Direkt aus der Küche kommt man auf diesen besonderen Balkon, der für mich Küchengarten, Wohlfühloase und Pflanzen- und Insektenwunderland ist. Es gibt keinen besseren Start in den Morgen, als die Balkonrunde zu machen und sich still mit einem Tee zwischen die Pflanzen und das Gesumse zu setzen! Das Tolle an der komprimierten Balkonwelt ist einfach, dass ich soo nah dran und oft auf Augenhöhe bin mit den Pflanzen. Bohrinsel nenne ich ihn, weil er im 2. Stock unseres Wohnprojektes auf einem Stahlgerüst thront und manchmal fühlt es sich an wie auf Deck eines Schiffes. Klimatisch ist es ein spezieller Standort. Im Osten wird er durch die Hauswand des Nachbargebäudes begrenzt, im Westen vom Dach, ein Drittel der Südseite von der Gaube mit Küchentür aus der wir den Balkon betreten. Im Sommer ist es ein extrem sonniger Standort, im Frühjahr und Herbst eher nicht, wenn die Sonne nicht mehr so hoch steht, dass sie es über das Dach schafft. Die Hälfte des Balkons liegt auch in einem ziemlichen Windkorridor, im Sommer war der Balkon nicht so nutzbar wie die tolle Fläche es eigentlich verspricht. Sonnenschirme flogen davon und standen im Weg herum. Daher habe ich vor 2,5 Jahren eine Pergola darauf gesetzt, die ein grünes Rankdach bilden soll und an der Südseite ein Holzelement als Windbrecher, Sonnen- und Sichtschutz hat. Seitdem ziehen immer mehr und vor allem immer mehr heimische Pflanzen ein. Erst wollte ich vor allem Kräuter und dass es schön blüht. Mittlerweile habe ich verstanden, dass es ein gesundes und sich gegenseitig stabilisierendes Miteinander nur mit ganz vielen wilden und heimischen Pflanzen und der dazugehörigen Tier- und Mikroorganismenwelt gibt. Danke an den Balkonkongress, aus dem ich so viele Ideen, Wissen und Inspiration für den Lernprozess bekommen habe! So viele unterschiedliche Leute, Settings, Ideen und Begeisterung. Es gibt so viel zu lernen, zu beobachten und Schlüsse daraus zu ziehen, das ist ein Weg der immer neue Wendungen nimmt. Einige Exoten dürfen aber weiter sein auf meinem Balkon, wie z.B. Toronjil Morado und Yauthli für ihre einzigartigen Aromen…Sie werden allerdings auch sehr gerne angeflogen. Aus meiner Wurmkiste kommt der beste Humus, ergänzt mit Mikroorganismen und Terra Preta. Ich verwende auch Homöopathie, was richtig prima funktioniert! Es fühlt sich beides, richtig und entlastende an, immer mehr auf Kreislauf vor Ort zu setzen und wenig neue Erde/Dünger und Pflanzen anschaffen und schleppen zu müssen. Ich habe aber eine Menge in gute Gefäße und auch in Pflanzen investiert (natürlich pestizidfreie). Jetzt gerade habe ich den Platz ziemlich ausgereizt, jedenfalls wenn auch gute Plätzchen für Menschen bleiben sollen. Im Frühjahr ist aber z.B. noch Platz, so dass im Herbst noch diverse Zwiebeln einziehen können. Jede neue saisonale Phase ist auf ihre Art schön und überraschend und auch jedes Jahr ist anders. Überraschungspflanzen sähen sich aus, wuchsfreudige Alleskönner wie Giersch, Vogelmiere und Portulak esse ich einfach auf, damit weniger durchsetzungsstarke Pflanzen gut durchkommen, Brennesseln kommen meist irgendwann in den Jauchtopf, je nachdem wo sie hochkommen. Herausreißen muss ich eigentlich gar nichts. So einen blühenden Dschungel wir dieses Jahr hatte ich aber noch nie und der summende und krabbelnde Betrieb ist enorm.

Bohrinseloase
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10 m²
Balkone, Terrassen, Dachgärten, vertikale Gärten
Niedersachsen, 30659 Hannover
Bothfelder Bienenbalkon Oase auf der „Bohrinsel“ (3 Personen)
Über unsere Gruppe
Eigentlich bin ich die Gruppe. Teenie-Sohn, 2 Katzen, Partner, große Kinder und Freund*innen und natürlich viele Insekten und Vögel kommen zum Naschen, Genießen und Nisten. Alex hat die Wildbienennesthilfe gebaut und Tammo Umtopfhilfe geleistet für die große Feige, die dieses Frühjahr in ein Weinfass gezogen ist.
Vorher- & Nachher-Bilder

Winterschlaf

Derselbe Blick Anfang Juni

Februar

Anfang Juni




Juli

März

Juni


Ist das Fass zu voll? Ich hoffe, die Feige und die Insekten lieben es so wie ich!

