Hallo zusammen, ich wohne im Süden von München in einer 1-Zimmer-Wohnung, die einen Ostbalkon hat – immerhin 3, 15 Meter lang und 1, 30 Meter breit. Das ist nicht so groß wie der Garten, den ich mir erträume … aber – da geht schon was! Ich hatte mir im Frühjahr 2018 vorgenommen, aus meinem Balkon einen Ort zu machen, an dem Bienen und Schmetterlinge Nahrung finden. Viele kleine Schritte kamen zusammen, und nun höre ich oft schon am frühen Morgen das Summen der Hummeln durch die offene Balkontür, und es gibt viel zu beobachten. Dieser Platz ist eindeutig lebendiger geworden, und das macht wirklich Freude.

Ich muß gestehen: Ich habe ganz anders begonnen. Vor drei Jahren noch war ich stolze Besitzerin von Buchsbaum-Kugeln aus Plastik (Nun ist es raus, uff!) und hatte in bunten Metalltöpfen jede Menge Blumen aus Stoff und Plastik. Aber man lernt ja dazu … Die Plastik-Deko wurde an Oxfam-Läden gespendet. Leider kann ich hier kein Vorher-Foto von dieser toten, lautlosen “Plastik-Idylle” bieten. Das überlasse ich der Fantasie der Leser …

Immerhin habe ich ein Foto vom Zustand des Balkons im Frühling 2017. Ich hatte damals schon eine (echte!) Fetthenne, die zu meiner Begeisterung im Herbst von Bienen angeflogen wurde. Daneben ein kleines Labkraut, eine niemals zur Blüte gekommene Lupine, eine einblättrige Mini-Eiche, die dann einging, ein leidlich wachsender Fenchel und eine dürre Tomatenpflanze, aus der auch irgendwie nichts geworden ist. Naja.

Im Frühjahr 2018 habe ich dann losgelegt. Ich hatte einen ganzen Schwung Töpfe besorgt – und die Bepflanzung dazu kam nach und nach. Im Regal lagerte eine ganze Sammlung herrlicher Samen, die ich immer mal wieder auf Spaziergängen gesammelt hatte. Dazu hatte ich Saatgutmischungen von Bingenheimer im Bioladen gekauft, die besonders gut für Bienen und generell für Insekten sein sollten. Diese Schätze wurden nun hoffnungsvoll ausgesät: Cosmea, Ringelblumen, Kapuzinerkresse, Buchweizen, weißer Senf, Sonnenblumen, Lupinen. Bislang hatte ich keine Ahnung, wie eine Senfblüte überhaupt aussieht und wie hübsch der Buchweizen blüht!

Dazu kamen wunderbare Geschenke von Schrebergärtnern: Ich hatte in dem Nachbarschaftsforum nebenan.de angefragt, ob jemand vielleicht bienenfreundliche Pflanzen  abzugeben hätte. Die Resonanz kam schnell: Ein netter Imker schenkte mir eine “durchwachsene Silphie” – eine wüchsige Pflanze, die im ersten Jahr erst mal nur prächtige, große Blätter bildet. Im zweiten Jahr dann soll sie bis zu zwei Meter hoch werden und viele nektar- und pollenbildende gelbe Blüten produzieren. Schon jetzt sieht man ihr an, dass sie ziemlich hoch hinaus will.

Ein netter Freund grub mir noch eine gelbe Rudbeckia aus seinem Schrebergarten aus, die nun im Juli herrlich blüht, dazu noch einen Wollziest. Der hat graue, puschelweiche Blätter und wird darum auch Eselsohr genannt, was ich sehr hübsch und passend finde. Die zartvioletten Blüten des Wollziest waren im Juni und Juli heiß begehrt bei den Bienen; leider ist er nun verblüht. Einzelne Bienen fliegen ihn immer noch hoffnungsvoll an und ziehen dann enttäuscht ab. Etliche Pflanzen habe ich auch gekauft, zB einen roten Sonnenhut. Er war bis vor kurzem DER Hotspot für die Hummeln: Oft saßen dort vier oder mehr Hummeln gleichzeitig auf den schönen Blüten und saugten Nektar. Inzwischen blüht er zwar noch, wird aber nicht mehr besucht.

