Nach dem Motto "Jugend forscht" (na ja, Jugend trifft es bei mir nicht mehr so wirklich) habe ich 2018 mal so ganz langsam losgelegt, meinen kleinen Balkon in eine grüne Oase zu verwandeln, die nicht nur mir, sondern vor allem meinen kleinen Besuchern (also Insekten und Vögeln) gefallen sollte. Anfangs war es eigentlich nur ein Topf mit Blumenerde, in die eine Samenmischung gekommen ist, die bei einem Besuch im Duisburger Zoo von städtischen Mitarbeitern verteilt wurde. Der Balkon war bis dahin frei von Bewuchs, da ich zum Glück einen Ausblick auf einen schönen Innenhof mit recht großen Bäumen direkt vorm Balkon habe.
Dann aber kamen immer mehr Meldungen über das Insektensterben. Und als dann die Mischung auch noch ganz gut anging, beschaffte ich mir Anfang Mai 2019 die ersten drei Balkonkästen und größere Blumentöpfe. Da ich auch ein wenig faul bin und im Hochsommer nicht täglich gießen wollte (vor allem im Urlaub würden das ja meine Nachbarn übernehmen) wollte ich vorsorgen und besorgte mir daher Behältnisse mit einem entsprechenden Wasserreservoir. Allerdings gab es leichte Einschränkungen. Da der Balkon wirklich recht klein ist und nur rund 3,24 qm zur Verfügung hat und ich ihn auch gerne noch zu zweit oder dritt benutzen wollte, mussten die Standplätze genau geplant werden. Zudem sorgten die mittlerweile doch recht großen Bäume im Innenhof dafür, dass man bestenfalls nur noch von halbschattiger Lage sprechen konnte. Und da ich gelinde gesagt eigentlich keine Ahnung vom (Balkon)gärtnern habe, war und ist das Ganze für mich immer noch ein Experiment. Was wächst hier mehr oder weniger schlecht? Und was zieht die Hummeln, Bienen, Schwebfliegen, Käfer und Schmetterlinge eigentlich an? Und welche Insekten gibt es hier überhaupt?
Denn mein Balkon befindet sich in einem sehr dicht bebauten Viertel, das aber glücklicherweise auch durch eine gute Hofbegrünung, eine nicht allzu weit entfernte Kleingartenanlage und vor allem durch einen schönen Baumbestand entlang der Straßen gekennzeichnet ist.

Nach dem ersten Erfolg im Sommer und Herbst 2019 habe ich dann beschlossen, den wohnungseigenen Grünzug ein wenig auszubauen und nach einiger Überlegung ab dem Frühjahr 2020 weitere Balkonkästen und Töpfe aufgestellt. Eine weitere Abstellfläche, die ich glücklicherweise ohne Bohrungen an die bestehende Balkonbrüstung anbringen konnte, verschaffte mir den Platz und sorgte auch dafür, dass noch genug freier Raum zum Sitzen blieb. 3,24 qm sind wirklich nicht viel. Aber Platz ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte.
Zusätzlich wurde ein Rankgerüst für Kletterpflanzen und ein Brett mit mehreren verschiedenen Insektenhotels installiert. Das Brett hat den Vorteil, dass ich bei Bedarf sehr einfach weitere Nisthilfen anbringen kann, wenn meine Angebote bei den geflügelten Sechsbeinern gut ankommen sollten. Vervollkommnet wurde das Angebot durch einen Nistkasten für kleinere Vögel, eine Futterstelle mit drei Futtertrögen für Trockenfutter und Mehlwürmer und eine hängende Vogeltränke.
Ach ja, und dann gibt es auch noch die senkrecht stehenden Stöckchen (vor allem von Brombeeren) für Insekten, die dort gerne nisten wollen.
Über Bücher, das Netz oder Mediatheken bzw. YouTube habe ich zumindest versucht, mir ein klein wenig Wissen anzueignen, schließlich sollte es ja im Sommer hier brummen und zwitschern.

