An einem  warmen Februar-Tag 2019 saßen wir in der Sonne am Haus, als ein erster Zitronenfalter an uns vorbei flatterte. – Ich möchte davon erzählen, dass nicht nur "ordentliches" Gärtnern viel Energie kostet, nein: Auch Wildwuchs sinnvoll in Schach zu halten, kostet Kraft und Konzentration. Mit diesem Beitrag wollen wir dazu anregen, dass es auch in anderen Gärten tüchtig summt !

Es handelt sich in unserem Fall nicht in erster Linie um einen Nutzgarten mit Gemüse-Beeten, sondern um Insekten-Schutz durch blühende Wild- und Kultur-Pflanzen. Grundlage dafür sind Wiese, Stein-Hügel, Kräuterspiralen-Hügel, Tümpel, Blühstauden-Rabatte, Obstgehölze und wild wachsende Hecken. Alles zusammen entwickelte sich in 12 Jahren zum wilden Naturgarten in Waldnähe, weswegen uns auch Rehwild und andere Wildtiere besuchen.  -  Wir zogen nach 10 Jahren in Schweden ins Herzogtum Lauenburg und bauten ein behinderten-gerechtes Haus (mit gepflastertem Weg von der Straße bis zur Terrasse) auf ein stilles eingewachsenes Grundstück voller Fingerhüte, Margeriten, Glockenblumen... Durch den Neubau wurde allerdings anfangs alles zur Sand-Wüste, nur die Gebüsch-Ränder und Bäume blieben erhalten. Wir ließen Mutterboden aufbringen, bauten Erd- und Stein-Hügel, säten Gras, ergänzten die "toten" Hecken mit Laubgehölzen, pflanzten vor die Kirschlorbeer-Hecke eines Nachbarn Insekten-freundliche Ziersträucher; auch Apfelbäume, Obststräucher und Wein, Kräuter und Blühstauden. Wir verzichten heute darauf, die Anpflanzungen regelmäßig zu düngen  -  bis auf die Obstgehölze.

Da ich experimentierfreudig und neugierig bin, Tiere und pflanzliche Entwicklungen gern beobachte und ihnen meine Arbeiten anpasse, kann ich interessante Vorgehensweisen schildern, wie z.B. bei Trockenheit in den letzten Sommern  -  besonders geeignet für jeden alternativ denkenden Gartenfreund.

Zuletzt bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es keinen Sinn hat, der starken natürlichen Kraft entgegen zu wirken, um einen "gepflegten" Garten gestalten zu wollen, ständig dagegen anzukämpfen oder gar große Flächen mit Steinen, Platten oder Kies zu bedecken, denn große Freude kann dabei nicht wirklich aufkommen. Stattdessen begann ich das Un-kraut als nützliches Wild-kraut zu betrachten und ließ es wachsen und blühen!   -   Ich begriff, dass ich nicht den Boden mühsam und kostspielig kultivieren musste, wie es in Nutz- oder Schrebergärten nötig ist, sondern dass sich bestimmte Pflanzen-Gesellschaften genau diejenigen Böden suchen, die für sie geeignet sind ! Daraus ergibt sich eine ganz andere, umgekehrte Denk- und letztendlich auch konsequente Vorgehensweise in entspannte Richtung, als in die bisher gewohnte.  -  Es gilt: Kein Umgraben und Abtragen, kein Vertikutieren. Kein Abtransport von Herbstlaub: Ich harke es unter Büsche und Bäume. Auch Astschnitt bleibt gehäckselt im Garten, ebenfalls unter Büschen und Bäumen, auf Wegen oder zwischen Stauden.  -  Unsere überwiegend "passive Gartengestaltung" dient der Förderung und Erhaltung der Artenvielfalt. Unsere Arbeit besteht lediglich aus der Verhinderung eines erstickenden Wildwuchses, aus sinnvollen Ergänzungen oder Austausch.

