„Der Weise bewegt sich durch ein Dorf,
So wie die Biene Pollen sammelt
Und fortfliegt, ohne Schaden zuzufügen
Der Blüte, ihrer Farbe oder ihrem Duft.“
(Siddhattha Gotama: aus der Dhammapada; in Ausgewählte Lehrreden des Buddha)

Bewegende Konzerte, nicht nur in der Deutschen Oper in Berlin, führen mich ganz tief nach innen. Und dabei bin ich gleichzeitig mit dem Ohr ganz offen für das akustische Außen. Diese Form des Erlebens, nur zarter, wollte ich als Naturereignis in Form von Pflanzen (Augenkontakt) und Wildbienen (Ohrkontakt) auf den Balkon einer kleinen Wohnung neben der Deutschen Oper holen. Der Balkon im 6. OG lag seit drei Jahren brach und seine Leere sprang uns jeden Tag an. Seine Brache lag in einer jährlich dreimaligen Absage der geplanten Komplettsanierung der Fensterfront zum Balkon begründet. Im Herbst 2019 endlich geschah dann doch das „Unerwartete“.

Kaum war die neue Fensterfront zum Balkon fertig, frischte ich im Dezember als Erstes meine Garten-Kenntnisse aus Kindheit und Jugend auf, gesammelt im elterlichen Schrebergarten. Und als Zweites kramte ich noch meine Permakultur-Restkenntnisse aus der Wendezeit – alles schien damals möglich – heraus. Da waren nun noch drei große Fragen offen; erstens und zweitens: Welche Blütenpflanzen mögen die Wildbienen? Wie und wo bringen die Wildbienen ihre Brut unter? Diese Wissenslücken füllte ich mit Melanie von Orlows „Mein Insektenhotel“. Drittens: Wie fertige ich möglichst artgerechte künstliche Nisthilfen für Wildbienen? Diese Lücke füllte ich mit Melanie von Orlows „Ideenbuch Insektenhotels“.

Anfang Februar erfolgte die Aufstellung der Pflanzenliste mit Blühkalender. Parallel dazu begann die Beschaffung von neun Balkonkästen und sieben Pflanzkübeln unterschiedlicher Größe sowie diverser Erdsorten passend für Pflanze und geplantem Standort auf dem Balkon. Fast zeitgleich empfahl mir ein imkernder Freund einen Sachkunde-Lehrgang am LIB in Hohen Neuendorf zum Thema „Hummeln, Wespen und Hornissen verstehen, beraten, schützen“. So lernte ich Melanie von Orlow Mitte Februar nun auch persönlich kennen, denn sie führte den Kurs durch.

Seit Mitte März summt es auf dem Balkon, denn die beiden ersten Märzwochen wurde die Pflanzenliste abgearbeitet. Das Insektenhotel bezogen bisher eine Gehörnten Mauerbiene und einige Maskenbienen (inc. sed.) sowie mehrere "Grabwespen" Psenulus fuscipennis (inc. sed.). In die Lehmhütte legte eine Frühlings-Pelzbiene ihre Brut in zwei 20 cm tiefen parallel liegenden Röhren ab.

Immer wieder schauen mir unbekannte schwirrende Besucher vorbei und beleben das Wildbienen-Konzert mit ihrer Solo-Variation des Brummens, Summens und Sirrens. Wenn es mir gelingt, sie zu fotografieren, versuche ich, sie zu bestimmen. Bisher gesichtet wurden als Besucher u.a. Gebänderte Furchenbiene, Garten-Blattschneiderbiene, Glockenblumen-Scherenbiene, Luzern-Blattschneiderbiene, Gewöhnliche Schmalbiene, sehr kleine Schmalbiene (inc. sed.), Honig-Biene, Wiesenhummel, Dunkle Erdhummel, Ackerhummel, Steinhummel, Gartenhummel, Hornisse, Deutsche Wespe, Haus-Feldwespe, Gichtwespe (inc. sed.), Gichtwespe Gasteruption jaculator, Schlupfwespe (inc. sed.), Wegwespe (inc. sed.), Siebenpunkt-Marienkäfer, Junikäfer, Kleiner Kohlweißling, Hottentottenfliege, Gemeine Stiftschwebfliege, Gemeine Feld-Schwebfliege, Hainschwebfliege, Große Schwebfliege, Späte Großstirnschwebfliege und sogar eine Hornissenschwebfliege.

