Pflanzwettbewerb
„Wir tun was für Bienen!“
Bepflanzte Fläche: 832.009 m²

Bei unserem Naturgarten handelt es sich um einen Hortus-Garten, den so genannten Hortus Lignum et Ludus. Übersetzt heißt das so viel wie Holz- und Spielgarten: An drei Seiten wird der Garten von Holzhallen begrenzt, deren Inhalt mittlerweile als Biotop statt als Wärmequelle dient, und in der Mitte des Gartens befinden sich Klettergerüst, Kletterwand und Sandkasten als zentrale Spielelemente der Kinder.

Früher, das heißt bis vor ein paar Jahren, war der Garten hauptsächlich grüne Wiese mit ein paar kleinen Blumenbeeten. Der Anstoß, das zu ändern und einen Naturgarten mit vielen heimischen Pflanzen anzulegen, erfolgte Anfang 2020. Da machte uns ein Freund auf das Hortus-Netzwerk aufmerksam. Die Grundidee zündete sofort, war das doch das Konzept, nach dem wir lange unbewusst gesucht hatten. So entstanden im Frühjahr desselben Jahres die ersten Umgestaltungen. Es wurden mehr heimische Wildpflanzen gesetzt und Naturmodule wie Pyramide, Käferkeller, Benjeshecke und Sandarium gestaltet. Auch drei Flieder mussten weichen und wir bauten zwei Hochbeete. Im Jahr darauf waren dann die Gartenränder dran. Statt wilder Kirschbüsche und Gras sind dort nun Wildstaudenbeete und heimische Büsche. Außerdem wurde das Mahdkonzept von alle drei Wochen auf vier bis fünf Mal im Jahr umgestellt. Im letzten Herbst wurden dann über 3000 Blumenzwiebeln gesteckt und zusätzlich zu den drei Trögen ein 1000-Liter-Fass zur Regenwassersammlung installiert. Dieses Jahr wurden dann noch weitere kleine Ecken umgestaltet und die Wiese vor der Scheune wurde ein Sitzplatz mit alten Granitpflastersteinen und weiten begrünten Fugen. Passende alte Tische und Stühle sowie alte Apfelkisten als Deko fanden sich in der Scheune, sodass wir für dieses Projekt nichts neu kaufen mussten. Daneben gab es noch ein paar kleinere Aktionen, wie den Einbau einer Stufe neben dem Klettergerüst, damit keine Erde gegen selbiges geschwemmt wird, oder den Bau von diversen Wildbienennisthilfen. Die vorhandenen Staudenbeete wurden durch weitere Pflanzen ergänzt und ein paar Wildrosen kamen ebenfalls hinzu. Eine kleine Waldecke ist neben der Benjeshecke entstanden und wir haben ein neues Biotop in Form von zwei Sumpftöpfen.

Die ganzen Maßnahmen zeigen Erfolg. Es summt und brummt in allen Ecken. Neben den Insekten fühlen sich aber auch Vögel, die ganzjährig gefüttert werden, Igel und Blindschleichen bei uns wohl. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, zeigen uns aber auch die Auszeichnungen, die der Garten bekommen hat: die Auszeichnung als "Igelfreundlicher Garten" durch die Igelhilfe Straubing und das Hortus-Netzwerk, die Auszeichnung durch "Natur im Garten", bei deren Zertifizierung wir fast die Maximalpunktzahl erreichten, sowie der 3. Platz bei „Wir tun was für Bienen“ letztes Jahr.

