Pflanzwettbewerb
„Wir tun was für Bienen!“
Bepflanzte Fläche: 479.833 m²

Das Projekt

Neubeckum hatte einmal elf triste grasbewachsene sehr zentral gelegene Beete im Innenstadtbereich, die Platz für Müll und andere Hinterlassenschaften boten und in ihrer Trostlosigkeit die Atmosphäre im Stadtteil nicht gerade bestärkten. 

Gleichzeitig ist - wie überall - im gesamten Ort zu beobachten, wie an allen Ecken und Enden versiegelte Steinflächen "aus der Erde sprießen", mit allen ihren negativen Begleiterscheinungen, auch für die Insektenwelt. 

Um hier ein Zeichen zu setzen, ergriff die aktive Neubeckumer Bürgerschaft am 09/10. April die Initiative sowie die Spaten. In einer gemeinschaftlichen Aktion wurde: 

  • der Müll auf den Beeten entfernt
  • die Grasnarbe entfernt
  • Sand eingearbeitet,
  • eine mineralische Mulchschicht ausgebracht
  • bienenfreundliche Stauden eingesetzt
  • hölzerne Etiketten mit den Pflanzennamen platziert
  • ein Zaun aus Weidenruten gesetzt
  • Mit Brandmalerei verzierte Baumscheiben, die über Zusammenhänge informieren oder über Sinnsprüche und Zeichnungen ein Nachdenken anregen, gestaltet und angebracht
  • Bienentränken aus recycelten Flaschendeckeln sowie Ohrenkneiferhotels installiert
  • (Insektenhotels aus Baumstämmen sind noch in Arbeit und werden nach Fertigstellung ebenso integriert.)

Initiatoren

Die Aktion wurde vom gemeinnützigen Verein "Verve! Gemeinschaft, Kultur & Schwung für Neubeckum" in Kooperation mit der Beckumer Initiative "Beckumer4future" initiiert und vorbereitet. Verve! ist ein bürgerschaftlich getragener junger Verein, der sich über verschiedene Zwecke und Projekte für einen lebenswerten Stadtteil einsetzt. Ein Vereinszweck ist die Förderung ökologischer Nachhaltigkeit sowie einer grünen Infrastruktur. Im Moment wird an der Hauptstraße das Stadtteilwohnzimmer ausgebaut, ein Treffpunkt und Projektraum, wo zum Beispiel auch Pflanzentauschbörsen oder Arbeitsgruppen zu diesem Thema stattfinden werden. Beckumer4future setzt sich u.a. verstärkt für nachhaltige Blühwiesen im Stadtgebiet der Stadt Beckum ein.

Ziel

Im Vorbeigehen kann man an den versiegelten Schotter- und Steinflächen (der Begriff Steinbeete ist eigentlich nicht passend) die immer mehr die ursprünglichen Vorgärten verdrängen, abends an einem heißen Tag regelrecht einen Backofen spüren. Die negativen Auswirkungen solcher Steinflächen auf das Kleinklima im Ort sind also unmittelbar spürbar. Diese wichtigen Zusammenhänge sind jedoch noch nicht im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen: Die Fähigkeiten der Pflanzen umzugehen mit Problemen wie Hitze, Starkregen, Wind, Feinstaub, Lärm und außerdem Nahrung, Korridore und Schutz für Insekten und Tiere zu bieten.

Gleichzeitig ist ein großer Bedarf an pflegeleichten Lösungen für die Vorgärten zu erkennen. 

Ziel dieses Projektes ist es also, eine pflegeleichte aber bienenfreundliche Alternative zu den Ansammlungen aus Steinflächen im Vorgarten zu präsentieren, und zwar in Form der wiederkehrenden und pflegeleichten Stauden. Das Thema der bienenfreundlichen Beetgestaltung soll durch die Baumscheiben als Hinweisschilder in den Mittelpunkt gerückt werden. Die Idee ist, dass sich Bürger auf diese Weise im Vorbeigehen informieren und für sich selbst diese gute Alternative entdecken können, weil ihnen die Gestaltung attraktiv erscheint. 

