Dieser Text entsteht vor meiner Laube unter wildem Wein, rechts über mir lockt eine Glyzinie mit ihrem Nektar Wildbienen an. Meine Honigbienen zieht sie auch an - ebenso Käfer und Ameisen und viele andere Arten, eine Amsel hat dort genistet. Mein Garten: Das sind 600 Quadratmeter Vielfalt mitten in der Stadt, im Schatten des NDR-Hochhauses in Hamburg-Lokstedt. Für mich ist er ein Wunder. Oder doch zumindest der Beweis, dass das Leben in seinem ganzen Reichtum - geheimnisvoll miteinander verbunden und verzahnt – sich überall entfalten kann, wo der Mensch ihm den Raum lässt. Seit ich den Garten vor fünf Jahren übernommen habe, ging es mir darum, diesen Prozess zu unterstützen und zu fördern. Wasser steht in einem kleinen Teich bereit, ein Sandbeet und Wildgehölze bieten auch ohne den Einsatz von Giften Schutz und Rückzugsräume, Efeu und andere natürliche Nisthilfen laden Vögel ein. Pollen und Nektar gibt es die meiste Zeit des Jahres in irgendeiner Ecke. In relativ kurzer Zeit gelang es so, aus einer ökologisch weitgehend toten Parzelle ein Biotop zu machen, in dem sich ein faszinierendes Spektrum der heimischen Pflanzen und Tiere zeigt.

Warum mache ich das? Unendlich viele Stunden habe ich im Garten verbracht, aber auch mit der Lektüre von Büchern, Gartenfachzeitschriften, mit Internetseiten, in Gesprächen mit anderen Gartenfreunden – man kann sagen, ich habe das studiert. Das ist kein Zufall. Mein Name ist Greta Sophie Reese, ich bin 19 Jahre alt und studiere im vierten Semester Physik. Seit der Grundschule war klar, dass mich nichts so sehr interessiert wie die Gesetze und Ausprägungen der Natur. Mathematik und Physik empfinde ich als  rein und abstrakt. Aber ohne den Garten wäre das alles nichts. Der ist weder rein noch abstrakt, der riecht und schmeckt und man kann ihn fühlen - von der Struktur eines Salbeiblattes bis zum Bienenstich. So wie die Physik immer neue Geheimnisse preisgibt, so tut es auch der Garten. Ich staune jeden Tag. Die Voraussetzung für dieses Staunen ist die Vielfalt, der Reichtum, das Verschwenderische der Natur. Ihre Gesetze und Ausprägungen eben. Für mich gehören Studium und Garten zusammen. Das Ziel ist zu verstehen – aber eben auch zu bewahren und einen Raum zu bieten, in dem konserviert werden kann, was so wichtig wie schön ist.  Darum wachsen und leben in meinem Garten viel mehr Arten als er Quadratmeter hat. Darum strebe ich etwa bei meinem Honigbienenvolk nicht nach maximalem Ertrag, sondern nach wesensgemäßer Tierhaltung. Und darum freue ich mich, wenn rund um meinen kleinen Teich aus einem einst öden Rhododendron  Dutzende Pflanzenarten wachsen – von Blutweiderich bis zum Wiesenschaumkraut. Das erdet mich. Christen würden von der Bewahrung der Schöpfung sprechen. Biologen vom Erhalt des Ökosystems. Ich sage: Ich liebe meinen Garten – er zeigt, worauf es ankommt.

Standort des Beitrags

22529 Hamburg

Anzahl der Projektbeteiligten

2

Quadratmeter

600 m²

Pflanzliste

Ersatz mehrerer Büchse an der rechten Grenze, Höhe mittleres Rasenstück durch:

  • Strauchrose `Dornrösschenschloss Sababurg
  • 4 Armenische Storchschnabel Geranium psilostemon `Patricia`
  • Kandelaberehrenpreis Veronicastrum virginica `Diana
  • Verbene
  • Durch Samenflug zugetragenes Vergissmeinnicht
  • 100 Blumenzwiebeln, darunter viele Allium Raritäten der Staudengärtnerei Bornhoved und des botanischen Gartens

 

  • Ersetzung von Buchsbaum an der rechten Grenze, Höhe unserer Laube durch:
    • Clematis „Hagley Hybrid“
    • Kletterrose „New Dawn“
    • Kletterrose „Naheglut That´s Jazz Courtyart Poulnorm”
    • Kissenaster Aster dumosus ´Prof. Anton Kippenberg`
    • Herzblattaster Aster x herveyi `Twilight`
    • Iris