Dafür stehen nun – Ende Juli – der wilde Dost, die Agastache und der Blutweiderich hoch im Kurs. Um für weiteren Nachschub zu sorgen, habe ich noch einmal weißen Senf ausgesät, der offenbar die späte zweite Aussaat hinnimmt und dann bis spät in den Oktober blühen soll. Mal sehen, ob das klappt!

Auch Borretsch, Kornblumen und Sonnenblumen habe ich noch einmal ausgesät – sie wachsen nun fröhlich vor sich hin. Eine alte Dame hatte mir außerdem erzählt, dass die Bienen in ihrem Garten ganz verrückt sind nach ihrem blühenden Basilikum. Also habe ich meinen kleinen Basilikum (vom Münchner Kartoffelkombinat!) geteilt, was wunderbar funktionierte. Und ich habe einen Steckling ins Wasser gestellt, der binnen weniger Tage Wurzeln austrieb – er ist inzwischen auch gut gewachsen. Diese drei Pflanzen sollen nun blühen – ich lasse sie unberührt und esse meine Tomaten in diesem Jahr ohne Basilikum. Und auch meine inzwischen mehrere Jahre bei mir wachsende Fetthenne habe ich geteilt, was sie klaglos erduldete; von ihr habe ich ebenso zwei Stecklinge genommen, die inzwischen sogar schon eigene Blüten bilden.

Mein Ideal für die Zukunft ist ein Balkon, der den Bienen (möglichst) vom März bis in den Oktober hinein etwas bietet. Es gibt noch viel zu lernen und auszuprobieren. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich auf das lebendige Gewusel und auf den warmen Klang des Summens nicht mehr verzichten möchte. Für mich ist ein Bienenbalkon eine große Bereicherung; er tut der Seele gut, und es gibt immer etwas Neues zu beobachten.

Inzwischen habe ich auch deutlich mehr Besuch von anderen Insekten. Mehrmals kamen Libellen und machten eine Weile Pause auf meinem Balkon. Seltsame, nie zuvor wahrgenommene Käfer krabbelten auf einmal auf der Brüstung. Und eine Heuschrecke wohnte einige Tage zwischen den Tontöpfen. Ich gab ihr den Namen Hubert und hoffte, sie würde mich jede Nacht in den Schlaf zirpen. Irgendwann war sie aber wieder weg … Dafür legte eine Wanze Eier auf meine Pfefferminzpflanze – winzige, kunstvolle Gebilde in hellem Frühlingsgrün, fein gestapelt auf der Unterseite eines Blattes. Und die grüne Raupe eines Nachtfalters mit dem geheimnisvollen Namen Gammaeule saß eines Morgens friedlich mümmelnd an einer Ringelblume. Kohlweißlinge besuchten gelegentlich meinen Balkon, und ich bewunderte sie mit angehaltenem Atem, wenn sie auf meinem Knie landeten oder vor meiner Nase an einer Cosmea Nektar tranken.

Anfang Juli habe ich mir noch zwei Wildbienen-Nisthilfen aus heimischer Buche gekauft, die vom LBV empfohlen wurden. Bislang hat sich dort noch nichts getan, aber ich hoffe und warte. Und in einem Regal meines zweiten Pflanztisches habe ich einen Stapel Totholz geschichtet und lasse ihn dort einfach unberührt, damit das eine oder andere Insekt es sich dort gemütlich machen kann. Schon seit dem Frühjahr steht auf meinem Balkon eine mit täglich frischem Wasser gefüllte Schale.    Ich habe drei raue Steine dazu hineingelegt, damit auch kleinste Insekten dort trinken können, ohne unterzugehen.