Zusätzlich entdeckte ich, welche Freude und Ruhe das Arbeiten nach auf- und absteigenden Mondphasen mit sich bringt, denn ganz sicher sind alle Lebewesen (Pflanzen, Tiere und Menschen) von kosmischen Zyklen abhängig. Mit dieser Sichtweise muss man nie mehr glauben, vor dem nächsten Regen möglichst viel zu schaffen oder weil andere Termine dazu drängen.  -  Nein: Nur an Blüten-Tagen sind Blühstauden und blühende Büsche dran, an Blatt-Tagen Wiese, Salate, Gemüse, Immergrünes und an Frucht-Tagen alle Obstgehölze usw. Wie immer im Leben kommt es auch hierbei nicht nur auf besseren Erfolg an, sondern auch auf das Wohlbefinden im Zusammenwirken von Mensch und Natur.

Zuletzt noch zur Darstellung des Berichtes: Es wäre schön, wenn ich bitte beim Rundgang über das wilde Garten-Grundstück "Vorher-" und "Nachher-Bilder" nicht in getrennten Rubriken, sondern hintereinander zeigen dürfte, damit die Zusammenhänge und vor allem der Standort-Überblick erhalten bleiben  -  bis auf den kleinen Schock, der durch das vorletzten Bild entstehen könnte...  Viel Vergnügen beim Erkunden eines kleinen Naturgarten-Paradieses !

Standort des Beitrags

Dorf bei 23879 Mölln

Vorher-Bilder

Aktions-Bilder

Nachher-Bilder

Gartenstrukturen

Anzahl der Projektbeteiligten

2

Quadratmeter

500 m²

Pflanzliste

GEHÖLZE  wildwachsender Hecken

BÜSCHE:  Buchsbaum, Cotoneaster-Stamm (eine hochgebundene Mispel-Ranke entwickelte sich zum lockeren Insekten- und Vogel-Gehölz !), Fingerstrauch/Bibernell-Rose, Flieder, Forsythie, Hartriegel (Cornus Alba), Haselnuss, Holunder, Jasmin (mit ungefüllten Blüten !), Kerrie/Ranunkel-Strauch, Korkspindel-Strauch, Liguster, Maigrün (Lonicera nitida), Mahonie, Pfaffenhütchen, Rhododendron, Rosen: Bauernrose, Heckenrose und Kletterrose; Schneeball: Runzelblatt- u. Oster-Schneeball, Wald-Geißblatt, Weigelie, Zwerg-Mehlbeere.

BÄUME: Roteichen, Goldulme, Ahorn (selbst ausgesät), (selbst ausgesät), Fichte, Eiben, Esche, Essigbaum, lex, Heide-Wacholder, Lebensbaum, Traubenkirsche.

OBST-GEHÖLZE:  Apfelbaum (“Herbstprinz”) u. Säulen-Apfel (rot), Aronia/Apfelbeere, Blaubeeren, Blutpflaume, Brombeeren, Felsenbirne, Himbeeren (rot u. gelb), Holunder, schwarze u. gelbe Johannisbeeren, Walnuss, Wilde Kirsche (selbst ausgesät).

WIESE:  Aufrechter Sauerklee, Ährige Prachtscharte, Breitblattsegge, Breitwegerich, Brennnessel, Brennkraut (Verbascum tapsus L.), Buschwindröschen, Dost, Echter Steinklee, Efeu-Gundermann, Einjähriger Feinstrahl, Färberkamille, Gänseblümchen, Gänse-Fingerkraut, Gem. Leinkraut, Gewöhnliches Stiefmütterchen, Gewöhnliches Tellerkraut, Giersch, Glockenblumen: Rundblättrige – u. Pfirsichblättrige -, Goldnessel, Große Bibernelle, Großer Hederich, Hirtentäschel, Jakobsgreiskraut (!), Klatschmohn, Kl. Braunelle, Lungenkraut: Kleingeflecktes – u. Langblättriges -,Kleinköpfiger Pippau, Klettenlabkraut, Knoblauchrauke, Königskerzen: Windblütige – u. Schwarze -,  Kranz-Lichtnelke, Kriechender Günsel, Kriechender Hahnenfuß, Kronen-Wucherblume, Löwenzahn, Margeriten, Möhre, Nachtkerze, Natternkopf, Odermennig,Pontischer Beifuß, Roter Wiesen-Klee, Rote Taubnessel, Scharfer Hahnenfuß, Schöllkraut: Großes -, Spitzwegerich, Sternmiere: Große -, Taubenkropf-Leimkraut, Tüpfel-Hartheu, Tüpfel-Johanniskraut, Vergissmeinnicht, Vogelwicke, Vogelmiere, Wald-Erdbeere, Wald-Schaumkraut, Wald-Veilchen, Wegwarte, Weiß-Klee, Weiße Taubnessel, Wiesen-Kerbel, Wiesen-Salbei, Wiesen-Schafgarbe.

