Pflanzwettbewerb
„Wir tun was für Bienen!“
Bepflanzte Fläche: 436.201 m²

Alte Apfelsorten im Pastor’s Bongert

Die Gemeinde Weeze, die Katholische Kirchengemeinde Sankt Cyriakus und der Verein für Landschaftspflege im Kreis Kleve (LiKK e.V.) starteten im November 2020 eine gemeinsame Aktion zur Förderung der Biodiversität und zur Wiederherstellung ökologisch wertvoller Kulturlandschaftselemente im öffentlichen Raum. Auf einer ehemals zur Friedhofserweiterung vorgehaltenen Fläche am Ortsrand entsteht nun eine „Weezer Arche Noah“ für alte Obstsorten.

Die ungenutzte Fläche wurde bisher extensiv als Mähwiese gepflegt und weist daher bereits eine relativ artenreiche Grasnarbe auf. Bei Überlegungen im Rahmen der Initiative „Weeze blüht auf!“ eine Aufwertung zu schaffen, ohne das vorhandene Potenzial zu zerstören, hat der Rat der Gemeinde Weeze die Herstellung einer Obstwiese beschlossen, wie sie früher besonders in Ortsrandlagen typisch war. Obstwiesen oder Baumgärten, die sogenannten Bongerte, sind am Niederrhein inzwischen selten geworden. Sie rücken jedoch wieder verstärkt in den Fokus von Naturschutzplanungen, bieten sie doch bei extensiver Bewirtschaftung einer Vielzahl heimischer Insekten, Kleinsäuger und Vögel einen Lebensraum. Als charakteristische Art gilt der gefährdete Steinkauz, für den insbesondere die Region des Unteren Niederrheins als Hauptverbreitungsgebiet innerhalb Deutschlands eine besondere Verantwortung trägt. Nordrhein-Westfalen beherbergt ca. 76 % des deutschen Brutbestandes.

Eine Besonderheit des Weezer Pastor’s Bongert stellt die Auswahl der verwendeten Obstbäume dar. Im Hinblick auf eine sinnvolle und dauerhafte Nutzung wurden ausschließlich Apfelbäume gepflanzt. Die Äpfel können z. B. zu Saft, Apfelkraut (auch eine niederrheinische Spezialität) oder Obstbrand verarbeitet werden – dies steht für die noch jungen Bäumchen aber wohl erst in ein paar Jahren an. In Kooperation mit dem Pomologenverein e. V. – Spezialisten für Obstanbau und Obstsorten – wurden zur Pflanzung 30 Bäume besonders alter und seltener Apfelsorten ausgewählt. Diese werden im heutigen Obstbau kaum noch kultiviert und drohen daher auszusterben. Der Begriff „Weezer Arche Noah“ trifft daher in vielerlei Hinsicht auf die Fläche zu.

Die Obstwiese wird eingezäunt, da eine Nutzung des Grünlandes durch Schafbeweidung vorgesehen ist. Pflege durch Nutzung ist eine sinnvolle und schonende Alternative zu kostenintensiver Maschinenpflege. Eine Beweidung durch Schafe ist zudem dynamisch und strukturbildend - der Vegetationsbestand wird nicht auf einmal entfernt, sodass Insekten flüchten und auf andere Flächen ausweichen können. Durch den Tritt der Schafe entstehen kleine offene Bodenstellen, die für viele Kleinlebewesen (z. B. bodenlebende Wildbienen) von hoher Bedeutung sind.

Da Pastor’s Bongert in gut erreichbarer Lage am Nierswanderweg und nahe dem Weezer Tierpark liegt, freut sich die Gemeinde auf die Einbindung des neuen Highlights in zukünftige schöne Aktionen mit und für Weezer Bürger/innen und Besucher/innen, sobald die Corona-Pandemie dies wieder erlaubt.

Standort

47652 Weeze

Nachher-Bilder

Gartenstrukturen

Anzahl der Projektbeteiligten

15

Fläche

4500 m²

Pflanzliste

Die Wiese wurde nicht neu eingesät, da eine gute und mäßig artenreiche Grasnarbe vorhanden ist. Dieses ökologisch funktionierende Biotop sollte nicht mehr als nötig gestört werden. Blühpflanzen, die vorhanden sind oder sich voraussichtlich selber ansiedeln sind: Achillea millefolium, Anthriscus sylvestris, Centaurea jacea, Cirsium palustre, Heracleum sphondylium, Malva moschata, Plantago lanceolata, Ranunculus acris, Rumex acetosa, Symphytum officinale, Vicia cracca. Es ist ggf. die Initialpflanzung von zusätzlichen, selteneren Wiesenstauden im Herbst vorgesehen. Mögliche Arten sind dazu: Campanula rotundifolia und patula, Crepis biennis, Daucus carota, Galium album, Hypericum perforatum, Hypochoeris radicata, Knautia arvensis, Leucanthemum vulgare, Lychnis flos-cuculi, Medicago lupulina, Silene dioica und vulgaris. Sollte es im Rahmen der Pandemie wieder möglich sein, kann eine solche Pflanzaktion im Herbst ggf. als “Bürgerevent” stattfinden.

Als Obstbäume wurden ausschließlich Äpfen alter Sorten gepflanzt: Bergischer Herrenapfel, Blauer Kölner, Feys Rekord, Finkenwerder Herbstprinz, Geflammter Kardinal, Grünapfel, Helios, Herfstrambur, Hesselmanns Schlotterapfel, Himbeerapfel von Holovaus, Keulemanns, Kleiner Langstiel, Mautapfel, Namedyer, Nimmermür, Paafenapfel, Parkers Pepping, Prinzess Noble Westfalen, Rheinische Schafsnase, Rheinisches Seidenhemdchen, Roter Bellefleur, Schweizer Orangenapfel, Seestermüher Zitronenapfel, Westfälischer Frühapfel, Wöbers Rambur, Zuccalmaglios Renette.

Die Bäume sind mit Sortenschildern versehen, die einen QR-Code tragen. Unter diesem kann man sich Informationen zu der Sorte abrufen.