 

  • Ersetzung von Rhodedendren, Kirschlorbeer und Forsythie an der linken Seite, Höhe unserer Laube durch:
    • Einen fischfreien 150 l Teich (Kleinbiotop + Trinkstelle für Insekten und Säugetiere)
      • Flachwasserzone bepflanzt mit:
        • Bachminze Mentha aquatica`
        • Zwergrohrkolben Typha minima
        • Sumpfschwertlilie Iris pseudacorus

 

  • Sumpfzone bepflanzt mit:
    • Kuckuckslichtnelke Lynchnis flos-cuculi
    • Wiesenschaumkraut Cardamine pratensis
    • Blutauge Comarum palustre
    • Wasserdost Eupatorium purpureum Éuphoria Ruby`
    • Blutweiderich Lythrum salicaria `Morden Pink
    • Mädesüß Filipendula ulmaria
    • Sumpfschwertlilie Iris versicolor
    • 24 Schachbrettblumenzwiebeln Fritillaria meleagris

 

  • Umrandung des Beetes bepflanzt mit:
    • Blutstorchschnabel Geranium sanguinum
    • Bronzefenchel Foeniculum vulgare „purpurem“
    • Gelenkblume Physostegia virginiana ´Variegata
    • Langgriffliger Rosenwaldmeister Phuopsis stylosa
    • Teppich-Fettblatt Sedum spurium „Fuldaglut“
    • Herbstenzian Gentiana sino-ornata „Eugens Allerbeste“
    • Purpurkratzdistel Cirsium rivulare „Atropurpureum“
    • Besenheide Erica
    • Kerzenknöterich Polygonum amplexicaule „Anna“

 

 

  • Entfernung von Versiegelung/ Waschbeton, Umgestaltung zum Sandbeet als Nistraum für im Sand brütende Wildbienen (diese benötigen freigehaltende Sandflächen ), teilweise bepflanzt mit:
    • Im Topf vor Fassade Clematis „Bernadine“
    • Rundblättrige Glockenblume Campanula rotundifolia
    • Kümmelthymian Thymus herba-barona
    • Rosa Wiesensalbei Salvia pratensis „Rosa Rhapsody“
    • Sandnelke Dianthus arenarius
    • Japanisches Blutgras Imperata cylindrica „Red Baron“
    • Kleine Garten-Blauschwingel Festuca valesiaca „Zwergenkönig“
    • Steingarten Saatgutmischung (Schleifenbume,etc.)
    • Braunwurz

 

 

  • Ersetzung von Funkien und Buchsbaum vorne durch:
    • Vermehrung von Iris, Geranium, Taglilie, Knöterich, Schildblume, Margarite und Sedum
    • Hundert Tulpenzwiebeln
    • Bulgarischer Lauch Nectaroscordum sicilum ssp. Blugaricum
    • Sibirischer Enzianlauch Allium caeruleum
    • Samen und Setzlinge (größtenteils geschenkt) von:
      • Wilde Karde
      • Staudenwicke
      • Fingerhut
      • Kartoffelrose
      • Montbretie
      • Rittersporn
    • Hundsrose rosa canica
    • Durch Samenflug eingetragene Schönheiten
      • Sonnenhut
      • Schafgarbe
      • Schmetterlingsflieder
    • Gelenkblume Physostegia virginiana „Bouquet Rose“
    • Aster amellus „Veilchenkönigin“
    • Große Sterndolde Astrantia major
    • Purpur Leinkraut Linaria purpurea
    • Purpurglöckchen Heuchera
    • Küchenschelle Pulsatilla vulgaris
    • Waldglockenblume Campanulla latifolia var. Macrantha
    • Nessel-Glockenblume Campanulla trachelium
    • Jakobsleiter Polemonium caeruleum
    • Blauraute Perovskia atriplicafolia „Little Spire“
  • Trockenmauer
    • Hauswurz “Rosa Mädchen”
    • Hauswurz “Silberkarneol”
    • Lewisia cotyledon

Wildgehölze:

  • Schlehe
  • Kornelkirsche
  • Faulbaum
  • Sandrose
  • Salweide

Informationen zur Gruppe

Im Wesentlichen habe ich den Garten allein umgestaltet, meine Mutter stand mir als Unterstützerin zur Seite. Wir haben auf der Website unseres Kleingartenvereines unseren Weg zum naturnahen Garten vorgestellt https://kgvhammonia.de/erfahrungsbericht-ein-garten-wird-naturnah/ und haben auch im persönlichem Gespräch für unsere Konzepte geworben.