BLÜH-STAUDEN:  Akelei, Bergenie, Berg-Flockenblume, Byzantinischer Ziest, Blut-Johannisbeere, Christrose/Ziestrose/Orient. Nieswurz (Helleborus orientalis Lam.), Sibirische Iris, Echte Schlüsselblume, Fingerhut: Roter -, Gelber – u. Weißer -, Frühlings-Gedenke (Omphalodes verna Moench), Gilbweiderich/Goldfelberich, Herbstastern, Honigstrauch (Melianthus major), Hyazinthen, Immergrün: Großes-, Judassilberling, Krokusse, Kugeldistel, Lederfarn, Mädchenauge, Maiglöckchen, Malve, Narzissen/Osterglocken,  Schleifenkraut, Sonnenblume, Sonnenhut, Steinbrech, Steinrosen, Stern v. Bethlehem, Storchenschnabel, Strauchmargerite, Taglilie, Wald-Hortensie.

KRÄUTER:  Bergbohnenkraut, Borretsch, Calendula, Currykraut, Dill, Eberraute, Estragon, Frauenmantel, Lavendel, Liebstöckel, Majoran/Oregano, Minze: Apfel- u. Bach-, Petersilie, Pimpinelle, Rosmarin, Salbei, Sauerampfer, Schafgarbe, Schnittlauch, Waldmeister, Ysop, Zitronenmelisse, Zitronenthymian, Zitronenverbene.

 

Sich selbst ausgesäte “Gast-Pflanzen” zählte ich auch auf, weil ich sie mit Grabegabel und Spaten an einen passenderen Ort versetzte.

 

 

 

 

 

Informationen zur Gruppe

Wir sind keine Gruppe, sondern ein älteres Ehepaar mit einem eigenen wilden Grundstück am Waldrand. Wir teilen uns alle Arbeiten auf: Mein Mann macht die körperlich schwereren Arbeiten: mähen, häckseln, Regenwasser-Fässer mit Pumpen und Schläuchen versehen, Kompost versetzen, half mir beim Steine-schleppen für den Bau des “Quelltopfes” u. Eingraben desselben, sowie beim Aufbau des Hochbeetes. Er pflückt die Weintrauben, ich halte die Schüssel und koche Konfitüre. – Aktuell hilft er mir bei Computer-technischen Problemen :), mit großem Dank auch an Frau Dr. Hölzer für die freundliche Beantwortung unserer Fragen ! Ich selbst übernahm die Garten-Gestaltung, die je nach naturgemäßen Veränderungen kein Ende nimmt… Ich pflanze oder lichte Büsche aus, pflege und jäte, reduziere oder setzte um, wässere das Hochbeet und ernte, trockne die Kräuter für Tees und zum Kochen, bestimme die Pflanzen, fotografiere und schreibe. Zwei gesellschaftliche Gruppen-Veranstaltungen organisierten wir bisher: ein Kräuter-Fest mit unserem örtlichen Kulturkreis und meinem kleinen Fach-Vortrag zu Kräutern, mit einer Präsentation meines Mannes über Gift-Pflanzen und mit einem Kräuter-Buffet, zu dem alle beitrugen. – Ein Mittsommer-Fest mit der Möllner Folk-Band nach schwedischem Vorbild mit Musizieren, Tanz um die Mittsommer-Stange usw. - Bei beiden Veranstaltungen machte ich eine Führung durch den Garten, mit Erklärungen zu Kräutern und allen anderen interessanten Pflanzen und Ereignissen. Öffentliche Einladungen vermeiden wir, um die Natur im Garten nicht unnötig zu stören. Deshalb freuen wir uns über die Möglichkeit des Wettbewerbs, diesen Bericht veröffentlichen zu dürfen - mit herzlichem Dank !