Jetzt Ende Juli 2020 kann ich ein erstes Fazit ziehen:
Eigentlich bin ich ganz zufrieden für einen „Anfänger“ (mit Mitte Fuffzig). Die Nisthilfen für Wildbienen wurden am 14./15. März 2020 aufgehängt und schon ab dem 16. März von der Rostroten? Mauerbiene besiedelt. Zum Glück blühten zu der Zeit schon erste Frühblüher wie Hyazinthen und Narzissen. Futter gab es aber vor allem durch die Bäume (Ahorn) im Innenhof, hier waren zu Höchstzeiten sicher viele hunderte oder gar tausende Insekten unterwegs und so konnte man die regelmäßigen Flüge dorthin und zurück sehr schön beobachten. Ende April war dann Schluss mit den Mauerbienen und etwas über 30 Pappröhrchen (und nur diese wurden von ihnen belegt) waren mit Lehm verschlossen.
Später kamen in den anderen Nisthilfen mit hohlen Stöcken und Holzbohrungen verschiedenster Durchmesser weitere Insekten dazu, u.a. die Lehmwespe (wenn ich sie richtig erkannt habe), aber auch kleinere Insekten.
Sehr gut angenommen wurde der Vogelnistkasten von einem Kohlmeisenpärchen. Ab Mitte / Ende März 2020 wurde das Häuschen das erste Mahl bezogen und am 9. oder 10. Mai haben die Jungvögel das Nest verlassen. Nach einer schnellen Reinigung (leider hat es ein Junges nicht geschafft) des Häuschen kamen die beiden Kohlmeisen Mitte Mai schon wieder (da habe ich sie mit meiner coronabedingt doch recht häufigen Anwesenheit auf dem Balkon wohl doch nicht allzu sehr gestört) und am 22./23. Juni ist dann die zweite Generation schon wieder ausgeflogen. Diesmal haben es alle geschafft und nur ein Ei blieb zurück.
Mittlerweile sind schon wieder viele Pflanzen verblüht, aber neue kommen hoffentlich bald nach. Absoluter Insekten- und hier vor allem Hummelmagnet ist aktuell das Strauchbasilikum, das täglich zigfach angeflogen wird und schon seit Wochen blüht. Da habe ich jetzt noch mal mehrere Pflanzen nachgepflanzt, in der Hoffnung auf eine späte Blüte im August oder September. Und wenn´s nicht mehr klappen sollte, dann wir sie halt von meiner Freundin und mir vertilgt. So oder so eine Win-win-Situation.
Noch etwas spärlich wächst der Kasten mit Samen für einen „Schmetterlings- und Wildbienensaum“ ausschließlich heimischer Pflanzen, aber da soll ja erst ab dem zweiten Jahr so richtig was wachsen und blühen. Auch noch etwas spärlich wachsen die selbst geernteten Samen, die bei verschiedenen Wanderungen und Radtouren gefunden wurden, aber da war ich wohl etwas spät dran in diesem Jahr.

Ach ja, hätte ich fast vergessen: Die große Pflanze, die da ab und zu in der Ecke im Bild erscheint, ist eine Geranie, die ich mal als kleines abgebrochenes Stückchen auf dem Gehweg gefunden habe. Wusste damals gar nicht, was das ist, habe sie aber einfach mal als Zimmerpflanze eingepflanzt. Funktionierte richtig gut und sie wuchs und wuchs. Als sie dann zu groß wurde, kam sie 2019 auf den Balkon. Im Winter blieb sie draußen und da es sehr mild war, ging sie nicht ein, sondern steht immer noch da und ist jetzt rund einsachtzig groß (also so groß, wie mein Balkon breit bzw. lang ist. Tja, ist zwar keine Insektenweide, aber entsorgen will ich sie deswegen auch noch nicht. Und so darf sie dort bleiben, bis irgendwann vielleicht mal wieder ein richtiger Winter kommen wird. Aber wer weiß das schon……

Standort des Beitrags

44139

Aktions-Bilder

Anzahl der Projektbeteiligten

1

Quadratmeter

ca. 1,8 x 1,8 = 3,24 m²

Pflanzliste

Strauchbasilikum

Rosmarin

Kornblumen

Weißer Senf

Dill

Ringelblume

Vergissmeinnicht

Magerwiesen-Margerite

Sonnenblumen

Ackersenf

Saatmohn

Lavendel

Geißblatt

Gewöhnliche Waldrebe

Kapuzinerkresse

Narzisse

Perlhyazinthe

Klee

Informationen zur Gruppe

Keine Gruppe, bin alleine, da ja nur kleiner Balkon. Meine Freundin steht mir ab und zu bei....