Hier ist die Zinkwanne neu eingezogen und bepflanzt

Es ist eine schöne Sitzecke, auf den Stufen sind ein paar Zimmerpflanzen in der Sommerfrische und ich liebe den neuen Brombeerbottich im Wandel der Monate


Pflanzen & Beete (Jurykriterium)

Eis macht der Lenzrose nichts aus, die Hummelköniginnen lieben sie, Krokusse, Märzenbecher, Ornithogalum, Scharbockskraut und mehr wagen sich hervor. Die Lenzrose trohnt auf dem noch leeren Tomatenbeet und zieht im Sommer in den Schatten hinterm Feigenbaum.

Scharbockskraut, Gundermann, Krokusse, ausgewilderte Narzissen u.a.bringen Bienennahrung, Farbe und Vorfreude auf das Balkonjahr

Brombeere im Zentrum, rundherum Ornithogalum, Gänseblümchen, wilde Primeln, Zillaglöckchen, duftende Narzissen, bis Vergissmeinnicht,tränendes Herz, Walderdbeeren, Storchenschnabel, Blutweiderich und Schmuckkörbchen übernehmen später.

…und getauscht , ausgesäht und eingepflanzt.

Mehr Wurzelraum und gerader Stand – aufregende Umtopfaktion und Experimente mit der Unterpflanzung.Ein bisschen aus dem Bestand und einiges Neues. Die Küchenschelle ist eine große Frühlingsfreude!

Erst ist sie zurückhaltend mit den Blättern und Früchten. Dann explodieren Baum und Unterpflanzung, echter Bertram, Montpelliernelke, Miniphlox, eine aromatische Aster für den Herbst, Calendula, Korn- und Mohnblumen ziehen nach. Die Vogelmiere esse ich auf, es wirdein echter Dschungel.

Hier ist fast immer Schatten, außer Mittags kurz. Dort ist der Nesselkönig und ein Kasten mit kriechenden Günsel, Salomonssiegel und der Nesselblättrigen Glockenblume. Dieser Kasten funktioniert so toll und zieht vom Frühjahr bis jetzt durchgehend jede Menge Insekten und Blicke auf sich!

Glockenblume so richtig in Schwung! Es herrscht Hochbetrieb.

…guter Gießdienst, aber kein Ernten. Über die Radieschen und den Rucola freuen sich jetzt die Insekten!

Die Kiwis Romeo und Julia (nein, Red Jumbo) stehen sich im 3. Jahr gegenüber und sollen die Pergola beranken und natürlich leckere Kiwibeeren machen. Romeo macht einen tollen Rankjob und hat die Pergola im Mai zu einer brunnenden Hummel- und Bienenlaube gemacht. Julia trägt zum ersten Mal!

…ist super durchgestartet, um mit den Kiwibeeren ein schattiges Blätterdach zu machen und natürlich leckere Trauben. Die Wurzeln ihrer Vorgängerin letztes Jahr wurden von Engerlingen verspeist, so dass die ganze Pflanze in einer Woche gestorben ist. Den Weinlaubentraum wollte ich nicht aufgeben!

Die Clematis bringt nach der Kiwiblüte Farbe und verspielte Leichtigkeit in die Pergola, eine zweite (Strauch) Clematis mischt sich mit der Katzenminze, der Rose und der Kapuzinerkresse, die an vielen Stellen mitmischt, mit Farb- und Schärfeexplosionen!

der Rosenkäfer brumselte ca. 10 Tage hier herum, bis er gestorben ist. Schmetterlinge finden gar nicht so oft hierher, außer Kohlweißlingen einigen Nachtfalter, diesem Pfauenauge und einem Taubenschwänzchen

Das große grüne Heupferd höre knuspern und abends sorgt es für sommerliche Klänge. Die nesselblättrige Glockenblume ist so beliebt, dass die Blüten schonmal geteilt werden müssen…Ich fotografiere nur mit dem Handy, das setzt der Insektenfotografie leider Grenzen.

Ich weiß es nicht immer. Na klar futtern sich hier alle Möglichen durch, und das ist voll okay! Es funktioniert in einem gesunden Gleichgewicht. Das Heupferd und die Marienkäfer futtern ebenfalls mit und so können die Ameisen ruhig ihre kleine Läusemelkstation haben.

