sie besteht zu 60% (Gewicht!) aus Kulturpflanzen und zu 40% aus Wildarten gesicherter Herkunft (Kulturpflanzensamen sind deutlich schwerer als die feinen Wildpflanzensamen). Die Mischung ist für eine Standzeit von fünf Jahren konzipiert. Enthalten sind z. B. Sonnenblume, Kornblume, Malven, Wiesen-Margerite, Färber-Hundskamille, Gewöhnlicher Natternkopf, Wiesen-Flockenblume, Wiesen-Salbei, Steinklee, Hornschotenklee u.v.m. Insgesamt finden sich über 40 verschiedene Wildpflanzenarten und 13 Kulturpflanzenarten in der Mischung wieder. (Detailansicht Blühende Landschaft – Spätsommeransaat, mehrjährig: Shop (rieger-hofmann.de))

Die Regiosaatgutmischung Feldraine und Säume (UG 6) enthält ca. 10% Gräser und 90% Kräuter und Leguminosen und die für die Region um Hannover heimischen Pflanzenarten. Neben Schafgarbe, Hopfenklee, Wiesen-Sauerampfer, Gras-Sternmiere und Wiesenrispe enthält diese Mischung viele weitere unterschiedliche heimische Gräser, Kräuter und Leguminosen (insg. 32). (https://wildackershop.de/docs/regiomischungen/feldraine/UG6_feldrain.pdf)

Ziel war es, durch die Kombination dieser beiden Saatgutmischungen mit heimischen Pflanzen ein möglichst vielseitiges, nektarreiches und bienenfreundliches Angebot zu schaffen.