Die gute Platzierung bei „Wir tun was für Bienen“ gab den Anlass mit der Presse Kontakt aufzunehmen und so wurde in mehreren regionalen Zeitungen („Odenwälder Journal“ und online bei "Mein Südhessen") darüber berichtet. Auch in der regionalen Tageszeitung „Darmstädter Echo“ erschienen im Herbst und im Frühjahr zwei fast halbseitige Artikel. Durch diese mediale Präsenz wurde die örtliche Nachhaltigkeitsinitiative „Fischbachtal kreativ“ auf uns aufmerksam und wir richteten eine gemeinsame Veranstaltung in Form einer Gartenführung aus. Zu dieser kamen dank Werbung auf Plakaten, online und in der regionalen Tageszeitung über 50 Interessierte. Daran schloss sich dann “ein Bericht auf der  Homepage von "Fischbachtal kreativ" und ein weiterer großer Artikel im „Darmstädter Echo an. Dadurch wiederum wurden die Landfrauen einer etwa 15 km entfernten Gemeinde auf den Garten aufmerksam und kamen zu einer Gartenführung. Auch für die Gymnastikfrauen aus dem Ort gab es eine Führung und Mitte Juli auch für die Eltern und Freunde einer guten Freundin von. Durch diese ganzen Veranstaltungen konnten wir einige Kontakte knüpfen und haben auch Einladungen in andere Gärten erhalten. Außerdem werden wir bezüglich Umgestaltungen immer öfter um Rat gefragt und es kommen immer wieder Leute vorbei, die den Garten sehen wollen. Bei Führungen und Besuchen verteilen wir gerne Infomaterial wie die Mini-Tipps aus dem Hortus-Netzwerk sowie Flyer und Heftchen von Deutschland summt und dem Naturgartenverein. Außerdem haben wir eigenes Infomaterial erstellt, wie eine Übersicht mit weiterführenden Links zu Hortus und Naturgarten inklusive Bezugsadressen für Wildpflanzen und Literaturempfehlungen. Außerdem wurden anlassbezogene Tipps verfasst, zuletzt beispielsweise einen Überblick darüber, wie man natürlich gegen Buchsbaumzünsler vorgehen kann, da wir ein paar Leute in der Nachbarschaft haben, die Gift spritzen.

Nach Rücksprache mit dem Bürgermeister und dem Zuständigen vom Umweltamt haben wir Mitte Juli außerdem eine Blühpatenschaft für eine neue entstandene Pflanzfläche an einer Bushaltestelle hier im Ort übernommen. Der Bauhof wird zuvor den Mutterboden abtragen und ein Magersubstrat einfüllen. Geplant ist es, heimische Stauden als Initialpflanzen zu setzen, Blumenzwiebeln zu stecken und die Lücken einzusäen. Über den Sommer werden wir die genaue Planung machen, um dann im Herbst beginnen zu können.

Abgesehen von den persönlichen Kontakten, sind wir über die Seite des Hortus-Netzwerks und über die Facebook-Gruppen des Naturgartenvereins und des Hortus-Netzwerks mit anderen Naturgärtnern vernetzt und man findet uns über verschiedene Online-Karten. So ist der Garten bei den insektenfreundlichen Gärten vom BUND, den wilden Gärten des Naturgartenvereins, der grüne Landkarte der Bundesinitiative Tausende Gärten – tausende Arten sowie natürlich auf der Hortus-Karte registriert.

Neben der Aufklärungsarbeit und der Verbreitung des Naturgartengedankens liegt uns ein Aspekt des Gartens besonders am Herzen: er ist Naturerlebnisraum und sicherer Spielplatz – nicht nur für unsere Kinder, sondern auch für das ukrainische Kind, das mit seiner Mutter seit zwei Monaten in unserer Familie lebt, und für die ukrainischen Kinder aus der Nachbarschaft. Wir sind froh, dass wir den Kindern ein Stück weit unbeschwertes Spielen in einer anregenden Umgebung ermöglichen können. So beobachten sie beispielsweise gerne die Insekten oder probieren Waldsauerklee und Zitronenmelisse oder erobern Klettergerüst und Schaukel. Auch die Erwachsenen kommen gerne und es gab schon einige Gespräche über den Garten, die Pflanzen darin und wieso der Garten einen Namen hat. Von ein paar Pflanzen und Insekten sind die deutschen Bezeichnungen sogar mittlerweile geläufig.

Standort

64405 Fischbachtal

Vorher- & Nachher-Bilder

Aktionsbilder & Infoarbeit

Jubelbilder

Fläche

600 m²

Anzahl der Projektbeteiligten

5

Informationen zur Gruppe

Wir sind eine fünfköpfige Familie, bei der hauptsächlich Mama gärtnert, Papa für die schweren Arbeiten zur Verfügung steht und die Kinder sowieso immer gerne helfen.