Vorzeige-Wegränder als Wildblumenwiesen

Der BUND-Regionalverband Unterweser e.V. startete im April 2018 sein Projekt „Wildblumenwiese am Wegesrand“, mit dem der Umweltverband vor dem Hintergrund des Insektensterbens anhand von Vorzeige-Wegrändern in fünf Gemeinden im Umland von Bremerhaven verdeutlichen möchte, wie diese als an Wildblumen reiche Nahrungsflächen für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten entwickelt werden können und sollten.

Wegränder, noch besser die zwischen den Schlägen liegenden, ungestörten Raine, bieten in der intensiv genutzten Agrarlandschaft als verbliebene Biotope Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen. Außerdem verbinden sie in der Landschaft noch vorhandene Lebensräume miteinander und helfen Tieren und Pflanzen bei ihrer Ausbreitung. Auf Wegrändern, auch Wegraine genannt, leben zahlreiche Tier- und Pflanzarten der Kulturlandschaft. Da auf den angrenzenden Äckern gepflügt, gedüngt und Pestizide gespritzt werden, schaffen die ganzjährig ungenutzten Wegränder mit einer vielfältigen Struktur aus Gräsern, Stauden, zuweilen auch Gebüschen oder gar Einzelbäumen Lebensstätten für eine große Artenvielfalt.

Diese neuen Aktivitäten des BUND sollen Initialzündungen für eine eigendynamische, naturnahe Entwicklung falsch genutzter Wegränder sein. Eine aufwändige Pflege ist anschließend nur selten erforderlich. Die Natur richtet es dann in der Regel selbst. Gleichzeitig zielt das Projekt darauf ab, zum einen über die Berichterstattung in lokalen Medien, auf der Website und auf Facebook auf das Insektensterben aufmerksam zu machen sowie Lösungen aufzuzeigen und zum anderen Menschen zu motivieren, bei den Aktivitäten zum Insektenschutz und bei dem BUND-Projekt mitzumachen. Zum Beispiel konnten mittlerweile sieben neue Aktive gewonnen werden, die sich um einzelne Wegränder kümmern möchten.

Alle Wegränder, die im Rahmen dieses Projekts betreut werden, befinden sich auf öffentlichen Flächen der jeweiligen Gemeinde.

Was bisher geschah

Mit Unterstützung der Gemeinde Beverstedt und des NABU Beverstedt säten Aktive der BUND-Gruppe am 18. April auf einem Wegrand eine Wildblumenmischung aus und pflanzten einige Wildblumen. Zuvor wurde der Wegrand vom Bauhof der Gemeinde durch Schlegeln dafür vorbereitet. Nur wenige Tage später, am Montag, 23. April, mähten mit demselben Ziel rund zehn Freiwillige einen Wegrand an der Imsumer Straße in der Stadt Geestland und harkten das Mahdgut zusammen. Dieses wird nun der benachbarte Landwirt kompostieren. In der Gemeinde Loxstedt wurde Anfang Mai ein Wegrand am Nordfelde von einem Landwirt gemäht. Am 10. Mai harkten Aktive des BUND Unterweser in einem Pflegeeinsatz schließlich das Mahdgut ab, säten stellenweise Wildblumensamen aus und pflanzten Margeriten, Günsel und Rote Lichtnelken als Stauden.

Durch die Mahd sollen den Wegrändern Nährstoffe entzogen sowie die dichte Grasnarbe gelichtet werden. Damit möchte der BUND erreichen, dass sich mittelfristig überhaupt Blumen und auf längere Sicht auch seltenere Arten der mageren Standorte ansiedeln können. Das dichte Gras und nährstoffliebende Großkräuter wie Brennnesseln verhindern die Ansiedlung von standorttypischen Wildblumen, wenngleich sie für viele Insektenlarven wie Raupen wichtige Futterpflanzen sind. Mit der Mahd der Wegränder möchten die Aktiven dem entgegen wirken.