Es tut gut, wenn man in einer Welt, in der sich die schlechten Nachrichten zum Zustand der Welt überschlagen, selber etwas tun kann. Private Gärten und Balkone (selbst die allerkleinsten!) sind Hoffnungsträger … Es ist schön für mich zu sehen, dass die Tiere folgen, wenn ich die richtigen Pflanzen anbiete. Und es ist spannend, sich mit Anderen auszutauschen und immer wieder etwas Neues auszuprobieren. Ich wünsche vor allem Kindern so einen Platz, um dort ihre Liebe zur Natur zu entwickeln. Und ja, natürlich den Bienen und anderen Insekten, die in unseren maschinenfreundlichen Monokulturen, den maximal versiegelten Städten und sogar in vielen kargen Gärten verhungern.

 

 

Aktions-Bilder

Nachher-Bilder

Quadratmeter

4 m²

Pflanzliste

Nachtkerzen im zweiten Jahr

Lavendel

Kapuzinerkresse

Echinacea (Roter Sonnenhut)

Echter Dost

Agastache

Blutweiderich

Durchwachsene Silphie (im ersten Jahr, noch ohne Blüten)

Giersch (im Topf aktuell leider ohne Blüten)

Wollziest

Borretsch

Sonnenblumen

Basilikum

Echter Steinklee

Weißer Steinklee

Schnittlauch

Pimpinelle

Weißer Senf

Buchweizen

Kornblumen (erst Mitte Juli ausgesät)

Lupinen (ohne Blüten, erst im April ausgesät)

Rote Johannisbeere (werde ich in einen Garten verpflanzen; blieben im Topf ohne Blüte und Frucht)

Thymian

Fetthenne

Ringelblumen

Gelber Sonnenhut / Rudbeckia

Cosmea

Ysop

Verbene

Informationen zur Gruppe

Ich habe den Balkon allein bepflanzt und (leider) erst vor kurzem von dem Wettbewerb erfahren. Darum kann ich hier leider keine "richtigen" Aktionsbilder bieten, sondern lediglich die Ergebnisse meiner Aktionen zeigen. Es war eine Menge Arbeit, hat aber auch viel Freude gemacht, und ich wurde mit vielen schönen Erlebnissen belohnt ... Auf Instagram (wilde_freude_muenchen) stelle ich immer mal wieder Pflanzen vor, die für Bienen gut sind und habe hoffentlich den einen oder anderen dazu angeregt, es mir nachzutun. Außerdem bepflanze ich in meinem Stadtteil eine kleine Ecke an einem Fußweg (etwa 7 m groß) mit vor allem bienenfreundlichen Pflanzen; dazu habe ich dort eine kleine Trockensteinmauer errichtet und eine Insektentränke mit Steinen aufgestellt. Dort ergeben sich nahezu täglich interessante Gespräche und ich verteile inzwischen auch sehr gerne die Broschüre "Wir tun was für Bienen" an besonders Interessierte. Außerdem verschenke ich immer wieder Samen (Sonnenblumen, weißer Senf, Buchweizen, Kornblumen etc). Gespräche und Wissensvermittlung sind so wichtig; viele Menschen haben nicht nur ein "Natur-Defizit-Syndrom", sondern nur noch ein ganz spärliches Wissen über die Natur. Eine Frau brachte es so gut auf den Punkt, als sie ganz direkt sagte: "Ach so, ich dachte, alle Blumen sind gleich gut für Bienen!" - Da ist so ein Flecken Erde wunderbar, um ganz unkompliziert und locker ins Gespräch zu kommen. Gespräche zum Thema Bienensterben / Bienen Gutes tun fanden zwar auch auf meinem Balkon statt, aber dort eben (logischerweise) nur mit meinen Besuchern. Aber immerhin haben mich schon Nachbarn auf das Thema Bienenweiden angesprochen, und ich gebe sehr gerne meine Erfahrungen weiter, verschenke Stecklinge und Samen. Und ich lerne viel von anderen Engagierten, aus Gesprächen, Vorträgen, Büchern, Blogs ... Das alles ist eine wirkliche Bereicherung.