Unterstützer und Förderer

Die Weidenruten (für insgesamt 85 Meter Zaun) bekamen wir für dieses Projekt extrem vergünstigt. Außerdem haben wir von einer Staudengärtnerei Pflanzenspenden erhalten. Eine weitere Gärtnerei gab uns Pflanzen für Wiederverkaufspreise. Der Bauhof der Stadt Beckum stellte uns den Sand zur Verfügung und transportierte die Grasnarbe ab. Das Werkzeug wurde teils durch Bürger gestellt, teils durch die Stadt Beckum bereitgestellt. Auch in dieser Spendenbereitschaft zeigte sich der besondere  Geist, der dieses Projekt trug. Die tatsächlich entstandenen Kosten wurden vom Verein Verve! im Rahmen der Förderung “Dritte Orte. Häuser für Kultur & Begegnung im ländlichen Raum” des Landes NRW getragen.

Mitwirkung unter Corona-Bedingungen 

Bei der Umsetzung waren sowohl Anwohner*innen, als auch verschiedene Neubeckumer Vereine und Institutionen (Interkultureller Garten, Beckumer4future, Förderverein der Stadtbücherei, St.Franziskus Gemeinde, Verve!) beteiligt, die je ein Beet gestalteten.

Aufgrund der Coronasituation und des herrschenden Lockdowns war es nicht ganz einfach, Mitwirkende zu gewinnen. Pro Beet waren zwei Haushalte erlaubt. Wir erstellten eine Anleitung, die es allen Beteiligten ermöglichte, die Arbeitsschritte alleine durchzuführen, ohne sich als Gruppe zu versammeln. Das Material musste so vorbereitet werden, dass es sich jedes Beetteam abholen konnte, ohne in eine Menschenansammlung zu geraten. Als Verpflegung legten wir Lunchpakete zu den Materialien, weil zu diesem Zeitpunkt ein Bewirtungsverbot griff.

Alle Beteiligten erhielten als Geschenk für ihr Engagement eine Bienentränke bzw ein Ohrenkneiferhotel als Bausatz. Dies wurde von den Aktiven bei Beckumer4future erstellt. 

Die Aktion selbst war trotz Corona von einem tollen Gemeinschaftsgefühl getragen. Aufkommende Widrigkeiten (Der Split am Gehweg/der Straße war hart wie Beton), begegnete man mit Ausdauer, auch Teilnehmer*innen, die eigentlich früher gehen wollten, blieben bis es fertig war und am Ende waren alle stolz auf ihren Erfolg. Es war ein tolles Erlebnis im April,  in Zeiten des Lockdowns, endlich wieder an einem Gemeinschaftsprojekt mitwirken zu können. Wir sind dem Ordnungsamt sehr dankbar, dass diese Pflanzaktion, draussen mit Abstand, trotz der angespannten Situation für durchführbar erklärt wurde. Gerade jetzt, wo Innenräume mit Einschränkungen verbunden sind, bieten sich solche naturnahen gemeinschaftlichen Pflanzaktionen an und können das Stadtleben und die Atmosphäre sehr bereichern. 

Reaktionen

Vorbeieilende Fußgänger waren begeistert, ständig wurde erstaunt Lob ausgesprochen. Es muss sich für die Passanten ein überraschendes Bild ergeben haben, wie diese Horde in gelben Westen die Hauptstrasse im Innenstadtbereich plötzlich bevölkerte. Die Beete erstrecken sich über eine Entfernung von etwa 700 Metern. Beim ersten Beet sah man, ok da machen welche was, beim zweiten und dritten war man schon irritiert. Beim fünften fragte man nach: Was macht ihr hier eigentlich!? 

Auch seitens der Stadt kamen positive Resonanzen. Der Gewerbeverein bot in der Folge an, weitere Beetumgestaltungen finanziell zu unterstützen.