Ausblick

Weitere Vorzeige-Wegränder plant der BUND noch in diesem Jahr auch in den Gemeinden Hagen und Schiffdorf zu entwickeln. Hierzu werden zum Teil mit Unterstützung der örtlichen Landwirte im Herbst 2018 die entsprechenden Flächen vorbereitet, um dort anschließend eine Wildblumenmischung auszusäen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Aussaat im Herbst erfolgversprechender ist als im Frühjahr, da wegen des nasseren Winterhalbjahres die frisch gekeimten Pflanzen nicht auszutrocknen drohen. Die im Frühjahr ausgesäten und gepflanzten Wildblumen auf den o.g. Wegrändern haben leider durch die lang anhaltene Dürre sehr gelitten und sind zum Teil vertrocknet.

Mitmachen & weitere Infos

Wer Lust hat, beim BUND-Projekt „Wildblumenwiese am Wegesrand“ mitzuhelfen, ist herzlich willkommen. Interessierte wenden sich bitte an bernd.quellmalz@nds.bund.net. Weitere Infos: www.BUND-Weser-Elbe.de.

Aktions-Bilder

Nachher-Bilder

Gartenstrukturen

Quadratmeter

1000 m²

Pflanzliste

Für die Aussaat auf den Wegrändern nutzen wir den “Schmetterlings- und Wildbienensaum” (PR1) der Firma Rieger & Hofmann: http://www.rieger-hofmann.de/sortiment/mischungen/wiesen-und-saeume-fuer-die-freie-landschaft/08-schmetterlings-und-wildbienensaum.html

Informationen zur Gruppe

Der BUND-Regionalverband Unterweser e.V. wurde 1975 als „Vereinigung für Naturschutz an der Unterweser“ (VNU) gegründet. Er arbeitet im Unterwesergebiet, insbesondere im Altkreis Wesermünde (heute LK Cuxhaven) und im Stadtgebiet von Bremerhaven. Das Kennenlernen unserer vielfältigen Landschaft mit Tieren und Pflanzen steht im Mittelpunkt der monatlichen naturkundlichen Führungen und Exkursionen. Die Aktiven setzen sich für die Ausweisung und gute Entwicklung von Naturschutzgebieten ein und kämpfen gegen unnötige, schädliche Eingriffe wie manche Straßenbauvorhaben („Küstenautobahn“) und Hafenanlagen in sensiblen Bereichen.
 Durch Flächenaufkauf z.B. am Wollingster See versucht der BUND Unterweser, Pufferzonen um Naturschutzgebiete zu schaffen und - sofern erforderlich – auch zu pflegen. Insgesamt betreut der Verband annähernd 20 wertvolle Flächen, neuerdings auch eine kleine Obstwiese in Bremerhaven.
 Die Ehrenamtlichen kümmern sich um Umweltbildung wie im Wattenmeer-Nationalparkhaus in Dorum-Neufeld und haben ein Besucherlenkungs- und Informationskonzept für den "Polder Bramel" in der Geesteniederung mit dem BUND Bremen entwickelt.
 Vorträge, die der BUND auch in Kooperation mit der Volkshochschule Bremerhaven durchführt, widmen sich aktuellen Themen des Natur- und Umweltschutzes. Im Rahmen der Verbandsbeteiligung geben die Naturschützer*innen des BUND kritische Stellungnahmen zu Bauvorhaben und anderen Eingriffen in Natur und Landschaft ab. Außerdem führen sie Messungen im Umweltbereich durch (z.B. Radioaktivität, Elektrosmog und Gewässerkontrollen). Weitere Infos unter www.BUND-Unterweser.de. Das BUND-Projekt "Wildblumenwiese am Wegesrand" wird koordiniert von Bernd Quellmalz, BUND-Regionalgeschäftsführer Weser-Elbe, in Zusammenarbeit mit dem Vorsitzenden des BUND Unterweser, Dr. Eike Rachor. Beratend steht außerdem der Bienenexperte Oliver Kwetschlich vom BUND Osterholz zur Seite.