Standort des Beitrags

10585 Berlin-Charlottenburg

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Gartenstrukturen

Anzahl der Projektbeteiligten

1

Quadratmeter

4,6 m²

Pflanzliste

Zwiebel

I-IV            Krokus
III-IV         Traubenhyazinthe
III-IV         gelbe Narzisse, Zwergform
IV-V          Bärlauch

Staude

III-VI         Schaumblüte
IV-V          Schleifenblume
IV-V          Schlüsselblume
IV-V          Blaukissen
IV-VI         Steinbrech
V-VI          Akelei
V-VII         Fingerhut
V-VII         Balkan-Storchschnabel
V-VII         Island-Mohn
V-VIII       Bartnelke
V-VIII        Polsterglockenblume
V-VIII        kriechendes Fingerkraut
V-IX           Reiherschnabel
V-X             Salbei
V-X             Thymian
VI-VII        scharfer Mauerpfeffer
VI-VII        milder Mauerpfeffer
VI-VIII      Tripmadam
VI-VIII      Pfefferminze
VI-VIII      Pfirsichblättrige Glockenblume
VI-VIII      Purpur-Sonnenhut
VI-X           weißer Mauerpfeffer
VII-VIII     Ysop
VII-IX        Gelbe Schafgarbe
VIII-X        Hohe Fetthenne

Strauch

VII-IX        weißblühender Sommerflieder Buddleja davidii

Beachtete physikalische Randbedingungen

  1. Balkonbrüstung mit exponierter Sonnenlage: Südausrichtung, max. 10 Stunden Sonne von ca. 8-18 Uhr, windig, ungeschützt vor Regen bei Süd- bis Westwinden
  2. durchgehende Seitenwände am Balkon ergeben eine regen- und windgeschützte Lage für die Kübel an den Balkonwänden und bieten schattige als auch halbschattige Plätze
  3. Kübel an der linken Balkonwand erhalten zusätzliche Wärme durch Lichtreflexion und Wärmeabstrahlung der Fensterscheiben

Beachtete botanische Randbedingungen

  1. von Februar bis Oktober soll es auf dem Balkon durchgehend blühen
  2. Pflanzen ohne gefüllte Blüten
  3. Blüten mit möglichst hohen Pollen- und/oder Nektarerträgen;
    siehe Anja Eder (Hrsg.) „Wildbienenhelfer – Wildbienen & Blühpflanzen“
  4. nur Pflanzen nehmen, die unter den zu erwartenden (o. g.) Bedingungen auf dem Balkon gut gedeihen können

Beachtete gesellschaftlich-rechtliche Aspekte

  1. keine Verwendung von in Deutschland als invasiv eingestuften Pflanzen (nach BfN)

Beachtete gestalterische und pragmatische Aspekte

  1. einbeziehen des Dunkelrots der seitlichen Balkonwände und des äußeren Fensterrahmens (weißblühender Sommerflieder als Farbkontrast vor der dunkelroten Wand)
  2. Blütenfarbkontrast und berücksichtigen der weißen Fensterzargen
  3. Blattgrünfarbkontrast
  4. Wuchshöhenkontrast

Informationen zur Gruppe

„Wildbienen-Konzerte an der Deutschen Oper“ ist das Kleinst-Projekt einer Einzelperson; fast. Daher bedanke ich mich hier herzlich für die Möglichkeit des regen Gedankenaustauschs zum Thema „Wildbienen und ...“ bei meiner Frau Corinna sowie meinem imkernden Freund Horst.

Unabhängig von diesem Wettbewerb entstand über sechs Monate eine Foto-Dokumentation. Die besten 150 Fotos wurden auf dropbox abgelegt und Familienangehörige, Freunde, Verwandte sowie Bekannte per E-Mail zum Teilhaben eingeladen. Der neueste Projektstand wurde etwa im 14-Tagerythmus mit seinen Höhepunkten über diesen Kanal bekanntgegeben.

Die beobachteten Insekten am Standort wurden protokolliert und beim NABU-Insektensommer 2020 gemeldet.

Meine besondere Stärke für die Belange von Pflanzen und Tiere einzutreten – hier insbesondere die der Wildbienen, ist meine große Passion: das Papierfalten (Origami). Wenn ich anderen Falterinnen und Faltern meine entwickelten Origami-Modelle auf Workshops und Tagungen lehre, kann ich unauffällig und ohne erhobenen Zeigefinger auf mich bewegende problematische Naturthemen kommen. So entwickelte ich das Origami-Modell „Prachtbiene“, das ich auf der nächsten deutschlandweiten Origami-Tagung in Erkner bei Berlin 2021 zeigen und unterrichten will: meine Webseite mit der Prachtbiene.