Beet-Patenschaften

Zur weiteren Beetpflege, gerade im ersten Jahr des Anwachsens, gehen wir regelmäßig durch die Beete, außerdem haben wir Beet-Patenschaften an Anwohner vergeben. Hierfür wurde ebenfalls eine Anleitung erstellt, auch Inhaber ansässiger Geschäfte helfen beim Giessen. 

"Zwiebelblumen-Recycling"

Außerdem stellten wir vor unseren Laden (Verve! baut gerade ein Stadtteilwohnzimmer genau in dieser Straße auf) eine Box für Zwiebelblumenrecycling. Diese Idee stammt von Beckumer4future: Die Menschen konnten ihre abgeblühten Zwiebelblumen bei uns abgegeben, die sonst im Abfall gelandet wären. Wir haben wirklich eine ganze Masse erhalten und werden diese mit in die Beete setzen. So haben durch diese kleine Geste auch weitere Einwohner ihren Beitrag zu den schönen Beeten geleistet.

Resonanz/Nachahmung 

Die Stadt hat anschließend bestimmte Grünflächen für bienenfreundliche Gestaltung freigegeben. Es gibt nun verschiedene weitere Beetflächen in der Hauptstraße, die in Zukunft von einer weiterführenden Schule nach unserem Konzept bearbeitet werden sollen. Ein Kindergarten möchte ebenso sein Beet an der Hauptstraße bienenfreundlich ausstatten und hat sich an uns gewandt. Außerdem hat sich eine Anwohnerin gemeldet, die nun in Absprache mit der Stadt dabei ist, das Beet vor ihrer Haustüre (Hauptstraße) zu gestalten und von uns Tipps erhält.

Besonders bewegt hat uns ein Geschenk: Die Tatsache, dass unsere Staudengärtnerei, die uns bei diesem Projekt so toll unterstützt hat, nun schließen musste, war sehr traurig für uns.  Wir durften nun unser ganzes Auto kostenlos mit den übriggebliebenen Stauden vollladen, für die zukünftigen Pflanzaktion im Stadtteil.

Weitere Pläne

Sobald sie fertig sind, werden die Insektenhotels angebracht. Es besteht außerdem noch die Idee, in Absprache mit der Stadt weitere Infotafeln aus Holz zum Thema zu erstellen, die exponierten Flächen an den Stützpfeilern der Bäume bieten sich sehr dafür an. Es könnten dort  eingängige bebilderte Informationen zu den wichtigen klimatischen Fähigkeiten der Pflanzen, Pflanzenportraits und auch ansässige ökologisch arbeitende Betriebe und Vereine vorgestellt werden.

Standort

59269 Beckum

Aktions-Bilder

Anzahl der Projektbeteiligten

35

Fläche

40 m²

Pflanzliste

Stauden

  • Eryngium planum Mannstreu
  • Calamintha nepeta Steinquendel
  • Teucrium chamaedrys Gamander
  • Verbascum phoeniceum Königskerze
  • Aquilegia vulgaris Akelei
  • Achillea millefolium Schafgarbe
  • Centaurea montana Bergflockenblume
  • Origanum vulgare Oregano
  • Salvia nemorosa Wiesensalbei
  • Stipa tenuissima Engelshaargras
  • Echinops ritro, Kugeldistel
  • Agastache rugosa Duftnessel
  • Sedum telephium, Fetthenne
  • Nepeta x faassenii, Katzenminze
  • Lavandula angustifolia Lavendel
  • Verbena officinalis Eisenkraut
  • Thymus serphyllum Thymian
  • Sedum acre Mauerpfeffer
  • Sedum sexangulare Mauerpfeffer
  • Allium schoenoprasum Schnittlauch
  • Allium sphaerocephalon kugelköpfiger Lauch
  • Ajuga reptans Günsel
  • Dianthus deltoides Heidenelke

 

Einjährige

Calendula officinalis Ringelblume

 

Zwiebelblumen

Durch das Zwiebelblumen-Recycling handelt es sich um eine bunte Mischung: Krokusse, Hyazinthen, Narzissen, Milchstern, Blaustern etc.