…jetzt im größeren Topf, unterpflanzt mit drei verschiedenen Veilchensorten.Mohn- und Kornblume kommen auch heraus. Nach einer prallen Sommerernte kommen jetzt die Herbstruten und eine große Sonnenblume, die hier wachsen wollte.

…zu schön, um nicht gefeiert zu werden

…eine besondere Entdeckung dieses Jahr ist die Berle, die so lecker nach jungen Möhren schmeckt! Echinacea lockt Schmetterlinge her, der Natternkopf ist erst im ersten Jahr und blüht noch nicht.

…die nach dem Regen zu Mohnpüppchen geworden sind






Thema Lichtverschmutzung: ist ein echtes Thema, deshalb sind die Solarlichterketten auch immer ausgeschaltet, außer wir machen sie mal ganz gezielt an, weil es eine ganz besondere Magie hat…
Tierfreundliche Gartenstrukturen (Jurykriterium)

Diese Nisthilfe aus einem Buchenholzblock, einem Lärchenblock mit Papierröhrchen und Bambussröhrchen in verschiedenen Größen ist leider zu spät fertig geworden, als die Mauerbienen schon ausgeschwirrt hatten. Und ja, sie ist 10 cm/plus tief!

Mitte Juni werden einige Löcher bezogen, mit ganz unterschiedlichen Verschlüssen. Hier ist eine Löcherbiene noch am Arbeiten. Es sind aber noch viele Plätze frei, vielleicht ist der Standort doch etwas zu schattig?

Gilt eine Wurmvase als tierfreundliche Gartenstruktur? Auf dem Balkon sind 3 im Einsatz, in der Küche steht die große Wurmkiste.

An dieser kleinen Schnitzskulptur wird super gerne geknabbert.Leider weiß ich nicht wer es ist.

Hier ist an sonnigen Tagen richtig viel Betrieb, vor allem von Wespen und Hornissen. Aber sie sind etwas fotoscheu und reagieren sehr auf Bewegung, hab noch kein tolles Foto, aber hier ist immerhin eine Wespe am Trinken.

Ja,unbedingt nur wenn es keine giftigen Wurmkuren etc gab! Ansonsten halte ich die Vögel lieber im oberen Bereich, weil es ja auch der Katzenbalkon ist. Seit in der großen Linde hinterm Haus Krähen nisten, hat Singvögel Besuch in diesem Jahr enorm abgenommen. Auch das Eichhörnchen kommt nicht mehr.

Die Himberstütze ist in einem schönen Drudenfuß aus offenen Bambusstäben gebunden. Ich habe noch nicht reingeguckt, ob jemand eingezogen ist…

Irgendwie auch eine tierfreundliche Struktur

der nächste Frühling wird zeigen, ob der Standort gut geht oder auch nicht…Ich fange erst an die Wildbienenwelt im Detail zu entdecken, aber schon jetzt ermöglicht die Nisthilfe super konkrete Einblicke, plötzlich erlebe ich die Flugzeiten von verschiedenen Bienen, Wespen und Schwebfliegen
Aktionen: Wissen & Begeisterung weitergeben (Jurykriterium)

ich bin keine Online Influencerin und eher auf der „nehmenden Seite“, habe viel gelernt von Vorbildern, dem online Kongress und verschiedesten Kräuterhexen. Aber es kommen auch viele Gäste zu mir und der Balkon ist fast immer Gesprächsthema. Einigen konnte ich die Angst vor einer Wurmkiste nehmen.

…es gibt viele ansonsten toll gebildete Leute, die das, was wir essen nicht als ganze Pflanze kennen. Eine Freundin war entzückt über diese „Oliven“!

…ein anderer Freund war drauf und dran, die giftigen Geißblatt“Johannisbeeren“ zu kosten. Der Balkon ist ein wichtiger Lernort…Für mich auch, denn mir geht es mit dem Insektenleben ungefähr wie manchen Freunden mit den Pflanzen: Meist habe ich keine Ahnung wer da fliegt, frisst und lebt.

…fast alle Beeren und Leckereien hier sind ja unbedingt zum Essen. Im Kolleg*innen- und Freundeskreis habe ich schon viel Werbung für NaturaDB, das naturnahe Balkongärtner gemacht und auch schon viele begeisterte Gärtner*innen gefunden für den Austausch von Wissen, Pflanzen und Begeisterung.
Pflanzliste
Pflanzliste – NaturaDB
Jubelbilder

Hier an einem feuchten Morgen

Und hier an einem frischen Junitag. Ich kann auch welche machen wo ich drauf bin. Sollte es wichtig sein zum Nachreichen. Gerade jetzt, wo die Wettbewerbstore schließen bin ich weg…