Mein Mann und ich sind im Dezember 2016 zum ersten Mal in eine Mietwohnung mit Garten gezogen. Im ersten Jahr war dies eine große Herausforderung: wir mussten uns Gartengeräte anschaffen, erkennen, was in unserem Garten schon wächst – Was war davon nützlich? Wem mussten wir Einhalt gebieten (wie z.B. dem Bambus, den unser Vormieter gepflanzt hat…)

Nun im Frühjahr 2018 – im zweiten Jahr als Gartenbesitzer – hatten wir ein festes Projekt: Wir wollten gerne einen Rückzugsraum für Tiere jeglicher Art schaffen – insbesondere jedoch ein kleines Paradies für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Käfer und andere Insekten. Der verwinkelte Garten der Mietwohnung war dafür ideal: denn neben einem Gebäude mitten im Garten (einer Firma) war ein großes Stück braches Land (eine verkümmernde Wiese), das sich dafür anbot.

Mit unserem Anfängerwissen, begannen wir Anfang April die ca. 50-60qm große Fläche umzugraben. Die Grasnarbe musste weg, wenn wir neue (bienenfreundliche) Pflanzen säen wollten. Nach dem schweißtreibenden Versuch dies mit einem Spaten zu bewältigen, stiegen wir auf eine Art Hacke um, mit der die Arbeit wesentlich schneller von dannen ging. Als wir fertig waren, war das Ergebnis zunächst angsteinflössend. Nichts als braune Erde. Hatten wir mehr zerstört als gewonnen? Es war Geduld angesagt. Lediglich die Lavendelsträucher und einige kleine Stauden (wie z.B. Vergissmeinnicht) brachten bereits etwas Leben in das trostlose braun.

Beruhigend war der Gedanke, dass es an anderen Stellen des Gartens Pflanzen gab, die den Insekten helfen konnten, die Durststrecke bis die Blumen gewachsen waren, zu überbrücken.

Wir ließen das Gras bzw. unsere Wiese wild wachsen (mit weißem Klee und Gänseblümchen). Auch das Ruprechtskraut, was sich überall breit machte, ließen wir trotz des eigenwilligen Geruchs für die Bienen stehen. Zudem legten wir ein Hochbeet an und pflanzten Kräuter, Gemüse (Tomaten), Erdbeeren und Beerensträucher (Brombeeren, Himbeeren und Johannisbeeren), die schon vorgezogen waren. Ein großer Anziehungspunkt für die Bienen war auch eine große Staude mit weißen Blüten vor der Garage, dessen Namen wir leider nicht kennen. Auch das Efeu und die wunderschöne rosa Wicke, die vom Nachbarn rüberrankte, wurde von den Bienen angeflogen. So summte und brummte es, auch wenn sich im Bienengarten erst kleine zarte Pflänzchen aus dem Boden rankten.

Anfang Juni waren dann auch die ersten Blüten im Bienengarten sichtbar. Man konnte den Pflanzen quasi beim Wachsen zusehen, so schnell wurde alles erst grün und dann bunt. Mit den blühenden Pflanzen kamen auch immer mehr Insekten zu Besuch.. Schmetterlinge, Käfer, Bienen, Hummeln, Wespen und anderes Getier. Der braune Fleck hat sich in einen wunderschönen Prachtgarten verwandelt und wir sind jedes Mal aufs neue erstaunt, welche Überraschungen uns dort erwarten.

Da der Sommer nun so heiß ist, haben wir auch zwei Bienentränken gebaut. Ein Steinhaufen, ein Haufen aus altem Brennholz und ein kleines Insektenhotel an der Firma, soll die Wildbienen einladen auch bei zu Nisten. Zudem lassen wir einige Stellen im Garten (wie die Fläche vor der Garage, in der neben der unbekannten Staude Schild und vor allem Wasserdost wächst) unberührt und schauen, was die Natur dort anlegt. So können hier auch Bienen im Boden nisten, da wir diese Regionen nicht umgraben.

Der Bienengarten bringt uns so viel Freude – wir betrachten ihn jeden Tag mit Neugier und Staunen. Es ist erstaunlich, was die Umgestaltung einer so begrenzten Fläche bewirken kann. Und welche Artenvielfalt sich zeigt. Uns war nicht bewusst, wie viele verschiedene Insekten man in heimischen Gärten beobachten kann. Man muss nur genau hinsehen. Die Bilder werden dieser Vielfalt nur ansatzweise gerecht (aufgrund der Bilderlimitierung). Es war noch viel mehr Getier zu beobachten – von millimetergroßen, fliegenartigen Insekten bis hin zur riesigen Hornisse. Wenn jeder auch nur ein kleines Projekt in Angriff nimmt, dann können wir gemeinsam die Bienen retten. Es ist gar nicht so schwer 🙂 … und es lohnt sich! Wir sind schon so gespannt, welche weitere bunte Blühvielfalt die vielen Knospen und grünen Stengel in den nächsten Wochen und Monaten noch preisgeben werden.

 

Vorher-Bilder

Quadratmeter

55 m²

Pflanzliste

Gehölze: Brombeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren

Stauden: Vergissmeinnicht, Nachtkerze, Lupinen, Lavendel  (schon vorhanden: Gold-Felberich, Wasserdost, Ruprechtskraut, Wicke, Efeu)

Wiesensaat: weißer Klee, Löwenzahn, Gänseblümchen

Sonstiges: Klatschmohn, Goldmohn, Cosmea, Adonisröschen, Aster, Kornrade, Fuchsschwanz, Kornblume, Mädchenauge, Sonnenblume, Chrysamteme, Magarite, Natterkopf, Ringelblume, Steinkraut, Borretsch, Schleierkraut, Lein, kalifornischer Mohn, Kokardenblume, Liebeshainblume, Sommerphlox, Resede, Sonnenhut, Studentenblume, Kapuzinerkresse, Glücksklee, Dill, Salbei, Steinkraut, Akelei, Phacelia, Staudenwicke,

Informationen zur Gruppe

Wir sind ein frischgebackenes Ehepaar und bestellen den angemieteten Privatgarten alleine. Wir sind noch blutige Anfänger, was das Gärtnern und und das Gärtnern für Bienen und Insekten angeht, aber mit Herzblut dabei. Im Laufe der Zeit haben wir uns immer mehr eingelesen und Lehrvideos geschaut. Auch der Tag der offenen Gartenpforte brachte neue Erkenntnisse. So wissen wir nun z.B. auch, dass gekaufte Insektenhotels nicht immer bienenfreundlich sind - ebenso wie einige Blühpflanzen. Doch man lernt immer dazu. Gleichzeitig halten wir unsere Verwandten und Freunden stets mit Bildern über unsere Fortschritte auf dem Laufenden (per Whatsapp und Instagram) und hoffen so auch andere zum Bienengärtnern zu animieren.